Kor­rek­tur­mel­dun­gen in der Sozi­al­ver­si­che­rung

Ein Anspruch auf Kor­rek­tur­mel­dung gem. § 14 DEÜV ist öffent­lich-recht­li­cher Art, wes­halb für die­sen die Sozi­al­ge­rich­te rechts­weg­zu­stän­dig sind.

Kor­rek­tur­mel­dun­gen in der Sozi­al­ver­si­che­rung

Ein sol­cher Anspruch auf Kor­rek­tur­mel­dung gemäß § 14 Abs. 1 DEÜV wegen unzu­tref­fen­der Anga­be über die Zeit der Beschäf­ti­gung unter­fällt nicht der arbeits­ge­richt­li­chen Zustän­dig­keit. Die Rechts­weg­zu­stän­dig­keit ergibt sich ins­be­son­de­re nicht aus § 2 Abs. 1 Nr. 3 e ArbGG.

Gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 3 e ArbGG unter­fal­len der arbeits­ge­richt­li­chen Zustän­dig­keit bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber über Arbeits­pa­pie­re. Die Unter­rich­tung gemäß § 25 Abs. 1 DEÜV stellt zwar ein Arbeits­pa­pier dar. Der Ertei­lungs­an­spruch wur­de aber bereits erfüllt. Einen Berich­ti­gungs­an­spruch gibt es nicht. Wie bereits oben dar­ge­stellt, ist das eigent­li­che Begehr des Klä­gers gerich­tet auf eine Kor­rek­tur­mel­dung der Beklag­ten gegen­über der Ein­zugs­stel­le. Arbeits­pa­pie­re sind aber nur Papie­re und Beschei­ni­gun­gen, die der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer zu ertei­len hat. Hier­zu gehö­ren jedoch nicht die Mel­dun­gen, die nach § 28 a Abs. 1 bis 3 SGB IV gegen­über der Kran­ken­kas­se abzu­ge­ben sind 1. Die­se Mel­dun­gen betref­fen näm­lich nur das Ver­hält­nis Arbeit­ge­ber zur Ein­zugs­stel­le 2.

Eine arbeits­ge­richt­li­che Zustän­dig­keit ergibt sich auch nicht aus § 2 Abs. 1 Nr. 3 a oder Nr. 3 c ArbGG. Danach sind die Arbeits­ge­rich­te zustän­dig für bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber aus dem Arbeits­ver­hält­nis, bzw. auch aus des­sen Nach­wir­kun­gen. Vor­lie­gen­der Rechts­streit ist aber nicht bür­ger­lich-recht­li­cher, son­dern öffent­lich-recht­li­cher Art.

Ob eine Strei­tig­keit bür­ger­lich-recht­li­cher oder öffent­lich-recht­li­cher Art ist, rich­tet sich nach der Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses, aus dem der Kla­ge­an­spruch abge­lei­tet wird. Maß­ge­bend ist, ob der zur Kla­ge­be­grün­dung vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt für die aus ihm her­ge­lei­te­te Rechts­fol­ge von Rechts­sät­zen des bür­ger­li­chen Rechts oder des öffent­li­chen Rechts geprägt wird 3. Die Abgren­zung muss von der Sache her getrof­fen wer­den. Aus­gangs­punkt für die Prü­fung ist des­halb die Fra­ge, wel­cher Art das Kla­ge­be­geh­ren nach dem zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt ist. Das bewirkt, das regel­mä­ßig die Gerich­te anzu­ru­fen sind und zu ent­schei­den haben, die durch beson­de­re Sach­kun­de und Sach­nä­he zur Ent­schei­dung über den in Fra­ge ste­hen­den Anspruch beru­fen sind 4.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt für einen ver­gleich­ba­ren Fall einer bean­trag­ten kor­ri­gie­ren­den Mel­dung bei der Ein­zugs­stel­le erkannt, dass ein sol­cher Anspruch öffent­lich-recht­li­cher Natur sei und des­halb der Rechts­weg zu den Sozi­al­ge­rich­ten gege­ben sei 5. Der Arbeit­ge­ber sei näm­lich nach den Vor­schrif­ten des § 28 a SGB IV und nach den Rege­lun­gen der DEÜV, somit nach Regeln des öffent­li­chen Rechts mel­de­ver­pflich­tet. Die DEÜV rege­le das for­mel­le Mel­de­ver­fah­ren, wie Fris­ten, Ände­rung, Berich­ti­gung und Stor­nie­rung der Mel­dung und kon­kre­ti­sie­re den Inhalt der Mel­dun­gen. Die Mel­de­pflich­ten kön­nen durch Ver­wal­tungs­akt fest­ge­stellt und über die Ver­wal­tungs­voll­stre­ckungs­ge­set­ze des Bun­des oder der Län­der voll­streckt wer­den. Die Nicht­be­ach­tung der Mel­de­vor­schrif­ten kön­ne gemäß § 111 Abs. 1 SGB IV eine Ord­nungs­wid­rig­keit dar­stel­len. Des­halb kön­ne der Streit um die inhalt­li­che Ände­rung einer gegen­über einer Kran­ken­kas­se erstat­te­ten Mel­dung grund­sätz­lich nicht anders beur­teilt wer­den als der Streit um die Berich­ti­gung einer Arbeits­be­schei­ni­gung oder der nach­träg­li­chen Kor­rek­tur einer Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung 5, die eben­falls nicht der arbeits­ge­richt­li­chen Zustän­dig­keit unter­fal­len 6.

