Kurz­ar­beit – was ist mög­lich und was nicht?

Der Begriff Kurz­ar­beit wur­de lan­ge als Vor­bo­te einer Unter­neh­mens­in­sol­venz ange­se­hen. Doch die Gesetz­ge­bung hat für die­se The­ma­tik sehr vie­le Instru­men­te geschaf­fen, die Unter­neh­men hel­fen, wirt­schaft­lich zu blei­ben und ihre Lage sogar noch zu ver­bes­sern. Gleich­zei­tig kön­nen Mit­ar­bei­ter pro­fi­tie­ren, indem sie wäh­rend der Kurz­ar­beit Wei­ter­bil­dun­gen wahr­neh­men oder die Work-Life-Balan­ce für eine gewis­se Zeit verbessern.

Kurz­ar­beit – was ist mög­lich und was nicht?

Kurz­ar­beit aus Unternehmersicht

Kurz­ar­beit bie­tet vie­le Vor- hat aber auch Nach­tei­le. Letzt­end­lich wer­den nie alle Kos­ten erstat­tet, die durch Kurz­ar­beit ent­ste­hen. Dar­un­ter lei­den die Unter­neh­men genau­so wie ihre Ange­stell­ten. Dafür hilft dies arbeits­markt­po­li­ti­sche Instru­ment, Kün­di­gun­gen zu ver­mei­den und bei einer guten Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on wan­dern die Fach­kräf­te auch nicht direkt ab, wenn sie das Wort Kurz­ar­beit hören. Es ist anzu­ra­ten, die Ange­stell­ten mit ins Boot zu holen und nicht über die Köp­fe hin­weg zu entscheiden.

Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen erfüllt sein, um Kurz­ar­beit anmel­den zu können?

Bevor ein Unter­neh­men Kurz­ar­beit anmel­den kann, müs­sen bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wer­den. Unter der Coro­na­pan­de­mie wur­den die­se Bedin­gun­gen zuguns­ten von Unter­neh­men ange­passt. Aktu­ell gilt, dass min­des­tens 10 % der Mit­ar­bei­ter einen Lohn­aus­fall von mehr als 10 % haben. Den Unter­neh­men müs­sen unver­meid­ba­re Arbeits­aus­fäl­le dro­hen, die weder bran­chen­üb­lich noch sai­so­nal bedingt sind. Außer­dem müs­sen Über­stun­den bei Arbeit­neh­mern abge­baut wer­den. Bevor Kurz­ar­bei­ter­geld gewährt wird, wird geprüft, ob Mit­ar­bei­ter zeit­wei­se ande­re Auf­ga­ben im Unter­neh­men oder Auf­räum- und War­tungs­ar­bei­ten erle­di­gen können.

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Sind die­se Bedin­gun­gen erfüllt, wer­den Lohn­er­satz­leis­tun­gen und Lohn­ne­ben­kos­ten bezahlt. Kurz­ar­beit muss für den Ein­zel­nen Ange­stell­ten bean­tragt wer­den. Die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für Ange­stell­te, wer­den bei der Ent­schei­dung eben­falls berück­sich­tigt. So kön­nen Rent­ner bei­spiels­wei­se kein Kurz­ar­bei­ter­geld bekom­men, weil sie ander­wei­tig finan­zi­ell abge­si­chert sind. Die Arbeits­agen­tur hat für alle Fra­gen rund um die Kurz­ar­beit Bera­ter, die Unter­neh­men hel­fen, wenn die­se Infor­ma­tio­nen über Vor­aus­set­zun­gen und Anträ­ge suchen.

Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, Kurz­ar­beit für das Unter­neh­men zu nutzen?

