Kün­di­gungs­schutz im Klein­be­trieb – und die ande­ren Kon­zern­ge­sell­schaf­ten

Gemäß § 23 Abs. 1 Satz 3 LSGchG fin­det u. a. § 1 LSGchG kei­ne Anwen­dung, wenn in dem Betrieb des Arbeit­ge­bers in der Regel nicht mehr als zehn Arbeit­neh­mer beschäf­tigt wer­den. Dabei sind die Arbeit­neh­mer der Mut­ter­ge­sell­schaft und/​oder deren ande­ren Töch­ter­ge­sell­schaf­ten nicht hin­zu­zu­rech­nen, sofern nicht der Arbeit­ge­ber mit der Mut­ter­ge­sell­schaft und/​oder irgend­wel­chen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten einen Gemein­schafts­be­trieb bil­det.

Kün­di­gungs­schutz im Klein­be­trieb – und die ande­ren Kon­zern­ge­sell­schaf­ten

Ein gemein­sa­mer Betrieb setzt vor­aus, dass sich zwei oder meh­re­re Unter­neh­men zur gemein­sa­men Füh­rung eines Betrie­bes – zumin­dest kon­klu­dent – recht­lich ver­bun­den haben, so dass der Kern der Arbeit­ge­ber­funk­tio­nen im sozia­len und per­so­nel­len Bereich von der­sel­ben insti­tu­tio­nel­len Lei­tung aus­ge­übt wird. Ein gemein­sa­mer Betrieb meh­re­rer Unter­neh­men liegt dann vor, wenn die in einer Betriebs­stät­te vor­han­de­nen mate­ri­el­len und imma­te­ri­el­len Betriebs­mit­tel meh­re­rer Unter­neh­men für einen ein­heit­li­chen arbeits­tech­ni­schen Zweck zusam­men­ge­fasst, geord­net und gezielt ein­ge­setzt wer­den und der Ein­satz der mensch­li­chen Arbeits­kraft von einem ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat betriebs­be­zo­gen gesteu­ert wird. Die betei­lig­ten Unter­neh­men müs­sen sich zumin­dest still­schwei­gend zu einer gemein­sa­men Füh­rung recht­lich ver­bun­den haben, sodass der Kern der Arbeit­ge­ber­funk­ti­on im sozia­len und per­so­nel­len Bereich von der­sel­ben insti­tu­tio­nel­len Lei­tung aus­ge­übt wird [1]. Die Annah­me eines Gemein­schafts­be­trie­bes setzt einen ein­heit­li­chen betriebs­be­zo­ge­nen Lei­tungs­ap­pa­rat vor­aus [2]. Eine ledig­lich unter­neh­me­ri­sche Zusam­men­ar­beit genügt dage­gen nicht. So sind die Vor­aus­set­zun­gen eines gemein­sa­men Betriebs nicht bereits dann erfüllt, wenn enge unter­neh­me­ri­sche Zusam­men­ar­beit zwi­schen Arbeit­ge­bern auf­grund wech­sel­sei­ti­ger Ver­pflich­tun­gen zu einer Min­de­rung von mit­be­stim­mungs­recht­lich rele­van­ten Gestal­tungs- und Ent­schei­dungs­spiel­räu­men der Arbeit­ge­ber führt [3]. Viel­mehr müs­sen meh­re­re Unter­neh­men einen ein­heit­li­chen bzw. gemein­sa­men Betrieb füh­ren. Von einem sol­chen Gemein­schafts­be­trieb ist nur dann aus­zu­ge­hen, wenn der Ein­satz der mate­ri­el­len Betriebs­mit­tel und mensch­li­chen Arbeits­kraft von einem ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat betriebs­be­zo­gen gesteu­ert wird und so die meh­re­ren Unter­neh­men im Rah­men einer gemein­sa­men Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on unter einer ein­heit­li­chen Lei­tungs­macht iden­ti­sche oder auch ver­schie­de­ne arbeits­tech­ni­sche Zwe­cke fort­ge­setzt ver­fol­gen [4].

