Kla­ge­än­de­rung in der Revisionsinstanz

Nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO ist eine Kla­ge­än­de­rung in der Revi­si­ons­in­stanz grund­sätz­lich unzu­läs­sig [1]. Der Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in zwei­ter Instanz bil­det nicht nur bezüg­lich des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens, son­dern auch hin­sicht­lich der Anträ­ge der Par­tei­en die Ent­schei­dungs­grund­la­ge für das Revi­si­ons­ge­richt. Der Kla­ge­an­trag darf in der Revi­si­ons­in­stanz jedoch in den Fäl­len des § 264 Nr. 2 ZPO unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen umge­stellt wer­den [2].

Kla­ge­än­de­rung in der Revisionsinstanz

Aus­ge­hend hier­von ist es nicht nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO aus­ge­schlos­sen, dass der Klä­ger sei­nen Sach­an­trag in der Revi­si­ons­in­stanz umstellt.

Indem der Klä­ger den Fest­stel­lungs­an­trag im hier ent­schie­de­nen Fall in zeit­li­cher Hin­sicht bei sonst unver­än­der­tem Sach­ver­halt ein­schränkt, beschränkt er den Kla­ge­an­trag ledig­lich quan­ti­ta­tiv, ohne den Kla­ge­grund iSv. § 264 Nr. 2 ZPO zu ändern. Der Klä­ger erstrebt nicht mehr die Fest­stel­lung einer Wochen­ar­beits­zeit von 40 Stun­den ab dem 1.09.2014 auf unbe­stimm­te Zeit, son­dern begrenzt den Zeit­raum auf den 30.09.2018. Mit der Ver­län­ge­rung oder Ver­kür­zung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raums ändert der Klä­ger, sofern es sich nicht um eine ganz ande­re Pha­se han­delt, den Umfang sei­nes Kla­ge­be­geh­rens [3].

Der Beschrän­kung des Fest­stel­lungs­an­trags in der Revi­si­ons­in­stanz steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger nicht Rechts­mit­tel­füh­rer ist.

Ein neu­er Kla­ge­an­trag in der Revi­si­ons­in­stanz erfor­dert grund­sätz­lich, dass der Klä­ger Rechts­mit­tel­füh­rer ist. Andern­falls kommt eine Aus­nah­me von § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO regel­mä­ßig nicht in Betracht. Allein die Ein­le­gung der Revi­si­on oder Anschluss­re­vi­si­on eröff­net den Par­tei­en die Mög­lich­keit, Sach­an­trä­ge zu stel­len. Sonst wür­den die gesetz­li­chen Rege­lun­gen der Revi­si­on und Anschluss­re­vi­si­on umgan­gen. Wer nicht selbst Rechts­mit­tel­füh­rer ist und auch kein Anschluss­rechts­mit­tel ein­ge­legt hat, ist auf die Abwehr des Rechts­mit­tels beschränkt, ohne eine Ände­rung des ange­grif­fe­nen Urteils zu sei­nen Guns­ten errei­chen zu kön­nen. Im Unter­schied zu einer Kla­ge­er­wei­te­rung iSv. § 264 Nr. 2 ZPO kann eine Beschrän­kung des Kla­ge­an­trags nach die­ser Vor­schrift jedoch durch den revi­si­ons­be­klag­ten Klä­ger auch ohne Anschluss­re­vi­si­on zuläs­sig sein [4].

Unter Berück­sich­ti­gung des­sen konn­te der Klä­ger sei­nen Kla­ge­an­trag auf die Zeit bis zum 30.09.2018 beschrän­ken, ohne Anschluss­re­vi­si­on ein­zu­le­gen. Die quan­ti­ta­ti­ve Beschrän­kung des Kla­ge­an­trags ohne Ände­rung des Kla­ge­grun­des iSv. § 264 Nr. 2 ZPO dient nach wie vor der Abwehr der Revi­si­on. Der Klä­ger will mit der Antrags­um­stel­lung nicht errei­chen, dass das Beru­fungs­ur­teil zu sei­nen Guns­ten geän­dert wird, son­dern dass die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen wird. In die­ser Fall­ge­stal­tung ist eine Antrags­än­de­rung in der Revi­si­ons­in­stanz durch den Klä­ger auch dann zuläs­sig, wenn er als Revi­si­ons­be­klag­ter kei­ne Anschluss­re­vi­si­on ein­ge­legt hat [5].

Es kann dahin­ste­hen, ob in der Beschrän­kung der Kla­ge nach § 264 Nr. 2 ZPO zugleich eine teil­wei­se Kla­ge­rück­nah­me liegt, in die der Beklag­te nach § 269 Abs. 1 ZPO ein­wil­li­gen muss. Das ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten [6]. Der Beklag­te hat die Ein­wil­li­gung nach § 269 Abs. 1 ZPO jeden­falls kon­klu­dent erteilt, indem er sich in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt auf den Vor­trag des Klä­gers ein­ge­las­sen hat, mit dem die­ser bestä­tigt hat, dass die Par­tei­en einen Ände­rungs­ver­trag abge­schlos­sen haben. Zu der Fra­ge, ob der Klä­ger wei­ter­hin ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se hat, haben die Par­tei­en ver­han­delt. Dar­in liegt eine kon­klu­den­te Ein­wil­li­gung des Beklag­ten in eine etwai­ge teil­wei­se Kla­ge­rück­nah­me [7].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Juli 2020 – 10 AZR 507/​18

Klageänderung in der Revisionsinstanz
  1. st. Rspr., zB BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F), Rn. 14, BAGE 167, 36; 29.08.2018 – 7 AZR 206/​17, Rn. 26[]
  2. BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F) – aaO[]
  3. vgl. BGH 11.02.1960 – II ZR 198/​59, zu 2 der Grün­de; Musielak/​Voit/​Foerste ZPO 17. Aufl. § 264 Rn. 3; Zöller/​Greger ZPO 33. Aufl. § 264 Rn. 3a[]
  4. BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F), Rn. 17 f., BAGE 167, 36[]
  5. vgl. BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F), Rn.19, BAGE 167, 36[]
  6. zum Streit­stand BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F), Rn.20, BAGE 167, 36[]
  7. vgl. BAG 5.06.2019 – 10 AZR 100/​18 (F) – aaO[]

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