Die­se Ein­schät­zung wird jedoch ins­be­son­de­re vom Bun­des­fi­nanz­hof für den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt für ver­gleich­bar gehal­te­nen Fall einer Kor­rek­tur der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung nicht geteilt 7. Der Bun­des­fi­nanz­hof dif­fe­ren­ziert nicht danach, dass gemäß § 41 b Abs. 1 Satz 2 EStG die Ver­pflich­tung zur Anga­ben­über­mitt­lung nach amt­lich vor­ge­schrie­be­nem Daten­satz auf elek­tro­ni­schem Wege (elek­tro­ni­sche Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung) nur im Ver­hält­nis Arbeit­ge­ber zum Finanz­amt besteht und gemäß § 41 b Abs. 1 Satz 3 EStG dem Arbeit­neh­mer im Ver­hält­nis zum Arbeit­ge­ber ledig­lich ein (bür­ger­lich-recht­li­cher) Ertei­lungs­an­spruch auf Fer­ti­gung eines Aus­drucks die­ser elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung zusteht. Er kommt ohne die­se Dif­fe­ren­zie­rung der Rechts­be­zie­hun­gen zum Ergeb­nis, dass wenn der zur Kla­ge­be­grün­dung vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt von Rechts­sät­zen des Arbeits­rechts geprägt wer­de, die Ansprü­che arbeits­recht­li­cher Natur sei­en. Dies gel­te vor allem, wenn Streit bestehe, ob über­haupt ein Arbeits­ver­hält­nis vor­ge­le­gen hat, für wel­chen Zeit­raum das Arbeits­ver­hält­nis bestan­den hat oder wel­che arbeits­recht­li­chen Ansprü­che – ins­be­son­de­re Bar­lohn­an­sprü­che – bestan­den haben. Unter sol­chen Umstän­den sei davon aus­zu­ge­hen, dass der for­mell um die Berich­ti­gung der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung geführ­te Streit sei­nem eigent­li­chen Inhalt nach eine bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit bil­de und des­halb den Arbeits­ge­rich­ten zuge­wie­sen sei.

In eine ähn­li­che Rich­tung ten­diert bei einer sozi­al­recht­li­chen Ummel­dung eines Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses auch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in Bezug auf den zu mel­den­den Arbeits­ort 8. Es führt aus, dass es in einem sol­chen Streit nicht pri­mär um die for­mel­le Mel­de­pflicht als öffent­lich-recht­li­che Pflicht gehe, son­dern inhalt­lich um die Rich­tig­keit der Mel­dung.

