Lügen im Lebenslauf – Wann drohen rechtliche Konsequenzen?

Viel öfter als oft angenommen kommt es vor, dass es Bewerber beim Verfassen von Anschreiben und Lebensläufen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Lügen bezüglich früherer Arbeitsverhältnisse sind dabei genauso verbreitet, wie Flunkereien zu Erfolgen und Erfahrungen. Was viele Bewerber beim „Frisieren“ ihrer Bewerbung jedoch nicht bedenken: Die vermeintlich kleinen Flunkereien können oft den Arbeitsplatz kosten und zur fristlosen Kündigung führen.

Lügen im Lebenslauf – Wann drohen rechtliche Konsequenzen?

Schwindeleien bei der Bewerbung kommen oft vor

Ein professionell und ansprechend gestalteter Lebenslauf ist wichtig. Nur dann, wenn bereits der Lebenslauf überzeugt, erhält der Bewerber überhaupt die Chance, sich in einem Vorstellungsgespräch zu beweisen. Für viele ist dieser Umstand Grund genug, ihren Lebenslauf etwas ansprechender zu gestalten, als es die Realität eigentlich zuließe.

Untersuchungen zufolge „frisieren“ nämlich über 20 Prozent aller Bewerber ihren Lebenslauf. Falsche Angaben und unrichtige Informationen werden dabei sowohl in den Lebenslauf selbst, aber auch in das Bewerbungs-Anschreiben eingebaut.

Die Schwindeleien der Bewerber sind dabei teilweise äußerst kreativ. Außerdem bleibt kaum ein Punkt des Lebenslaufes von Schwindeleien verschont. Besonders „gerne“ wird allerdings bezüglich folgender Punkte gelogen:

  • Etwa 30 Prozent der Job-Interessenten lügt, wenn es darum geht, wie viel Verantwortung sie in früheren Anstellungsverhältnissen getragen haben
  • Rund 20 Prozent der Bewerber schmücken Managementfähigkeiten aus
  • Über 15 Prozent der Bewerber lügen bezüglich ihrer Sprachkenntnisse
  • Rund 5 Prozent aller Bewerber geben einen nicht der Wahrheit entsprechenden Bildungsgrad an

Warum wird in Lebensläufen und Bewerbungen so oft gelogen?

Die Erklärung dafür, warum so viele Bewerber in ihrem Lebenslauf oder dem Anschreiben lügen, ist schnell gefunden: Sie haben schlichtweg Erfolg damit. Schließlich kann sich in einem Vorstellungsgespräch meist besser präsentieren, wer zuvor bereits ein bestimmtes (eventuell erlogenes) Bild von sich gezeichnet hat. Wer sich möglichst positiv darstellt, steigert damit seine Chancen auf den gewünschten Job.

In einigen Fällen scheint das Lügen bei der Bewerbung außerdem eine Notwendigkeit zu sein. Das gilt insbesondere dann, wenn der Lebenslauf aus privaten Gründen Lücken enthält. Außerdem lassen es auch außergewöhnlich lange Ausbildungszeiten, Kündigungen oder sonstige berufliche Fehlentscheidungen notwendig erscheinen, den Lebenslauf „kreativ zu verschönern“.

Meist verlassen sich Bewerber, die Übertreibungen und Schwindeleien in ihren Lebenslauf einbauen, darauf, dass ihre Angaben ohnehin niemand überprüft. Und selbst wenn eine Lüge einmal auffliegt, gehen die meisten Bewerber davon aus, dass eine kleine Flunkerei keine großen Konsequenzen haben kann. Das ist allerdings ein gefährlicher Trugschluss!

Erfahrene Personaler haben einen geübten Blick und können falsche Angaben leicht enttarnen. Dann kann die Lüge im Lebenslauf nicht nur zu peinlichen Situation während des Vorstellungsgesprächs führen. Vielmehr kann sie sogar noch Jahre später zum Kündigungsgrund werden.

