Kün­di­gung bei den Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­ten – und die Betei­li­gung der Betriebs­ver­tre­tung

Arbeits­ta­ge im Sin­ne von mod. § 72 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG sind nur die Tage Mon­tag bis Frei­tag mit Aus­nah­me der gesetz­li­chen Fei­er­ta­ge.

Kün­di­gung bei den Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­ten – und die Betei­li­gung der Betriebs­ver­tre­tung

Nach mod. § 72 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG gilt eine beab­sich­tig­te ordent­li­che Kün­di­gung als gebil­ligt, wenn die – ord­nungs­ge­mäß unter­rich­te­te – Betriebs­ver­tre­tung sich zu der geplan­ten Maß­nah­me nicht inner­halb von zehn Arbeits­ta­gen äußert. Die Kün­di­gung darf dann ohne wei­te­res aus­ge­spro­chen wer­den1. Erhebt die Betriebs­ver­tre­tung hin­ge­gen frist­ge­recht Ein­wen­dun­gen, ist die beab­sich­tig­te Maß­nah­me vor ihrer Durch­füh­rung mit dem Ziel einer Ver­stän­di­gung recht­zei­tig und ein­ge­hend zu erör­tern (§ 72 Abs. 1 BPers­VG). Unter­bleibt die Erör­te­rung, obwohl die Betriebs­ver­tre­tung Ein­wen­dun­gen erho­ben hat, führt das zur Unwirk­sam­keit der gleich­wohl erklär­ten Kün­di­gung im Ver­hält­nis zu dem betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer2.

Die Frist von zehn Arbeits­ta­gen ist im Gel­tungs­be­reich des für die Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­te gel­ten­den (modi­fi­zier­ten) BPers­VG unter Berück­sich­ti­gung einer Fünf-Tage-Woche (Mon­tag bis Frei­tag) zu berech­nen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg3 hat dem­ge­gen­über gemeint, über das strei­ti­ge Vor­brin­gen der Par­tei­en zum Zeit­punkt des Ein­gangs des Schrei­bens der Betriebs­ver­tre­tung vom 03.12 2013 im S Per­so­nal­bü­ro kei­nen Beweis erhe­ben zu müs­sen, weil Arbeits­ta­ge iSv. mod. § 72 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG alle – sechs – Tage sei­en, an denen in der Beschäf­ti­gungs­dienst­stel­le des Arbeit­neh­mers regel­mä­ßig gear­bei­tet wor­den war4.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gel­ten im Bereich des BPers­VG als Arbeits­ta­ge stets (nur) die Wochen­ta­ge Mon­tag bis Frei­tag mit Aus­nah­me der gesetz­li­chen Fei­er­ta­ge, weil im öffent­li­chen Dienst die Fünf-Tage-Woche üblich ist5. Dem schließt sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ergeb­nis für die Frist­be­rech­nung im Bereich der Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­te nach mod. § 72 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG an. Die Annah­me, dass an Tagen, an denen in einer Dienst­stel­le plan­mä­ßig gear­bei­tet wird, typi­scher­wei­se auch Mit­glie­der des Per­so­nal­rats und per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich zustän­di­ge Ver­tre­ter der Dienst­stel­le anwe­send sind und sich mit der beab­sich­tig­ten Maß­nah­me befas­sen kön­nen, könn­te allen­falls für sol­che Tage gel­ten, an denen die ganz über­wie­gen­de Mehr­zahl der Beleg­schaft der Dienst­stel­le regel­mä­ßig arbei­tet6. Das mach­te aber bei unter­schied­li­chen Dienst­zei­ten eine wer­ten­de und damit nicht ein­deu­ti­ge Betrach­tung erfor­der­lich, die dem Fris­ten­recht fremd ist.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – 2 AZR 867/​15

  1. BAG 22.04.2010 – 6 AZR 828/​08, Rn. 30
  2. BAG 15.08.2006 – 9 AZR 571/​05, Rn. 46 ff., BAGE 119, 181; 5.10.1995 – 2 AZR 909/​94, zu II 2 b der Grün­de, BAGE 81, 111
  3. LAG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21.10.2015 – 19 Sa 24/​15
  4. eben­so Fischer/​Goeres in Fürst GKÖD Stand Sep­tem­ber 2016 § 69 Rn. 11; Ilbertz/​Widmaier/​Sommer BPers­VG 13. Aufl. § 69 Rn. 11a; Lorenzen/​Gerhold BPers­VG Stand Okto­ber 2016 § 69 Rn. 47
  5. zu § 25 BPers­VG BVerwG 23.10.2003 – 6 P 10.03, zu II 3 der Grün­de, BVerw­GE 119, 138; zu § 16 Abs. 6 BGleiG 27.06.2007 – 6 A 1.06, Rn. 23; eben­so Dör­ner in Richardi/​Dörner/​Weber BPers­VG 4. Aufl. § 25 Rn. 36; Berg in Altvater/​Baden/​Berg/​Kröll/​Noll/​Seulen BPers­VG 9. Aufl. § 69 Rn. 21
  6. so zu §§ 3, 6 WO BetrVG 1952 BAG 12.02.1960 – 1 ABR 13/​59, zu II 3 der Grün­de