Kurz­ar­beit bedeu­tet die teil­wei­se oder kom­plet­te Frei­stel­lung von Arbeit­neh­mern von der Arbeit. Dies kann gan­ze Unter­neh­men oder auch ein­zel­ne Abtei­lun­gen betref­fen. In ers­ter Linie sind die Kurz­ar­bei­ter­re­ge­lun­gen in finan­zi­el­ler Hin­sicht für Unter­neh­men inter­es­sant. Per­so­nal­kos­ten schla­gen kräf­tig zu Buche. Aus die­sem Grund, wird auch der Zusam­men­hang mit dro­hen­den Insol­ven­zen und Ent­las­sungs­wel­len immer noch her­ge­stellt. Dabei ist Kurz­ar­beit eigent­lich genau das Instru­ment, um Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­hin­dern und vor allem, um den Erhalt des fach­li­chen Poten­ti­als in Unter­neh­men zu sichern.

Mit dem Qua­li­fi­zie­rungs­chan­cen­ge­setz sind Mög­lich­kei­ten geschaf­fen wor­den, Mit­ar­bei­ter in Zei­ten der Kurz­ar­beit wei­ter­bil­den und die­se Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te eben­falls aus öffent­li­chen Gel­dern för­dern zu lassen.

Die Höhe der För­der­mit­tel wird indi­vi­du­ell berech­net. Bei güns­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen kön­nen sol­che Wei­ter­bil­dungs­kam­pa­gnen nicht nur in vol­ler Höhe über­nom­men wer­den, son­dern sogar noch eine Prä­mie ein­brin­gen, wenn es einen fun­dier­ten Per­so­nal­ent­wick­lungs­plan gibt.

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Was darf ein Unter­neh­men in der Kurz­ar­beit nicht?

Es gibt ein paar arbeits­recht­li­che Din­ge, die einem Unter­neh­men wäh­rend oder unmit­tel­bar nach der Kurz­ar­beit etwas schwe­rer gemacht wer­den. Kün­di­gun­gen sind wäh­rend der Kurz­ar­beit aus­ge­schlos­sen und auch direkt nach der Kurz­ar­beit nur in ganz beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len möglich.

Kurz­ar­beit gilt als Zeit in der ver­kürzt gear­bei­tet wird, daher kön­nen Unter­neh­men ihren Mit­ar­bei­tern nicht in die­sen Zei­ten so viel Arbeit geben, dass sie voll oder sogar mehr arbei­ten müs­sen. Dass es nicht erlaubt ist, wäh­rend der Kurz­ar­beit Stun­den qua­si für die Abrech­nung in der Zukunft zu sam­meln, ist selbstverständlich.

Wird Kurz­ar­beit für die För­de­rung von Wei­ter­bil­dun­gen bean­tragt, so muss der Arbeit­ge­ber sei­ne Mit­ar­bei­ter natür­lich auch die Zei­ten für die Wei­ter­bil­dun­gen las­sen und ihn frei stellen.

Urlaubs­an­sprü­che bestehen auch wäh­rend der Kurz­ar­beit. Die Ent­gel­te hier­für dür­fen nicht mit dem Kurz­ar­bei­ter­geld berech­net, son­dern müs­sen in der übli­chen Höhe gezahlt werden.

Den digi­ta­len Wan­del mit Kurz­ar­beit bezwingen?

Was para­dox klingt, ist in vie­len Unter­neh­men Stra­te­gie. Digi­ta­ler Wan­del kann nur gelin­gen, wenn die Arbeit­neh­mer dar­auf vor­be­rei­tet wer­den. Das heißt sie müs­sen mit neu­en Tech­no­lo­gien ver­traut gemacht wer­den und ler­nen, sich auf neue Bedin­gun­gen immer schnel­ler ein­zu­stel­len. Daher ist die Kom­bi­na­ti­on von Kurz­ar­beit und Wei­ter­bil­dung in Klein- und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men eben­so beliebt wie in gro­ßen Konzernen.

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Müs­sen Unter­neh­men Pro­duk­ti­ons­li­ni­en moder­ni­sie­ren oder ihre Pro­dukt­pa­let­te umstel­len, kön­nen Umbau­zei­ten usw. via Kurz­ar­beit mit Wei­ter­bil­dun­gen über­brückt werden.