Bewerbungs-Lügen und ihre arbeitsrechtlichen Folgen

Wie schon gesehen, kommen kleine Schummeleien aber auch handfeste Lügen im Rahmen von Bewerbungen recht häufig vor. Einige der Flunkereien sind dabei auch als solche abzutun und eher harmlos. Andere hingegen können arbeitsrechtliche oder sogar strafrechtliche Relevanz haben.

Weniger gravierend und regelmäßig folgenlos sind dabei Flunkereien, wenn es um

  • Private Hobbys
  • Für den neuen Job nicht relevante Berufserfahrungen oder
  • Auf Selbstüberschätzung beruhende Fehleinschätzungen von Fremdsprachenkenntnissen

geht.

Gravierender und juristisch mindestens bedenklich sind Falschangaben oder Lügen, wenn es um folgende Punkte geht:

  • Fachliche Qualifikationen
  • Der erreichte Busbildungsabschluss
  • Noten oder Arbeitszeugnisse
  • Vorherige Arbeitgeber
  • Tätigkeitsschwerpunkte sowie Erfolgen

Werden zu diesen Punkten falsche Angaben gemacht, kann das ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Werden falsche Zeugnisse oder ähnliche falsche Dokumente einreicht, kann sogar eine strafbare Urkundenfälschung vorliegen.

Rechtsprechung sieht Lebenslauf-Lügen nicht als Kavaliersdelikt

Gefälschte und frisierte Bewerbungsunterlagen empfinden viele Job-Interessenten selbst als „keine große Sache“. In Wirklichkeit riskiert sie damit – auch noch Jahre später – eine fristlose Kündigung. Schließlich kann der Arbeitgeber einen geschlossenen Arbeitsvertrag aufgrund der falschen Angaben wegen arglistiger Täuschung anfechten. Das ist auch dann möglich, wenn die Täuschung erst Jahre später bekannt wird. Im Ergebnis ist der Arbeitsvertrag dann nichtig und das Arbeitsverhältnis sofort beendet. Je nach Sachlage kann der Arbeitgeber außerdem sogar dazu berechtigt sein, Schadenersatz zu fordern.

Noch gravierender sind die Folgen, wenn die Lüge im Lebenslauf mit einer Urkundenfälschung einhergeht. Werden etwa gefälschte Abschlusszeugnisse oder ähnliches vorgelegt, kann die Urkundenfälschung im schlimmsten Fall mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Beispiele dafür, dass Lügen im Lebenslauf auch vor Gericht nicht als Kavaliersdelikt behandelt werden, gibt es etliche. Zwei Beispiele dazu sind folgende:

  • Ein Bewerber hatte seinen Bewerbungsunterlagen ein gefälschtes Diplomzeugnis sowie ein gefälschtes Hochschuldiplom beigelegt. Das Landesarbeitsgericht Nürnberg bestätigte fünf Jahre nach seiner Einstellung die sofortige Kündigung1.
  • Ein Jurist besserte seine Prüfungsnote von „ausreichend“ zu „voll befriedigend“ auf. Das Gericht bestätigte nicht nur die sofortige Kündigung. Auch einen Teil des gezahlten Gehalts musste der Jurist zurückzahlen.

Wann sind Lügen erlaubt?

Lügen im Lebenslauf oder dem Bewerbungsgespräch können ernste Konsequenzen haben – in einigen Ausnahmefällen sind sie allerdings auch erlaubt. Schließlich sind Bewerber in einigen Bewerbungs-Situationen nicht dazu verpflichtet, wahrheitsgemäß zu antworten. Das gilt zumindest dann, wenn es um Themenbereiche geht, die entsprechend des Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Bewerbungssituationen tabu sein sollten.

Wird der Bewerber in einem Vorstellungsgespräch also beispielsweise nach seiner Familienplanung, seiner Religions- oder Parteizugehörigkeit befragt, muss er diese Fragen prinzipiell nicht beantworten. Auch eine nicht wahrheitsgemäße Antwort darf keine Negativfolgen nach sich ziehen.

  1. vgl. LAG Nürnberg, 24.08.2005 – 9 Sa 400/05[]

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