Krank­heits­be­ding­te Kün­di­gung – wegen häu­fi­ger Kur­z­er­kran­kun­gen

Ein Arbeit­ge­ber kann eine Kün­di­gung auch auf häu­fi­ge kur­ze krank­heits­be­ding­te Fehl­zei­ten des Arbeit­neh­mers und damit auf Grün­de in sei­ner Per­son iSd. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG stüt­zen.

Krank­heits­be­ding­te Kün­di­gung – wegen häu­fi­ger Kur­z­er­kran­kun­gen

Eine mit häu­fi­gen (Kurz-)Erkrankungen des Arbeit­neh­mers begrün­de­te Kün­di­gung ist sozi­al nur gerecht­fer­tigt, wenn im Kün­di­gungs­zeit­punkt Tat­sa­chen vor­lie­gen, die die Pro­gno­se stüt­zen, es wer­de auch künf­tig zu Erkran­kun­gen im bis­he­ri­gen – erheb­li­chen – Umfang kom­men – ers­te Stu­fe.

Die pro­gnos­ti­zier­ten Fehl­zei­ten müs­sen außer­dem zu einer erheb­li­chen Beein­träch­ti­gung der betrieb­li­chen Inter­es­sen füh­ren – zwei­te Stu­fe. Die­se Beein­träch­ti­gun­gen kön­nen sowohl in Betriebs­ab­lauf­stö­run­gen als auch in Ent­gelt­fort­zah­lungs­kos­ten lie­gen, wenn die­se für einen Zeit­raum von mehr als sechs Wochen jähr­lich zu erwar­ten sind 1.

Im Rah­men der gebo­te­nen Inter­es­sen­ab­wä­gungdrit­te Stu­fe – ist schließ­lich zu prü­fen, ob die Beein­träch­ti­gun­gen vom Arbeit­ge­ber ange­sichts der Belan­ge des Arbeit­neh­mers gleich­wohl hin­ge­nom­men wer­den müs­sen 2. Ohne Fest­stel­lun­gen zu den zu erwar­ten­den Beein­träch­ti­gun­gen der betrieb­li­chen Inter­es­sen kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, die Abwä­gung müs­se zwin­gend zu Las­ten der Arbeit­ge­be­rin aus­ge­hen.

Im Übri­gen wird ggf. auf­zu­klä­ren sein, ob als mil­de­res Mit­tel gegen­über der Been­di­gungs­kün­di­gung die Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Arbeit­neh­mers auf einem ande­ren, lei­dens­ge­rech­ten Arbeits­platz in Betracht kam.

Soll­te eine aus­rei­chen­de Initia­ti­ve zur Durch­füh­rung eines betrieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments (BEM) iSd. § 84 Abs. 2 SGB IX mit dem über sechs Wochen krank­heits­be­dingt arbeits­un­fä­hi­gen Arbeit­neh­mer nicht fest­stell­bar sein, bestün­den inso­weit erhöh­te Anfor­de­run­gen an eine Dar­le­gung von des­sen objek­ti­ver Nutz­lo­sig­keit durch die Arbeit­ge­be­rin 3. Die ord­nungs­ge­mä­ße Ein­la­dung zu einem wegen der Wei­ge­rung des Arbeit­neh­mers letzt­lich unter­blie­be­nen BEM setzt aller­dings gemäß § 84 Abs. 2 Satz 3 SGB IX vor­aus, dass der Arbeit­neh­mer über des­sen Zie­le infor­miert sowie auf Art und Umfang der erho­be­nen und ver­wen­de­ten Daten hin­ge­wie­sen wor­den ist 4.

Soll­te die Arbeit­ge­be­rin ihren Pflich­ten aus § 84 Abs. 2 SGB IX nicht ord­nungs­ge­mäß nach­ge­kom­men sein, wird ihr Gele­gen­heit zu geben sein, zur – mög­li­chen – objek­ti­ven Nutz­lo­sig­keit eines BEM vor­zu­tra­gen 3. Allein auf­grund ihrer – strei­ti­gen – Behaup­tung, der Arbeit­neh­mer habe einen Arbeits­platz­be­zug sei­ner Beschwer­den ver­neint, kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, auch eine Ver­än­de­rung der Arbeits­be­din­gun­gen oder ein Wech­sel des Arbeits­plat­zes hät­ten kei­ne lei­dens­ge­rech­te Beschäf­ti­gungs­al­ter­na­ti­ve dar­ge­stellt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Juli 2015 – 2 AZR 15/​15

  1. st. Rspr., zuletzt BAG 20.11.2014 – 2 AZR 755/​13, Rn. 16; 10.12 2009 – 2 AZR 400/​08, Rn. 15[]
  2. BAG 20.11.2014 – 2 AZR 755/​13 – aaO; 10.12 2009 – 2 AZR 400/​08 – aaO[]
  3. vgl. BAG 20.11.2014 – 2 AZR 755/​13, Rn. 39 mwN[][]
  4. BAG 20.11.2014 – 2 AZR 755/​13, Rn. 32 mwN[]