Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses – und die erfor­der­li­che Schrift­form

Gemäß § 623 BGB bedarf die Been­di­gung von Arbeits­ver­hält­nis­sen durch Kün­di­gung oder Auf­lö­sungs­ver­trag zu ihrer Wirk­sam­keit der Schrift­form.

Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses – und die erfor­der­li­che Schrift­form

Dies soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und eine Beweis­erleich­te­rung im Rechts­streit bewir­ken.

Die Schrift­form wird nach § 126 Abs. 1 BGB dadurch erfüllt, dass die Urkun­de von dem Aus­stel­ler eigen­hän­dig durch Namens­un­ter­schrift oder mit­tels nota­ri­ell beglau­big­ten Hand­zei­chens unter­zeich­net wird [1].

Die Umstän­de, aus denen sich die Wah­rung der Schrift­form nach § 623 iVm. § 126 Abs. 1 BGB ergibt, sind von der Par­tei dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, die Rech­te aus der Kün­di­gung her­lei­ten will [2]. Im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess hat der kün­di­gen­de Arbeit­ge­ber die Wah­rung der Schrift­form gemäß § 138 Abs. 1 ZPO sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen. Zu den dies­be­züg­lich behaup­te­ten Tat­sa­chen hat sich der Kün­di­gungs­emp­fän­ger nach § 138 Abs. 2 ZPO zu erklä­ren. Wahr­heits­pflicht (§ 138 Abs. 1 ZPO), Ver­hand­lungs­grund­satz (§ 128 ZPO) und Pro­zess­för­de­rungs­pflicht (§ 282 ZPO) füh­ren zu einer dem geg­ne­ri­schen Vor­brin­gen ent­spre­chen­den Erklä­rungs­last [3]. Der Umfang der jeweils erfor­der­li­chen Sub­stan­ti­ie­rung des Vor­trags ergibt sich aus dem Wech­sel­spiel von Vor­trag und Gegen­vor­trag, wobei die Ergän­zung und Auf­glie­de­rung des Sach­vor­trags bei hin­rei­chen­dem Gegen­vor­trag immer zunächst Sache der dar­le­gungs- und beweis­pflich­ti­gen Par­tei ist [4]. Trägt der Kün­di­gungs­emp­fän­ger zur Schrift­form nichts vor oder lässt er sich nicht sub­stan­ti­iert ein, gilt der schlüs­si­ge Sach­vor­trag des Kün­di­gen­den gemäß § 138 Abs. 3 ZPO als zuge­stan­den.

Dies war im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall gege­ben: Der Arbeit­neh­mer ist dem sub­stan­ti­ier­ten Vor­brin­gen der GmbH nicht hin­rei­chend ent­ge­gen­ge­tre­ten. Die Arbeit­ge­be­rin hat vor­ge­tra­gen, dass dem Arbeit­neh­mer am 20.12 2013 von einer bestimm­ten Per­son ein Ori­gi­nal des von den Her­ren P und M unter­zeich­ne­ten Kün­di­gungs­schrei­bens vom 10.12 2013 zusam­men mit der Nie­der­schrift der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung und der Kün­di­gung der w GmbH in einem Umschlag über­ge­ben wur­de. Wei­te­rer Vor­trag war zur sub­stan­ti­ier­ten Dar­le­gung des Zugangs der form­ge­mä­ßen Kün­di­gung nicht erfor­der­lich. Der Arbeit­neh­mer hat die Über­ga­be des Umschlags nicht in Abre­de gestellt, son­dern nur bestrit­ten, dass sich in dem Umschlag das Ori­gi­nal des Kün­di­gungs­schrei­bens befun­den habe. Dies ist kein sub­stan­ti­ier­tes Bestrei­ten, denn der Arbeit­neh­mer hat eine Kopie der Kün­di­gung im Pro­zess vor­ge­legt. Ihm ist ent­we­der – ent­spre­chend dem Vor­trag der GmbH – ein Ori­gi­nal der Kün­di­gung zuge­gan­gen, von dem er eine Kopie ange­fer­tigt hat, oder er hat von der GmbH nur eine Kopie erhal­ten und die­se bzw. eine wei­te­re Kopie zu den Gerichts­ak­ten gereicht. Wäre letz­te­res der Fall gewe­sen, hät­te der Arbeit­neh­mer die­sen ihm bekann­ten Sach­ver­halt dar­le­gen kön­nen und müs­sen, um die Behaup­tung des Zugangs des Ori­gi­nal­schrei­bens wirk­sam zu bestrei­ten. Da er dies nicht getan hat, kommt die Geständ­nis­fik­ti­on des § 138 Abs. 3 ZPO zum Tra­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Febru­ar 2017 – 6 AZR 665/​15

  1. zu den Funk­tio­nen der Schrift­form vgl. BAG 17.12 2015 – 6 AZR 709/​14, Rn. 27 mwN, BAGE 154, 40[]
  2. vgl. APS/​Greiner 5. Aufl. BGB § 623 Rn. 34; ErfK/­Mül­ler-Glö­ge 17. Aufl. § 623 BGB Rn. 25; KR/​Spilger 11. Aufl. § 623 BGB Rn. 130[]
  3. BAG 25.01.2005 – 9 AZR 146/​04, zu I 3 e bb der Grün­de, BAGE 113, 238[]
  4. vgl. BAG 13.12 2012 – 6 AZR 5/​12, Rn. 42[]