Leis­tun­gen an Gewerk­schafts­mit­glie­der – und die tarif­ver­trag­li­che Stich­tags­re­ge­lung

Mit der Rege­lung über den per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reich eines Tarif­ver­trags wer­den nicht nur "dekla­ra­to­risch" die Vor­aus­set­zun­gen für eine nor­ma­ti­ve Wir­kung des Tarif­ver­trags nach § 4 Abs. 1 TVG wie­der­holt, son­dern es wird viel­mehr eine zusätz­li­che Anspruchs­vor­aus­set­zung fest­ge­legt.

Leis­tun­gen an Gewerk­schafts­mit­glie­der – und die tarif­ver­trag­li­che Stich­tags­re­ge­lung

Damit kann ein tarif­ver­trag­li­cher Anspruch nicht nur eine Mit­glied­schaft in der IG Metall im Sin­ne einer Tarif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG vor­aus­set­zen, son­dern für den ergän­zen­den Abfin­dungs­an­spruch eine zum vor­ge­se­he­nen Stich­tag bestehen­de Gewerk­schafts­mit­glied­schaft ver­lan­gen 1.

Die von den Tarif­ver­trags­par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Grup­pen­bil­dung zwi­schen Gewerk­schafts­mit­glie­dern ori­en­tiert sich im hier ent­schie­de­nen Streit­fall an einem Stich­tag, der im Rah­men der vor­lie­gen­den Tarif­ver­trä­ge mit sozi­al­plan­ähn­li­chen Inhal­ten wirk­sam ist. Die Rege­lung des ETS-TV ver­letzt weder die nega­ti­ve Koali­ti­ons­frei­heit noch ver­stößt sie gegen den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG 2.

Wei­ter­hin kann sich der Arbeit­neh­mer nicht auf den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nach § 75 BetrVG stüt­zen. Die Betriebs­par­tei­en haben gera­de davon abge­se­hen, die tarif­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen – mit denen zwi­schen bestimm­ten Mit­glie­dern der IG Metall dif­fe­ren­ziert wird, zu über­neh­men. Damit haben sie den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, der dar­auf abzielt, eine Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten sicher­zu­stel­len und eine gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­schlie­ßen, beach­tet 3.

Aus der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­re­ge­lung folgt eben­falls kein Anspruch auf eine Ergän­zung der monat­li­chen Zah­lun­gen zu den Min­dest­be­din­gun­gen sei­nes Trans­fer­ar­beits­ver­hält­nis­ses nach § 2 Satz 1 ETS-TV ("monat­lich 80 Pro­zent ihres Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens"). Die Tarif­ver­trags­par­tei­en haben in § 1 Nr. 2 ETS-TV eine wirk­sa­me Gel­tungs­be­reichs­be­stim­mung ver­ein­bart, die den Arbeit­neh­mer nicht erfasst. Wei­ter­hin kann er sich auch inso­weit weder auf den arbeits­recht­li­chen noch auf den betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nach § 75 BetrVG stüt­zen 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Mai 2017 – 4 AZR 28/​15

  1. st. Rspr. vgl. iE BAG 6.07.2016 – 4 AZR 966/​13, Rn. 22; 27.01.2016 – 4 AZR 830/​13, Rn. 15; ausf. 15.04.2015 – 4 AZR 796/​13, Rn. 26, BAGE 151, 235[]
  2. st. Rspr. vgl. iE BAG 6.07.2016 – 4 AZR 966/​13, Rn. 26; 27.01.2016 – 4 AZR 830/​13, Rn.19[]
  3. ausf. BAG 6.07.2016 – 4 AZR 966/​13, Rn. 35 f.; 15.04.2015 – 4 AZR 796/​13, Rn. 59 bis 68, BAGE 151, 235[]
  4. BAG 6.07.2016 – 4 AZR 966/​13, Rn. 38; ausf. 15.04.2015 – 4 AZR 796/​13, Rn. 72 bis 77, BAGE 151, 235[]