Kla­ge auf Ertei­lung einer Zeit­gut­schrift

Der Antrag, einem Arbeits­zeit­kon­to Stun­den "gut­zu­schrei­ben" bzw. in ein Arbeits­zeit­kon­to Stun­den "ein­zu­stel­len", ist hin­rei­chend bestimmt, wenn der Arbeit­ge­ber für den Arbeit­neh­mer ein Zeit­kon­to führt, auf dem zu erfas­sen­de Arbeits­zei­ten nicht auf­ge­nom­men wur­den und noch gut­ge­schrie­ben wer­den kön­nen und das Leis­tungs­be­geh­ren kon­kre­ti­siert, an wel­cher Stel­le des Arbeits­zeit­kon­tos die Gut­schrift erfol­gen soll1.

Kla­ge auf Ertei­lung einer Zeit­gut­schrift

Weist das Arbeits­zeit­kon­to geleis­te­te Mehr- oder Über­ar­beit aus oder sol­che Zei­ten, die durch Frei­stel­lung von der Arbeits­pflicht bei Fort­zah­lung der Ver­gü­tung aus­zu­glei­chen sind, ist der Streit­ge­gen­stand iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO hin­rei­chend bestimmt, wenn sich der Antrag auf eine Gut­schrift von sol­chen Zei­ten in einem genau ange­ge­be­nen Umfang bezieht2.

Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Bei einem wört­li­chen Ver­ständ­nis wäre der auf Gewäh­rung einer Zeit­gut­schrift von 64 Stun­den gerich­te­te Antrag man­gels Bestimmt­heit iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO unzu­läs­sig. Der Wort­laut lässt im Unkla­ren, an wel­cher Stel­le wel­ches Arbeits­zeit­kon­tos die Gut­schrift erfol­gen soll. Inso­weit lässt der Antrag aber bei der gebo­te­nen, auf die Ermög­li­chung einer Sach­ent­schei­dung gerich­te­ten Aus­le­gung3 den Inhalt der vom kla­gen­den Arbeit­neh­mer begehr­ten Ent­schei­dung erken­nen. Der Kla­ge­an­trag ist nach sei­nem Vor­brin­gen dahin zu ver­ste­hen, dass der beklag­te Arbeit­ge­ber die Zeit­gut­schrift auf dem für den Arbeit­neh­mer auf der Grund­la­ge von Tarif­ver­trag und der Betriebs­ver­ein­ba­rung zur Arbeits­zeit geführ­ten Arbeits­zeit­kon­to vor­neh­men und das Kon­to dadurch berich­ti­gen soll. Die gel­tend gemach­te Gut­schrift von 64 Stun­den bezieht sich auf die vom Arbeit­neh­mer kon­kret bezeich­ne­ten 16 Tage, an denen er außer­halb sei­ner per­sön­li­chen Arbeits­zeit an acht­stün­di­gen Betriebs­rats­sit­zun­gen teil­ge­nom­men hat. Der Arbeit­ge­ber hat nicht behaup­tet, dass das Zeit­kon­to an die­ser Stel­le nicht mehr kor­ri­giert wer­den kann.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2018 – 7 AZR 829/​16

  1. vgl. BAG 28.09.2016 – 7 AZR 248/​14, Rn. 21; 29.06.2016 – 5 AZR 617/​15, Rn. 14 mwN, BAGE 155, 310 []
  2. vgl. BAG 15.02.2012 – 7 AZR 774/​10, Rn. 17 []
  3. vgl. BAG 18.01.2017 – 7 AZR 224/​15, Rn. 17 mwN, BAGE 158, 31 []