Kün­di­gungs­schutz­kla­ge – und der Antrag auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung

Die neben dem Kün­di­gungs­schutz­an­trag gestell­ten Anträ­ge auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung und Ertei­lung eines Zwi­schen­zeug­nis­ses sind als unei­gent­li­che Hilfs­an­trä­ge nicht zur Ent­schei­dung ange­fal­len, wenn der Arbeit­neh­mer mit sei­nem Kün­di­gungs­schutz­an­trag unter­liegt.

Kün­di­gungs­schutz­kla­ge – und der Antrag auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung

Hin­sicht­lich des Anspruchs auf vor­läu­fi­ge Wei­ter­be­schäf­ti­gung bezieht sich der Arbeit­neh­mer aus­drück­lich auf die Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Febru­ar 1985 [1]. Der Antrag auf vor­läu­fi­ge Wei­ter­be­schäf­ti­gung wäh­rend eines Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens wird regel­mä­ßig ein unech­ter Hilfs­an­trag für den Fall des Obsie­gens mit dem Bestands­schutz­an­trag sein [2]. Das gilt auch dann, wenn die For­mu­lie­rung des Antrags sei­nen Hilfs­cha­rak­ter nicht unmit­tel­bar zu erken­nen gibt [3]. Die Aus­füh­run­gen des Arbeit­neh­mers im vor­lie­gen­den Fall geben kei­nen Anlass zu einem ande­ren Ver­ständ­nis.

Auch der vom Arbeit­neh­mer gel­tend gemach­te Anspruch auf ein Zwi­schen­zeug­nis ist als unei­gent­li­cher Hilfs­an­trag für den Fall des Obsie­gens mit dem Bestands­schutz­an­trag aus­zu­le­gen. Zwar kann auch wäh­rend eines Bestands­schutz­rechts­streits und unab­hän­gig von einer posi­ti­ven Beschei­dung des dies­be­züg­li­chen Antrags ein Anspruch auf ein Zwi­schen­zeug­nis bestehen [4]. Der Arbeit­neh­mer bezieht sich zur Begrün­dung sei­nes Anspruchs aber aus­drück­lich auf eine Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts [5], die unter II 2 der Grün­de davon aus­geht, dass nach Ablauf der Kün­di­gungs­frist der Anspruch auf ein Zwi­schen­zeug­nis grund­sätz­lich ent­fällt und die­ser dann nur noch im Rah­men des Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses gel­tend gemacht wer­den kann, wenn (in der betref­fen­den Instanz) der Bestands­schutz­kla­ge statt­ge­ge­ben wird. Damit bringt er hin­rei­chend klar zum Aus­druck, dass er sei­nen Antrag auf Ertei­lung eines Zwi­schen­zeug­nis­ses als unech­ten Hilfs­an­trag für den Fall des Obsie­gens mit sei­nem Bestands­schutz­an­trag ver­stan­den haben will.

Da der Arbeit­neh­mer im hier ent­schie­de­nen Fall weder in der Beru­fungs­in­stanz noch in der Revi­si­on mit sei­nem Bestands­schutz­an­trag Erfolg hat­te, sind die Anträ­ge auf Ertei­lung eines Zwi­schen­zeug­nis­ses und vor­läu­fi­ge Wei­ter­be­schäf­ti­gung nicht zur Ent­schei­dung ange­fal­len. Dies wird nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass der Arbeit­neh­mer erst­in­stanz­lich mit sei­nem Bestands­schutz­an­trag erfolg­reich war. Bei dem die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung fest­stel­len­den Urteil muss es sich um ein sol­ches der aktu­el­len Instanz han­deln [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 7. Mai 2020 – 2 AZR 692/​19

  1. BAG 27.02.1985 – GS 1/​84BAGE 48, 122[]
  2. vgl. Nie­mann Antrag­stel­lung und Ten­orie­rung im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess NZA 2019, 65, 71[]
  3. vgl. BAG 20. Novem­ber 2014 – 2 AZR 512/​13 – Rn. 56; 31. Juli 2014 – 2 AZR 434/​13 – Rn. 55[]
  4. vgl. BAG 4. Novem­ber 2015 – 7 AZR 933/​13 – Rn. 39[]
  5. Hess. LAG 28. März 2003 – 12 SaGa 1744/​02 []
  6. vgl. BAG 30.01.1986 – 2 AZR 429/​83 ©, zu II 2 der Grün­de[]