Kurz­ar­beit aus Sicht des Arbeit­neh­mers

Unter Arbeit­neh­mern ist weit ver­brei­tet, dass sie sich in ihr Schick­sal fügen müs­sen. Doch das muss nicht immer zwin­gend zutref­fen. Mit dem Arbeit­ge­ber im Gespräch zu sein, kann hel­fen auch das eige­ne Leben, bes­ser orga­ni­sie­ren zu kön­nen oder auch Wei­ter­bil­dun­gen absol­vie­ren zu dür­fen, die man sich schon lan­ge wünscht.

Geht es einem Unter­neh­men tat­säch­lich wirt­schaft­lich schlecht, so ist Kurz­ar­beit immer noch bes­ser als eine Kün­di­gung und bie­tet die Chan­ce, sich früh nach einer neu­en Stel­le umzusehen.

Beson­de­re fami­liä­re Situa­tio­nen und Kurzarbeit

Das Kind kommt zur Schu­le oder die Part­ne­rin hat kürz­lich ent­bun­den. Da lässt sich eine Ver­kür­zung der Arbeits­zeit für eine gewis­se Zeit doch aus­hal­ten und weni­ger Geld ist immer noch bes­ser, als unbe­zahl­ter Urlaub. Das Wort Sozi­al­plan wird im Arbeits­recht groß geschrie­ben und wenn die Betreu­ung von Kin­dern oder die Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen kei­ne guten Grün­de sind, einem Mit­ar­bei­ter Kurz­ar­beit auf Wunsch zu gewäh­ren, was dann. Natür­lich sind die Grün­de, die für die Antrag­stel­lung genannt wer­den müs­sen, anders zu for­mu­lie­ren, aber letzt­end­lich kann es auch aus Arbeit­neh­mer­sicht durch­aus Situa­tio­nen geben, in denen Kurz­ar­beit will­kom­men ist.

Wich­ti­ge Aspek­te aus finan­zi­el­ler Sicht

Kurz­ar­bei­ter­geld ent­spricht lei­der nicht dem vol­len Lohn. Lau­fen­de Kos­ten wie Mie­te, Essen und Ver­si­che­run­gen, neh­men da lei­der kei­ne Rück­sicht drauf. Es ist aller­dings mög­lich, sich in der Kurz­ar­beits­zeit einen Neben­job zu suchen und etwas dazu zu verdienen.

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Ganz schwie­rig sind The­men wie Eltern- und Kran­ken­geld­be­zug, denn Kurz­ar­bei­ter­geld wirkt sich da teil­wei­se deut­lich aus. Vor allem beim Eltern­geld, zu des­sen Berech­nung ein fes­ter Zeit­raum her­an­ge­zo­gen wird, kann gerin­ger aus­fal­len, wenn ein Eltern­teil Kurz­ar­bei­ter­geld bezo­gen hat. Beim Kran­ken­geld rich­tet sich dies noch nach Zeit­punkt der Erkran­kung usw.

Alters­teil­zeit und Kurz­ar­beit haben eben­falls eini­ge beson­de­re Berüh­rungs­punk­te. Für Lai­en ist es da nicht so leicht, alles rich­tig zu ver­ste­hen. Soll­ten Unklar­hei­ten weder vom Arbeit­ge­ber noch von der zah­len­den Stel­le (Arbeits­agen­tur) aus­ge­räumt wer­den kön­nen, ist es anzu­ra­ten, sich Hil­fe bei einem Anwalt zu suchen.

Fazit: Kurz­ar­beit ist kein Schreck­ge­spenst des Grau­ens. Um alle Vor- und Nach­tei­le für sich abschät­zen zu kön­nen, ist es wich­tig, sich gut zu infor­mie­ren. Die stren­gen gesetz­li­chen Rege­lun­gen sol­len Miss­brauch eben­so ver­hin­dern wie Insol­ven­zen. In Kri­sen, wie die Pan­de­mie sie dar­stel­len, ist Kurz­ar­beit in vie­len Unter­neh­men unver­meid­bar und trotz Ein­bu­ßen, ggf. die Ret­tung des Unternehmens.

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