Kla­ge eines Arbeit­neh­mers gegen den Geschäfts­füh­rer der Arbeit­ge­ber-GmbH

er Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen ist in ana­lo­ger Anwen­dung von § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG auch bei einer Kla­ge eines Arbeit­neh­mers gegen den Geschäfts­füh­rer der GmbH, die Arbeit­ge­be­rin des Klä­gers ist, gege­ben, wenn die Kla­ge eine uner­laub­te Hand­lung betrifft, die mit dem Arbeits­ver­hält­nis in Zusam­men­hang steht. Der Begriff der uner­laub­ten Hand­lung ist dabei weit zu ver­ste­hen.

Kla­ge eines Arbeit­neh­mers gegen den Geschäfts­füh­rer der Arbeit­ge­ber-GmbH

Arbeit­ge­ber im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 3 ArbGG ist der­je­ni­ge, der einen Arbeit­neh­mer im Sin­ne des § 5 ArbGG beschäf­tigt. Arbeit­ge­ber der Klä­ge­rin ist die S. GmbH, nicht deren Geschäfts­füh­rer. Gleich­wohl ist der Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen auch dann eröff­net, wenn der von einer juris­ti­schen Per­son ange­stell­te Arbeit­neh­mer deren Organ, zum Bei­spiel den Geschäfts­füh­rer einer GmbH (§ 35 GmbHG), im Wege einer bür­ger­li­chen Strei­tig­keit aus uner­laub­ter Hand­lung im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG ver­klagt 1.

In sol­chen Fäl­len ist § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG ent­spre­chend anzu­wen­den. Dabei steht die als Organ der juris­ti­schen Per­son han­deln­de natür­li­che Per­son dem Arbeit­ge­ber gleich. Denn die juris­ti­sche Per­son selbst kann nicht Täter einer uner­laub­ten Hand­lung sein, wohl aber das für sie han­deln­de Organ. Es liegt eine aus­fül­lungs­be­dürf­ti­ge und ‑fähi­ge Lücke im Gesetz vor: Ist der vom Arbeit­neh­mer ver­klag­te Arbeit­ge­ber eine natür­li­che Per­son oder per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer Han­dels­ge­sell­schaft, so ist der Weg zu den Arbeits­ge­rich­ten schon nach dem Wort­laut des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG eröff­net 2. Eben­so ist der Rechts­weg zu den Arbeits­ge­rich­ten eröff­net, wenn ein Arbeit­neh­mer von einem ande­ren Arbeit­neh­mer nach § 2 Abs. 1 Nr. 9 ArbGG aus uner­laub­ter Hand­lung vor den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen ver­klagt wird. Daher wäre es mit dem Sys­tem des § 2 Abs. 1 ArbGG nicht ver­ein­bar, wenn eine als Organ für eine juris­ti­sche Per­son han­deln­de natür­li­che Per­son nicht vor den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen ver­klagt wer­den dürf­te, wenn der Arbeit­neh­mer gegen sie einen bür­ger­li­chen Streit aus uner­laub­ter Hand­lung im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG führt. Die­se Lücke ist durch ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG zu schlie­ßen 3. Zur inso­weit mit § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG (1979) inhalt­lich über­ein­stim­men­den Vor­schrift des § 2 Abs. 2 ArbGG 1926 hat bereits das Reichs­ar­beits­ge­richt die­sel­be Ansicht ver­tre­ten 4. Dar­an hat sich in der Gegen­wart nichts geän­dert 5.

Der Begriff der uner­laub­ten Hand­lung in § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG ist weit zu ver­ste­hen 6. Die Hand­lung muss nur mit dem Arbeits­ver­hält­nis in inne­rem Zusam­men­hang ste­hen 7. Es kommt nicht dar­auf an, ob eine uner­laub­te Hand­lung im Sin­ne von § 823 Abs. 2 BGB vor­liegt 8. Die Kla­ge muss nicht auf Leis­tung von Scha­dens­er­satz gerich­tet sein. Ein Unter­las­sungs- oder Besei­ti­gungs­be­geh­ren reicht aus 9.

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall macht die Arbeit­neh­me­rin gel­tend, der beklag­te Geschäfts­füh­rer habe – han­delnd als das Organ ihrer Arbeit­ge­be­rin – in ihr Per­sön­lich­keits­recht in straf­recht­lich rele­van­ter Wei­se dadurch ein­ge­grif­fen, indem er unwah­re Behaup­tun­gen über sie in Bezug auf ihr Arbeits­ver­hält­nis und ihre Bereit­schaft zur Arbeits­leis­tung auf­ge­stellt habe und begehrt deren Unter­las­sung. Damit ist in ana­lo­ger Anwen­dung des § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buch­sta­be d ArbGG für das Begeh­ren der Arbeit­neh­me­rin der Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen gege­ben.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Beschluss vom 29. Juli 2014 – 13 Ta 20/​14

  1. vgl. BAG 24.06.1996 – 5 AZB 35/​95NZA 1997, 115[]
  2. vgl. BAG 14.11.1979 – 4 AZR 3/​78 – AP Nr. 2 zu § 4 TVG Gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen[]
  3. vgl. LAG Hamm 22.08.1967 – 3 Sa 413/​67DB 1968, 136; Hes­si­sches LAG 3.02.1994 – 16 Ta 2/​94ArbuR 1994, 312, BB 1994, 1504[]
  4. RAG 19.01.1929 – RAG 473/​28 – ARS 5, 133, 135[]
  5. vgl. BAG 24.06.1996 – 5 AZB 35/​95NZA 1997, 115; LAG Hamm 6.10.2005 – 2 Ta 899/​04 – LAGE § 2 ArbGG 1979 Nr. 48; LAG Rhein­land-Pfalz 16.01.2008 – 9 Ta 288/​07ZTR 2008, 227; Ger­mel­mann u.A., Schlewing, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2013, § 2 Rn. 51; ErfK-Koch, 14. Auf­la­ge 2014, § 2 ArbGG Rn. 14; Schwab/​Weth – Wal­ker, ArbGG, 3. Auf­la­ge 2011, § 2 Rn. 128[]
  6. vgl. Grun­sky-Waas, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2014, § 2 Rn. 60; Ger­mel­mann u.A., Schlewing, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2013, § 2 Rn. 74[]
  7. vgl. Ger­mel­mann u.A., Schlewing, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2013, § 2 Rn. 76; ErfK-Koch, 14. Auf­la­ge 2014, § 2 ArbGG Rn. 21[]
  8. vgl. Ger­mel­mann u.A., Schlewing, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2013, § 2 Rn. 74 unter Bezug­nah­me auf Rn. 33[]
  9. vgl. Grun­sky-Waas, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2014, § 2 Rn. 62[]
  10. AG Eus­kir­chen, Urteil vom 19.03.2013 – 17 C 160/​12[]