Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses – aber nicht per Tele­fax

Eine mit Tele­fax­schrei­ben über­mit­tel­te Kün­di­gungs­er­klä­rung ent­spricht nicht den Anfor­de­run­gen des § 623 iVm. § 126 BGB. Die Kün­di­gung ist daher gemäß § 125 Satz 1 BGB nich­tig.

Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses – aber nicht per Tele­fax

ine per Tele­fax über­mit­tel­te schrift­li­che Erklä­rung genügt § 126 Abs. 1 BGB nicht, da die vom Emp­fangs­ge­rät her­ge­stell­te Tele­ko­pie ledig­lich die Ablich­tung der Ori­gi­nal­un­ter­schrift wie­der­gibt 1.

Im Pro­zess­recht ist aller­dings auf der Grund­la­ge beson­de­rer gesetz­li­cher Rege­lun­gen die Über­mitt­lung per Tele­fax aus­rei­chend (vgl. zB § 130 Nr. 6, § 174 Abs. 2 Satz 1, § 174 Abs. 4 Satz 2 ZPO). Für die zivil­recht­li­chen Anfor­de­run­gen des § 126 BGB ist dies aber unbe­acht­lich 2. Die Form­vor­schrif­ten des bür­ger­li­chen Rechts sind von denen des Pro­zess­rechts strikt zu unter­schei­den. So kön­nen Form­vor­schrif­ten des bür­ger­li­chen Rechts wegen der Eigen­stän­dig­keit des Pro­zess­rechts weder unmit­tel­bar noch ent­spre­chend auf Pro­zess­hand­lun­gen ange­wen­det wer­den 3. Umge­kehrt ist es für § 126 BGB ohne Belang, dass von Anwalt zu Anwalt gemäß § 195 Abs. 1 Satz 5 iVm. § 174 Abs. 2 Satz 1 ZPO durch Tele­ko­pie zuge­stellt wer­den kann. Hier­für spricht auch der kon­kre­te Geset­zes­zweck. § 195 ZPO dient der Ver­ein­fa­chung und Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens 4. Dem­ge­gen­über ist die dar­ge­stell­te Ziel­set­zung von § 623 iVm. § 126 BGB wesent­lich wei­ter gefasst. Die sog. Warn­funk­ti­on des Schrift­form­erfor­der­nis­ses soll gera­de eine gewis­se Hür­de für die Wil­lens­er­klä­rung schaf­fen und nicht deren ver­ein­fach­te und beschleu­nig­te Abga­be ermög­li­chen.

Inso­weit ist die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 11.10.2000 5 nicht ein­schlä­gig. Dort wur­de bezo­gen auf die Gel­tend­ma­chung einer For­de­rung zur Wah­rung einer tarif­li­chen Aus­schluss­frist ange­führt, dass die­se kei­ne Wil­lens­er­klä­rung, son­dern eine rechts­ge­schäfts­ähn­li­che Hand­lung dar­stel­le und § 126 BGB des­halb kei­ne unmit­tel­ba­re Anwen­dung fin­de. Eine ana­lo­ge Anwen­dung wur­de man­gels Ver­gleich­bar­keit des Norm­zwecks und der Inter­es­sen­la­ge abge­lehnt. In die­sem Zusam­men­hang wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Erklä­rungs­über­mitt­lung per Tele­fax im Geschäfts­le­ben üblich sei. Dar­aus lässt sich kein Rück­schluss auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 126 BGB bei Wil­lens­er­klä­run­gen zie­hen. Deren Wirk­sam­keit hängt von der Erfül­lung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben und nicht von der Üblich­keit des Geschäfts­le­bens ab.

Der Arbeit­ge­be­rin ist die Beru­fung auf den Form­man­gel nicht nach den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) ver­wehrt.

Ein Beru­fen auf einen Form­man­gel kann nur aus­nahms­wei­se das Gebot von Treu und Glau­ben ver­let­zen. Die Form­vor­schrift des § 623 BGB darf im Hin­blick auf ihren Sinn und Zweck nicht aus­ge­höhlt wer­den. Ein Form­man­gel kann des­halb nach § 242 BGB nur ganz aus­nahms­wei­se als unbe­acht­lich qua­li­fi­ziert wer­den. Das Ergeb­nis muss für einen Ver­trags­teil schlecht­hin untrag­bar sein 6. Hier­für reicht die Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen der Ver­wir­kung nicht aus. Es müs­sen viel­mehr Umstän­de hin­zu­kom­men, die das Ver­hal­ten des Berech­tig­ten in hohem Maße als wider­sprüch­lich erschei­nen las­sen 7.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – 6 AZR 709/​14

  1. BAG 11.06.2002 – 1 ABR 43/​01, zu B IV 1 b der Grün­de, BAGE 101, 298; 7.07.2010 – 4 AZR 1023/​08, Rn. 14; BGH 14.03.2006 – VI ZR 335/​04, Rn. 13[]
  2. in die­sem Sin­ne auch KR/​Spilger 10. Aufl. § 623 BGB Rn. 121: "nach­ge­las­sen nur im Pro­zess­recht"[]
  3. GmS-OGB 30.04.1979 – GmS-OGB 1/​78, zu V 1 der Grün­de, BGHZ 75, 340[]
  4. Thomas/​Putzo/​Hüßtege ZPO 36. Aufl. § 195 Rn. 1[]
  5. BAG 11.10.2000 – 5 AZR 313/​99, BAGE 96, 28[]
  6. BAG 22.04.2010 – 6 AZR 828/​08, Rn. 38 f.[]
  7. BAG 15.03.2011 – 10 AZB 32/​10, Rn. 18 mwN[]