Kün­di­gung – wegen frü­he­rer Tätig­keit für die Sta­si

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die ordent­li­che Kün­di­gung eines ehe­ma­li­gen inof­fi­zi­el­len Mit­ar­bei­ters des Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit der DDR (MfS), der zuletzt als stell­ver­tre­ten­der Direk­tor des Lan­des­in­sti­tuts für Rechts­me­di­zin des Lan­des Bran­den­burg beschäf­tigt war, für unwirk­sam gehal­ten und das Land Bran­den­burg ver­pflich­tet, den Arbeit­neh­mer wei­ter zu beschäf­ti­gen.

Kün­di­gung – wegen frü­he­rer Tätig­keit für die Sta­si

Der Arbeit­neh­mer war in den Jah­ren 1988 und 1989 in sei­ner Funk­ti­on als Mili­tär­arzt für das MfS als inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter tätig. Seit dem Jahr 1990 war er bei dem Land Bran­den­burg beschäf­tigt und ver­nein­te 1991 wahr­heits­wid­rig die Fra­ge nach einer Mit­ar­beit für das MfS. Nach­dem er sich 2016 für die Stel­le des Direk­tors des genann­ten Lan­des­in­sti­tuts bewor­ben hat­te, erfuhr das Land von dem Bun­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes von der MfS-Tätig­keit, die von dem Arbeit­neh­mer erneut geleug­net wur­de. Das Land kün­dig­te dar­auf­hin das Arbeits­ver­hält­nis frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­mäß.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te in dem Beru­fungs­ver­fah­ren nur noch über die frist­ge­mä­ße Kün­di­gung zu ent­schei­den, nach­dem die Unwirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung vom Arbeits­ge­richt rechts­kräf­tig fest­ge­stellt wor­den war. Die frist­ge­mä­ße Kün­di­gung sei eben­falls rechts­un­wirk­sam. Das Maß der Ver­stri­ckung des Arbeit­neh­mers in die Tätig­keit des MfS sei als eher gering ein­zu­schät­zen. Ange­sichts der lan­gen, unbe­an­stan­det geblie­be­nen Tätig­keit im Lan­des­dienst kön­ne dem Land eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung zuge­mu­tet wer­den, auch wenn die mehr­fa­che Leug­nung der – sehr lan­ge zurück­lie­gen­den – MfS-Tätig­keit eine Belas­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses dar­ge­stellt habe.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 17. Okto­ber 2017 – 5 Sa 462/​17