Kün­di­gung eines HIV-Infi­zier­ten

Die Kün­di­gung eines Arbeit­neh­mers mit HIV-Infek­ti­on wäh­rend der Pro­be­zeit, der bei der Her­stel­lung von Medi­ka­men­ten im „Rein­be­reich“ ein­ge­setzt wor­den ist, für den der Arbeit­ge­ber all­ge­mein fest­ge­legt hat­te, dass Arbeit­neh­mer mit Erkran­kun­gen jed­we­der Art – ins­be­son­de­re auch Arbeit­neh­mer mit HIV-Infek­ti­on – nicht beschäf­tigt wer­den dür­fen, ist recht­mä­ßig. Die Kün­di­gung ist nicht will­kür­lich und ver­stößt des­halb nicht gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben nach § 242 BGB.

Kün­di­gung eines HIV-Infi­zier­ten

So hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg jetzt in dem Fall eines Arbeit­neh­mers ent­schie­den, der von einem Phar­ma­un­ter­neh­men als che­misch-tech­ni­scher Assis­tent beschäf­tigt und bei der Her­stel­lung von Medi­ka­men­ten im „Rein­be­reich“ ein­ge­setzt wur­de. Der Arbeit­ge­ber hat­te für die­sen Fer­ti­gungs­be­reich all­ge­mein fest­ge­legt, dass Arbeit­neh­mer mit Erkran­kun­gen jed­we­der Art – ins­be­son­de­re auch Arbeit­neh­mer mit HIV-Infek­ti­on – nicht beschäf­tigt wer­den dür­fen. Er kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis unter Ein­hal­tung der Kün­di­gungs­frist wäh­rend der Pro­be­zeit, nach­dem er von der HIV-Infek­ti­on des Arbeit­neh­mers erfah­ren hat­te.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kün­di­gung für rechts­wirk­sam gehal­ten. Die Kün­di­gung sei nicht will­kür­lich und ver­sto­ße des­halb nicht gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB). Dem Arbeit­ge­ber kön­ne nicht ver­wehrt wer­den, für die Medi­ka­men­ten­her­stel­lung all­ge­mein den Ein­satz erkrank­ter Arbeit­neh­mer aus­zu­schlie­ßen. Die Ent­schei­dung, einen dau­er­haft mit dem HI-Virus infi­zier­ten Arbeit­neh­mer zu ent­las­sen, sei auf die­ser Grund­la­ge nicht zu bean­stan­den. Da auf das Arbeits­ver­hält­nis das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz kei­ne Anwen­dung fin­de, kom­me es auf die sozia­le Recht­fer­ti­gung der Kün­di­gung nicht an.

Dem Arbeit­neh­mer ste­he auch eine Ent­schä­di­gung nach dem AGG nicht zu. Dabei kön­ne dahin­ste­hen, ob die blo­ße HIV-Infek­ti­on eine Behin­de­rung im Sin­ne des AGG dar­stel­le und ob der Arbeit­neh­mer im Ver­gleich zu ande­ren erkrank­ten Arbeit­neh­mern ungleich behan­delt wor­den sei. Denn eine – ein­mal ange­nom­me­ne – Ungleich­be­hand­lung des Arbeit­neh­mers sei wegen des Inter­es­ses des Arbeit­ge­bers, jed­we­de Beein­träch­ti­gung der Medi­ka­men­ten­her­stel­lung durch erkrank­te Arbeit­neh­mer aus­zu­schlie­ßen, gerecht­fer­tigt.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 13. Janu­ar 2012 – 6 Sa 2159/​11