Kün­di­gung nach Abmah­nung

Eine Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ist dann unwirk­sam, wenn die Vor­wür­fe bereits abge­mahnt und als Kün­di­gungs­vor­wurf ver­braucht sind. Ein Auf­lö­sungs­an­trag hat kei­nen Erfolg im Fal­le von Vor­wür­fen, die deut­lich in der Ver­gan­gen­heit lie­gen und das Arbeits­ver­hält­nis danach fort­ge­setzt wor­den ist.

Kün­di­gung nach Abmah­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pro­fes­so­rin ent­schie­den, dass die Kün­di­gung unwirk­sam und der Auf­lö­sungs­an­trag eben­falls erfolg­los ist. Gleich­zei­tig ist die Ent­schei­dung des Arbeits­ge­richts Mön­chen­glad­bach 1 bestä­tigt wor­den. Seit dem 1. Sep­tem­ber 2011 ist die Klä­ge­rin in einem pri­vat­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis Pro­fes­so­rin bei der beklag­ten Hoch­schu­le für das Fach Betriebs­wirt­schafts­leh­re. Am 20.12.2016 teil­te die Assis­ten­tin des Dekans der Klä­ge­rin mit, dass die­se für das Win­ter­se­mes­ter einen Kor­rek­turas­sis­ten­ten in Anspruch neh­men kön­ne und füg­te ein Antrags­for­mu­lar bei, das bis zum 21.12.2016 ein­ge­hen müs­se. Zuvor war mit­ge­teilt wor­den, dass Anträ­ge nach dem 21.12.2016 nicht mehr bear­bei­tet wür­den. Den Antrag für den Kor­rek­tur­ge­hil­fen sand­te die Klä­ge­rin erst am 22.12.2016 ab. Trotz feh­len­der Bewil­li­gung setz­te sie die­sen ein und bat ihre Stu­die­ren­den per E‑Mail um Spen­den­gel­der für die Kos­ten. Mit E‑Mail vom 03.02.2017 teil­te der Rek­tor der Hoch­schu­le der Klä­ge­rin mit, sie sol­le es nun gut sein las­sen. Am 09.06.2017 mahn­te die Hoch­schu­le die Klä­ge­rin wegen der eigen­mäch­ti­gen Beauf­tra­gung des Kor­rek­turas­sis­ten­ten ab. Mit einem wei­te­ren als Abmah­nung bezeich­ne­ten Schrei­ben wies die Hoch­schu­le dar­auf­hin, dass ihre Neben­tä­tig­keit als Steu­er­be­ra­te­rin und Wirt­schafts­prü­fe­rin nur bis zum 31.01.2014 befris­tet geneh­migt sei und bat um Bestä­ti­gung, dass sie der­zeit kei­ner Neben­tä­tig­keit nach­ge­he.

Im Sep­tem­ber 2017 bat die Klä­ge­rin unter Beru­fung auf Über­stun­den und pri­va­te Grün­de um die Abga­be einer Lehr­ver­an­stal­tung. Auf Bit­ten der Hoch­schu­le be-nann­te sie einen Lehr­be­auf­trag­ten, den die­se ablehn­te. Die Klä­ge­rin benann­te dem Dekan dar­auf­hin einen ande­ren Lehr­be­auf­trag­ten L., der die Hälf­te der Ver­an­stal­tung über­neh­men soll­te. Die E‑Mails zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Dekan führ­ten nicht zu dem Abschluss des Lehr­auf­trags. Mit E‑Mail vom 30.10.2017 hat­te der Dekan mit­ge­teilt, L. kön­ne die Ver­an­stal­tung erst nach der erfor­der­li­chen Kon­takt­auf­nah­me am 09.11.2017 abhal­ten. Am 02.11.2017 führ­te nicht die Klä­ge­rin, son­dern L. die Vor­le­sung durch. Am 09.11.2017 hielt die Klä­ge­rin sie selbst. Am 13.11.2017 teil­te der Dekan der Klä­ge­rin mit, L. kön­ne erst nach dem 16.11.2017 mit dem Lehr­auf­trag tätig wer­den. Die Vor­le­sung am 16.11.2017 fiel aus, nach­dem die Klä­ge­rin Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gun­gen für den 16. und 17.11.2017 ein­ge­reicht hat­te.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf aus­ge­führt, dass die Vor­wür­fe teil­wei­se bereits abge­mahnt und als Kün­di­gungs­vor­wurf ver­braucht sei­en, wie z.B. die eigen­mäch­ti­ge Beauf­tra­gung des Kor­rek­turas­sis­ten­ten. Zwar habe die Klä­ge­rin für die Vor­le­sung am 02.11.2017 nicht eigen­mäch­tig einen Exter­nen zum Abhal­ten der Vor­le­sung beauf­tra­gen dür­fen. Im Hin­blick auf die vor­he­ri­gen Gesprä­che mit dem Dekan habe die Klä­ge­rin sich aber nicht über ein­deu­ti­ge Anwei­sun­gen hin­weg­ge­setzt. Im Übri­gen sei nicht vor­ge­tra­gen, war­um eine frü­he­re Beauf­tra­gung von L. nicht mög­lich gewe­sen sei. Aus die­sen Grün­den hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf die frist­lo­se und hilfs­wei­se ordent­li­che Kün­di­gung vom 02.11.2017 für unwirk­sam erach­tet.

Der von der Hoch­schu­le gestell­te Auf­lö­sungs­an­trag hat­te kei­nen Erfolg. Zwar sieht das Lan­des­ar­beits­ge­richt durch­aus, dass das Arbeits­ver­hält­nis belas­tet ist. Grün­de, die dazu füh­ren, dass es der Hoch­schu­le im Sin­ne von § 9 KSchG nicht zuzu­mu­ten ist, das Arbeits­ver­hält­nis fort­zu­set­zen, lie­gen indes noch nicht vor. So lie­gen die Vor­wür­fe wie z.B. der Spen­den­auf­ruf betref­fend den Kor­rek­turas­sis­ten­ten teil­wei­se deut­lich in der Ver­gan­gen­heit und das Arbeits­ver­hält­nis ist danach fort­ge­setzt wor­den. Teil­wei­se fehl­te es an kon­kre­tem Sach­vor­trag, wie dazu, dass der Klä­ge­rin pau­schal vor­ge­wor­fen wur­de, sie dif­fa­mie­re ande­re Mit­ar­bei­ter. Die par­tei­po­li­ti­sche Aus­rich­tung der Klä­ge­rin recht­fer­tigt den Auf­lö­sungs­an­trag nicht. Soweit die Hoch­schu­le sich an einer von der Klä­ge­rin geplan­ten Ver­an­stal­tung gestört hat, kann und hat sie ihr die­se in Wahr­neh­mung des Haus­rechts unter­sagt. Ins­ge­samt stell­te sich das Ver­hal­ten der Klä­ge­rin als noch nicht so hart­nä­ckig dar, dass bereits davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass eine künf­ti­ge Zusam­men­ar­beit der Par­tei­en nicht mehr mög­lich ist.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on nicht zuge­las­sen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 23. Janu­ar 2019 – 7 Sa 370/​18

  1. ArbG Mön­chen­glad­bach, Urteil vom 21.03.2018 – 2 Ca 2819/​17[]