Im Ergeb­nis ist letzt­lich aber der Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu fol­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt weist zu Recht dar­auf hin, dass die Mel­de­ver­pflich­tun­gen des § 28 a SGB IV iVm. der auf­grund der Ermäch­ti­gung des § 28 c SGB IV geschaf­fe­nen DEÜV öffent­lich-recht­li­cher Art sind 9. Der Norm­be­fehl, eine rich­ti­ge Mel­dung abge­ben zu müs­sen, rich­tet sich aus­schließ­lich an den Arbeit­ge­ber und betrifft ledig­lich die Rechts­be­zie­hung zu den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern. Ein Arbeit­neh­mer als Ver­si­cher­ter hat näm­lich kei­nen unmit­tel­ba­ren Leis­tungs­an­spruch auf Mel­dung, bzw. auf rich­ti­ge Mel­dung. Hat z. B. ein Sozi­al­leis­tungs­be­zie­her Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Mel­dung, bleibt ihm nur, sich an den sach­lich zustän­di­gen und daher im Pro­zess allein pas­siv­le­gi­ti­mier­ten Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger zu wen­den 10. Der Norm­be­fehl ist auch nicht nur for­ma­ler Art, son­dern auch inhalt­li­cher Natur. Die Mel­dung hat nicht nur über­haupt nach den Regeln der DEÜV zu erfol­gen. Sie hat auch inhalt­lich rich­tig zu erfol­gen. Die Unrich­tig­keit der Mel­dung ist gemäß § 111 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV, § 41 Nr. 3 DEÜV buß­geld­be­wehrt. Die Mel­de­vor­schrif­ten die­nen der Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen Durch­füh­rung der Sozi­al­ver­si­che­rung durch die Ver­si­che­rungs­trä­ger, sind somit Ord­nungs­vor­schrif­ten. Je nach ihrem Inhalt oder Zweck­be­stim­mung stel­len sie auch ein Schutz­ge­setz zuguns­ten der Ver­si­che­rungs­trä­ger (nicht zuguns­ten der Ver­si­cher­ten!) dar im Sin­ne von § 823 Abs. 2 BGB 11. Des­halb kön­nen die Mel­de­ver­pflich­tun­gen, und zwar auch hin­sicht­lich ihrer Rich­tig­keit, gegen­über pri­va­ten Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen durch Ver­wal­tungs­akt fest­ge­stellt wer­den und nach den Ver­wal­tungs­voll­stre­ckungs­ge­set­zen des Bun­des oder der Län­der voll­streckt wer­den 12.

Es steht somit die öffent­lich-recht­li­che Natur der Mel­de­ver­pflich­tung auch bezüg­lich des Inhalts der Mel­dung im Vor­der­grund. Dass dane­ben der Anspruch mög­li­cher­wei­se auch auf einer gemäß § 242 BGB beru­hen­den Neben­pflicht beru­hen kann, ist uner­heb­lich, da die­se dem Streit nicht das Geprä­ge gibt, es auch kei­ne arbeits­recht­li­che Vor­schrift gibt, mit wel­chem Inhalt eine sol­che Mel­dung erfol­gen soll 5.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluß vom 2. Febru­ar 2011 – 18 Ta 2/​11

  1. BAG 05.10.2005 – 5 AZB 27/​05, BAGE 116, 131; LAG Hamm 05.08.2009 – 2 Ta 198/​09[]
  2. BSG 25.03.2004 – B 12 AL 5/​03 R, SozR 42006 § 191 Nr. 1[]
  3. BAG 05.10.2005, aaO; 11.06.2003 – 5 AZB 1/​03, BAGE 106, 269[]
  4. BSG 01.04.2009 – B 14 SF 1/​08 R, SozR 4 – 1500 § 51 Nr. 6[]
  5. BAG 05.10.2005 aaO[][][]
  6. BAG 13.07.1988 – 5 AZR 567/​87, BAGE 59, 169 für die Arbeits­be­schei­ni­gung; BAG 11.06.2003, aaO, für die Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung[]
  7. BFH 04.09.2008 – VI B 108/​07, BFH/​NV 2009, 175; BFH 13.12.2007 – VI R 57/​04, BFHE 220, 124[]
  8. LSG Ber­lin-Bran­den­burg 19.01.2010 – L 1 AR 11/​09 B[]
  9. BAG 05.10.2005[]
  10. BSG 25.03.2004 – aaO[]
  11. Seh­nert in Hauck/​Haines § 28 a SGB IV Rn. 4; LSG Ber­lin-Bran­den­burg 27.08.2009 – L 9 KR 80/​06[]
  12. BAG 05.10.2005, aaO; Seh­nert in Hauck/​Haines § 28 a SGB IV Rn. 5[]