Lei­ten­de Ange­stell­te und die gericht­li­che Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses

Nach § 14 Abs. 2 KSchG fin­det auf Geschäfts­füh­rer, Betriebs­lei­ter und ähn­li­che lei­ten­de Ange­stell­te, soweit die­se zur selb­stän­di­gen Ein­stel­lung oder Ent­las­sung von Arbeit­neh­mern berech­tigt sind, § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG mit der Maß­ga­be Anwen­dung, dass der Antrag des Arbeit­ge­bers auf Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses kei­ner Begrün­dung bedarf.

Lei­ten­de Ange­stell­te und die gericht­li­che Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses

Die Befug­nis zur selb­stän­di­gen Ein­stel­lung oder Ent­las­sung muss ent­we­der eine bedeu­ten­de Anzahl von Arbeit­neh­mern oder eine gewis­se Anzahl bedeu­ten­der Arbeit­neh­mer erfas­sen. Ent­schei­dend für das Gewicht der Per­so­nal­kom­pe­tenz ist, wel­chen Stel­len­wert die Tätig­keit der Mit­ar­bei­ter, die der Betref­fen­de ein­stellt oder ent­lässt, für das Unter­neh­men hat. Es kann auch dann aus­rei­chend sein, wenn sich die per­so­nel­len Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen des Ange­stell­ten auf eine geschlos­se­ne Grup­pe bezie­hen, die für das Unter­neh­men, ins­be­son­de­re für des­sen unter­neh­me­ri­schen Erfolg, von Bedeu­tung ist 1.

Zur selb­stän­di­gen Ein­stel­lung oder Ent­las­sung iSd. § 14 Abs. 2 KSchG sind nur sol­che Arbeit­neh­mer berech­tigt, deren ent­spre­chen­de Befug­nis nicht nur im Außen‑, son­dern auch im Innen­ver­hält­nis besteht. Von einer Berech­ti­gung zur selb­stän­di­gen Ein­stel­lung kann nicht die Rede sein, wenn sie sich auf die Befug­nis beschränkt, intern Vor­schlä­ge zu unter­brei­ten 2.

Die Per­so­nal­kom­pe­tenz muss einen wesent­li­chen Teil der Tätig­keit des Ange­stell­ten aus­ma­chen und darf nicht „nur auf dem Papier ste­hen“. Sie muss tat­säch­lich aus­ge­übt wer­den 3.

Eine Beschrän­kung der selb­stän­di­gen Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz des lei­ten­den Ange­stell­ten auf die in sei­ner Abtei­lung vor­zu­neh­men­den Ein­stel­lun­gen ergibt sich nicht dar­aus, dass er an den fest­ge­leg­ten Stel­len­plan gebun­den war. So wenig es einer selb­stän­di­gen Ein­stel­lungs- oder Ent­las­sungs­be­fug­nis ent­ge­gen­steht, wenn der Ange­stell­te unter­neh­mens­in­ter­ne Vor­ga­ben beach­ten muss 4, so wenig ver­langt eine Per­so­nal­kom­pe­tenz iSv. § 14 Abs. 2 KSchG eine unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­ho­heit über den Stel­len­plan und die Befug­nis, selbst über Stel­len­aus­wei­tun­gen oder ‑kür­zun­gen zu ent­schei­den. Nach der gesetz­li­chen Rege­lung ist der Ange­stell­te viel­mehr bereits dann als „im Lager“ des Arbeit­ge­bers ste­hend anzu­se­hen, wenn er selb­stän­dig dar­über ent­schei­den kann, wer in einem wesent­li­chen Bereich des Unter­neh­mens ein­ge­stellt oder ent­las­sen wird.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. April 2012 – 2 AZR 186/​11

  1. BAG 14.04.2011 – 2 AZR 167/​10, Rn. 14, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 12 = EzA KSchG § 14 Nr. 9; 10.10.2002 – 2 AZR 598/​01 – zu D II 1 der Grün­de mwN, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 123 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 122[]
  2. BAG 14.04.2011 – 2 AZR 167/​10, Rn. 13, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 12 = EzA KSchG § 14 Nr. 9; 18.11.1999 – 2 AZR 903/​98 – zu II 1 a der Grün­de, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 5 = EzA KSchG § 14 Nr. 4[]
  3. BAG 14.04.2011 – 2 AZR 167/​10, Rn. 15, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 12 = EzA KSchG § 14 Nr. 9; 10.10.2002 – 2 AZR 598/​01 – zu D II 1 der Grün­de mwN, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 123 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 122[]
  4. BAG 27.09.2001 – 2 AZR 176/​00, AP KSchG 1969 § 14 Nr. 6 = EzA KSchG § 14 Nr. 6[]