Kon­kur­renz­tä­tig­keit im gekün­dig­ten Arbeits­ver­hält­nis

Wäh­rend des recht­li­chen Bestehens eines Arbeits­ver­hält­nis­ses ist einem Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich jede Kon­kur­renz­tä­tig­keit zum Nach­teil sei­nes Arbeit­ge­bers unter­sagt 1. Die für Hand­lungs­ge­hil­fen gel­ten­de Rege­lung des § 60 Abs. 1 HGB kon­kre­ti­siert einen all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­ken. Der Arbeit­ge­ber soll vor Wett­be­werbs­hand­lun­gen sei­nes Arbeit­neh­mers geschützt wer­den. Der Arbeit­neh­mer darf im Markt­be­reich sei­nes Arbeit­ge­bers Diens­te und Leis­tun­gen nicht Drit­ten anbie­ten. Dem Arbeit­ge­ber soll die­ser Bereich unein­ge­schränkt und ohne die Gefahr einer nach­tei­li­gen Beein­flus­sung durch den Arbeit­neh­mer offen­ste­hen 2. Dem Arbeit­neh­mer ist auf­grund des Wett­be­werbs­ver­bots nicht nur eine Kon­kur­renz­tä­tig­keit im eige­nen Namen und Inter­es­se unter­sagt. Ihm ist eben­so wenig gestat­tet, einen Wett­be­wer­ber des Arbeit­ge­bers zu unter­stüt­zen 3. Aller­dings darf er, wenn ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot nach § 74 HGB nicht ver­ein­bart ist, schon vor Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses für die Zeit nach sei­nem Aus­schei­den die Grün­dung eines eige­nen Unter­neh­mens oder den Wech­sel zu einem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men vor­be­rei­ten 4. Ver­bo­ten ist ledig­lich die Auf­nah­me einer wer­ben­den Tätig­keit, zB durch Ver­mitt­lung von Kon­kur­renz­ge­schäf­ten oder akti­ves Abwer­ben von Kun­den. Blo­ße Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen, die in die Inter­es­sen des Arbeit­ge­bers nicht unmit­tel­bar ein­grei­fen, erfül­len die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht 5.

Kon­kur­renz­tä­tig­keit im gekün­dig­ten Arbeits­ver­hält­nis

Das ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot gilt wäh­rend der gesam­ten recht­li­chen Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses. Des­halb darf ein Arbeit­neh­mer grund­sätz­lich auch nach Aus­spruch einer von ihm gericht­lich ange­grif­fe­nen außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung des Arbeit­ge­bers kei­ne Kon­kur­renz­tä­tig­keit aus­ge­übt haben, wenn die Kün­di­gung sich spä­ter als unwirk­sam her­aus­stellt. Er ist in der Regel auch wäh­rend des Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses an das ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot gebun­den 6. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob eine Karenz­ent­schä­di­gung ange­bo­ten 7 oder er vor­läu­fig wei­ter­be­schäf­tigt wird 8.

Den­noch kann im Ein­zel­fall dem Arbeit­ge­ber unter Berück­sich­ti­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zumin­dest bis zum Ablauf der Kün­di­gungs­frist zuzu­mu­ten sein. Die bei der Inter­es­sen­ab­wä­gung zu berück­sich­ti­gen­den Umstän­de las­sen sich nicht abschlie­ßend und für alle Fäl­le ein­heit­lich fest­le­gen. Geht es um die Beur­tei­lung rechts­wid­ri­gen schuld­haf­ten Ver­hal­tens des Arbeit­neh­mers, sind aber stets die bean­stan­dungs­freie Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses, das Gewicht und die nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen einer Ver­trags­pflicht­ver­let­zung, eine mög­li­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr und der Grad des Ver­schul­dens des Arbeit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen 9.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2010 – 2 AZR 1008/​08

  1. st. Rspr.: BAG 26.06.2008 – 2 AZR 190/​07, m.w.N., AP BGB § 626 Nr. 213 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 21[]
  2. BAG 21.11.1996 – 2 AZR 852/​95 – Rn. 20, EzA BGB § 626 nF Nr. 162; 26.01.1995 – 2 AZR 355/​94 – Rn. 21, EzA BGB § 626 nF Nr. 155[]
  3. BAG 21.11.1996 – 2 AZR 852/​95 – Rn. 20, aaO; 16.01.1975 – 3 AZR 72/​74AP HGB § 60 Nr. 8[]
  4. vgl. BAG 26.06.2008 – 2 AZR 190/​07 – Rn. 15, m.w.N., aaO[]
  5. BAG 26.06.2008 – 2 AZR 190/​07 – Rn. 15, aaO[]
  6. BAG 25.04.1991 – 2 AZR 624/​90AP BGB § 626 Nr. 104 = EzA BGB § 626 nF Nr. 140[]
  7. a.A.: LAG Köln 04.07.1995 – 9 Sa 484/​95, AP HGB § 75 Nr. 9; APS/​Dörner 3. Aufl. § 1 KSchG Rn. 325[]
  8. a.A.: MünchKommBGB/​Henssler 5. Aufl. § 626 BGB Rn. 124[]
  9. vgl. BAG 26.03.2009 – 2 AZR 953/​07 – Rn. 28, AP BGB § 626 Nr. 220; 10.11.2005 – 2 AZR 623/​04 – Rn. 38, AP BGB § 626 Nr. 196 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 11[]