Dabei ist das Vor­lie­gen eines Gemein­schafts­be­triebs nicht bereits des­halb aus­ge­schlos­sen, weil der Betrieb der Arbeit­ge­be­rin und der der Mut­ter­ge­sell­schaft sowie der diver­sen ande­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten in ver­schie­de­nen Orten ansäs­sig sind. Ein Betrieb im kün­di­gungs­schutz­recht­li­chen Sin­ne setzt kei­ne räum­li­che Ein­heit vor­aus. Anla­gen, Maschi­nen und Arbeit­neh­mer müs­sen sich nicht an der­sel­ben Stel­le befin­den. Selbst eine vom Haupt­be­trieb eines Unter­neh­mens weit ent­fernt gele­ge­ne (unselbst­stän­di­ge) Betriebs­stät­te (Filia­le, Geschäfts- und Zweig­stel­le) ist somit bei der Berech­nung der Betriebs­grö­ße nach § 23 Abs. 1 Satz 3 dem Haupt­be­trieb zuzu­rech­nen, wenn die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen in per­so­nel­len und sozia­len Ange­le­gen­hei­ten im Haupt­be­trieb getrof­fen wer­den [5]. Nichts ande­res gilt, wenn meh­re­re Unter­neh­men beschlie­ßen, durch einen ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat, die in weit ent­fernt lie­gen­den Betriebstät­ten vor­han­de­nen mate­ri­el­len und imma­te­ri­el­len Betriebs­mit­tel für einen ein­heit­li­chen arbeits­tech­ni­schen Zweck zusam­men­ge­fasst, geord­net und gezielt ein­zu­set­zen [6].

Indes­sen hat der Arbeit­neh­mer dar­zu­le­gen, mit wel­chen kon­kre­ten kon­zern­an­ge­hö­ri­gen Unter­neh­men die Arbeit­ge­be­rin einen Gemein­schafts­be­trieb unter­hält noch inwie­weit die­se Unter­neh­men wel­che mate­ri­el­len und imma­te­ri­el­len Betriebs­mit­tel für wel­chen Betriebs­zweck auf­grund eines ein­heit­li­chen Len­kungs­ap­pa­rats gezielt und geord­net bei Aus­spruch der streit­ge­gen­ständ­li­chen Kün­di­gung ein­ge­setzt haben. Dabei wird die von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­te Rechts­fi­gur des Gemein­schafts­be­triebs nicht schon durch eine unter­neh­me­ri­sche, wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit begrün­det. Ein Gemein­schafts­be­trieb liegt auch nicht bereits dann vor, wenn die Betrie­be durch ein und den­sel­ben Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten wer­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Urteil vom 13. Juli 2017 – 5 Sa 252/​16

  1. st. Rspr. des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. nur: BAG, Urteil vom 15.12.2011 – 8 AZR 692/​10; BAG, Beschluss vom 14.08.2013 – 7 ABR 46/​11, Rn. 27[]
  2. BAG, Urteil vom 26.07.2007 – 8 AZR 769/​06[]
  3. BAG, Urteil vom 15.12.2011 – 8 AZR 692/​10[]
  4. BAG, Beschluss vom 13.08.2008 – 7 ABR 21/​07; LAG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 12.01.2017 – 5 Sa 208/​16; KR-Bader, 11. Aufl., § 23 LSGchG Rn. 66[]
  5. BAG, Urteil vom 07.07.2011 – 2 AZR 12/​10; BAG v. 28.10.2010 – 2 AZR 392/​08; ErfK/​Kiel, 17. Aufl., § 23 LSGchG Rn. 4[]
  6. vgl. nur: BAG, Urteil vom 02.03.2017 – 2 AZR 427/​16; ErfK/​Kiel, 17. Aufl., § 23 LSGchG Rn. 5[]