Kla­ge auf Stun­den­gut­schrift auf dem Arbeits­zeit­kon­to

Der Antrag, einem Arbeits­zeit­kon­to Stun­den „gut­zu­schrei­ben“, ist hin­rei­chend bestimmt, wenn der Arbeit­ge­ber für den Arbeit­neh­mer ein Zeit­kon­to führt, auf dem zu erfas­sen­de Arbeits­zei­ten nicht auf­ge­nom­men wur­den und noch gut­ge­schrie­ben wer­den kön­nen und das Leis­tungs­be­geh­ren kon­kre­ti­siert, an wel­cher Stel­le des Arbeits­zeit­kon­tos die Gut­schrift erfol­gen soll [1].

Kla­ge auf Stun­den­gut­schrift auf dem Arbeits­zeit­kon­to

Weist das Arbeits­zeit­kon­to geleis­te­te Mehr- oder Über­ar­beit aus oder sol­che Zei­ten, die durch Frei­stel­lung von der Arbeits­pflicht bei Fort­zah­lung der Ver­gü­tung aus­zu­glei­chen sind, ist der Streit­ge­gen­stand iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO hin­rei­chend bestimmt, wenn sich der Antrag auf eine Gut­schrift von sol­chen Zei­ten in einem genau ange­ge­be­nen Umfang bezieht [2].

Danach war der Antrag in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall zuläs­sig: Die beklag­te Arbeit­ge­be­rin führt für den kla­gen­den Arbeit­neh­mer ein Arbeits­zeit­kon­to, auf dem die begehr­te Gut­schrift von 15 Stun­den und 29 Minu­ten noch erfol­gen kann. Die Arbeit­ge­be­rin hat nicht behaup­tet, dass die Anga­ben in die­sem Arbeits­zeit­kon­to nicht mehr kor­ri­giert wer­den könn­ten. An wel­cher Stel­le des Arbeits­zeit­kon­tos die Gut­schrift erfol­gen soll, kommt zwar im Wort­laut des Antrags nicht zum Aus­druck. Inso­weit lässt der Antrag aber bei gebo­te­ner, auf die Ermög­li­chung einer Sach­ent­schei­dung gerich­te­ten Aus­le­gung [3] den Inhalt der vom Arbeit­neh­mer begehr­ten Ent­schei­dung erken­nen. Der Arbeit­neh­mer ver­langt die Gut­schrift für die Zei­ten der Betriebs­rats­tä­tig­keit außer­halb sei­ner Arbeits­zeit am 11.06.2015 im Umfang von vier Stun­den und 20 Minu­ten, am 20.08.2015 im Umfang von wei­te­ren acht Stun­den und am 24.09.2015 im Umfang von drei Stun­den und neun Minu­ten. Die Zeit­gut­schrift für die über acht Stun­den hin­aus­ge­hen­de Betriebs­rats­tä­tig­keit am 20.08.2015 ist dem Arbeit­neh­mer bereits rechts­kräf­tig zuge­spro­chen wor­den, nach­dem das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Anschluss­be­ru­fung der Arbeit­ge­be­rin zurück­ge­wie­sen und die Arbeit­ge­be­rin die­se Ent­schei­dung nicht ange­foch­ten hat. Damit ist das Kla­ge­be­geh­ren für die Bestim­mung des Umfangs der Rechts­kraft hin­rei­chend bestimmt.

Da das Arbeits­zeit­kon­to den Ver­gü­tungs­an­spruch ver­bind­lich bestimmt, hat der Arbeit­neh­mer einen Anspruch auf kor­rek­te Füh­rung. Geleis­te­te Arbeit ist gemäß § 611 Abs. 1 BGB (seit dem 1.04.2017: § 611a Abs. 2 BGB) in das Kon­to auf­zu­neh­men. Die­se Grund­sät­ze gel­ten eben­so für Anga­ben, die ein durch Befrei­ung von der Arbeits­pflicht aus­zu­glei­chen­des Zeit­gut­ha­ben aus­wei­sen. Auch hin­sicht­lich die­ser Daten hat der Arbeit­neh­mer einen Anspruch auf kor­rek­te Füh­rung des Arbeits­zeit­kon­tos und kann bei feh­ler­haf­ten Anga­ben eine Berich­ti­gung ver­lan­gen [4].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Mai 2019 – 7 AZR 396/​17

  1. BAG 26.09.2018 – 7 AZR 829/​16, Rn. 12; 18.01.2017 – 7 AZR 224/​15, Rn. 16, BAGE 158, 31; 28.09.2016 – 7 AZR 248/​14, Rn. 21; 29.06.2016 – 5 AZR 617/​15, Rn. 14 mwN, BAGE 155, 310[]
  2. vgl. BAG 26.09.2018 – 7 AZR 829/​16, Rn. 12; 18.01.2017 – 7 AZR 224/​15, Rn. 16, aaO; 15.02.2012 – 7 AZR 774/​10, Rn. 17[]
  3. vgl. BAG 18.01.2017 – 7 AZR 224/​15, Rn. 17, BAGE 158, 31; 23.03.2016 – 5 AZR 758/​13, Rn. 22, BAGE 154, 337[]
  4. BAG 26.09.2018 – 7 AZR 829/​16, Rn. 15; 18.01.2017 – 7 AZR 224/​15, Rn. 34, BAGE 158, 31; 15.02.2012 – 7 AZR 774/​10, Rn.20[]