Man­ko­geld, VWL, Über­stun­den­ver­gü­tung – und die Urlaubs­ver­gü­tung und Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall

Einem Arbeit­neh­mer steht auf­grund sei­nes tarif­li­chen Anspruchs auf Man­ko­geld, auf ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen und auf Über­stun­den­ver­gü­tung kein (wei­te­res) Urlaubs­ent­gelt zu. Die­se Ent­gelt­be­stand­tei­le sind bei der Berech­nung des Urlaubs­ent­gelts des Arbeit­neh­mers gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG nicht zu berück­sich­ti­gen.

Man­ko­geld, VWL, Über­stun­den­ver­gü­tung – und die Urlaubs­ver­gü­tung und Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall

Zah­lun­gen des Arbeit­ge­bers, die unab­hän­gig von der tat­säch­li­chen Arbeits­leis­tung des Arbeit­neh­mers monat­lich erfol­gen, sind in die Berech­nung des Urlaubs­ent­gelts nach § 11 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG grund­sätz­lich nicht ein­zu­stel­len, weil es ansons­ten zu einer – vom Gesetz nicht gewoll­ten – dop­pel­ten Zah­lung kom­men wür­de. Inso­fern gilt nichts ande­res als bei Leis­tun­gen, die nicht im gesetz­li­chen Berech­nungs­zeit­raum anfal­len, son­dern auf das gesam­te Jahr bezo­gen sind1. Wird ein in Monats­be­trä­gen fest­ge­leg­ter Ent­gelt­be­stand­teil wäh­rend des Urlaubs wei­ter­ge­währt, genügt dies den Anfor­de­run­gen des BUr­lG. Der Arbeit­neh­mer erhält dann iSd. § 1 BUr­lG ein Urlaubs­ent­gelt, wie er es bei Wei­ter­ar­beit ohne Frei­stel­lung hät­te erwar­ten kön­nen (vgl. zu § 26 iVm. § 21 Satz 1 TVöD: BAG 24.03.2010 – 10 AZR 58/​09, Rn. 30 mwN, BAGE 134, 34). Dar­über, dass der Klä­ger in den Mona­ten Janu­ar, April und August 2008 jeweils Man­ko­geld iHv. 16, 00 Euro brut­to erhal­ten hat, besteht kein Streit. Die Fra­ge, ob das dem Klä­ger gezahl­te Man­ko­geld Ent­gelt­cha­rak­ter hat und ihm die­ses damit auch wäh­rend eines Urlaubs in vol­ler Höhe zusteht, oder ob das Man­ko­geld als blo­ßer Aus­gleich für das wäh­rend eines Urlaubs nicht bestehen­de Haf­tungs­ri­si­ko zu ver­ste­hen2 und damit bei Urlaub des Klä­gers nicht oder nur ver­min­dert zu zah­len ist, konn­te des­halb unent­schie­den blei­ben.

Auch dann, wenn ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen arbeits­recht­lich als Bestand­teil der Ver­gü­tung ein­ge­ord­net wer­den3, hat der Klä­ger kei­nen Anspruch dar­auf, dass die­se bei der Berech­nung sei­nes durch­schnitt­li­chen Arbeits­ver­diens­tes nach § 11 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG berück­sich­tigt wer­den4. Die Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten hat in den Mona­ten Janu­ar, April und August 2008 die ver­mö­gens­wirk­sa­men Leis­tun­gen für den Klä­ger abge­führt. Wür­den die­se in die Berech­nung der Urlaubs­ver­gü­tung ein­ge­stellt, erhiel­te sie der Klä­ger im Ergeb­nis dop­pelt. Im Übri­gen hat ein Arbeit­neh­mer kei­nen Anspruch, dass ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen an ihn selbst aus­ge­zahlt wer­den.

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung der im Refe­renz­zeit­raum abge­rech­ne­ten Über­stun­den­zu­schlä­ge durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Klä­ger – offen­bar im Hin­blick auf den Wort­laut des § 11 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG – im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall in der Revi­si­ons­in­stanz nicht ange­grif­fen. Soweit der Klä­ger sei­ne For­de­rung dar­auf stützt, dass die Grund­ver­gü­tung für die geleis­te­ten Über­stun­den in die Refe­renz­be­rech­nung ein­zu­be­zie­hen sei, hat er nicht schlüs­sig dar­ge­legt, dass dies hin­sicht­lich der streit­ge­gen­ständ­li­chen Urlaubs­zeit­räu­me zu einem wei­ter gehen­den Ver­gü­tungs­an­spruch füh­ren wür­de. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 15.12 20095 für den Geld­fak­tor den wäh­rend des Refe­renz­zeit­raums erziel­ten Stun­den­lohn ermit­telt. Wird aber der Geld­fak­tor in der Wei­se berech­net, dass der Durch­schnitts­ver­dienst im Refe­renz­zeit­raum pro Arbeits­stun­de berech­net wird (Arbeits­ver­dienst divi­diert durch Anzahl der Arbeits­stun­den), so ändert sich der durch­schnitt­li­che Stun­den­ver­dienst nicht, wenn bei den Arbeits­stun­den die geleis­te­ten Über­stun­den und beim Arbeits­ver­dienst die dafür gezahl­te Grund­ver­gü­tung berück­sich­tigt wer­den6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2013 – 9 AZR 279/​12

  1. vgl. zu einer jah­res­be­zo­ge­nen Ein­mal­leis­tung: BAG 23.04.1996 – 9 AZR 856/​94, zu I 2 c der Grün­de mwN []
  2. vgl. zur Dif­fe­ren­zie­rung bei § 4 EFZG: MüArbR/​Schlachter 3. Aufl. Bd. 1 § 74 Rn. 10 []
  3. vgl. BAG 19.09.2012 – 5 AZR 628/​11, Rn. 33 mwN auch zum Sozi­al­ver­si­che­rungs- und Steu­er­recht; vgl. aller­dings EuGH 7.11.2013 – C‑522/​12 – [Isbir] Rn. 44, der davon aus­geht, dass ver­mö­gen­wirk­sa­me Leis­tun­gen grds. kei­nen Arbeits­lohn dar­stel­len []
  4. vgl. BAG 17.01.1991 – 8 AZR 644/​89, BAGE 67, 94; 14.03.1966 – 5 AZR 468/​65; Schaub/​Linck ArbR-HdB 15. Aufl. § 104 Rn. 123; ErfK/​Gallner 14. Aufl. § 11 BUr­lG Rn. 13; Arnol­d/­Till­mann­s/­Thiel-Koch BUr­lG 2. Aufl. § 11 Rn. 25 []
  5. BAG 15.12.2009 – 9 AZR 887/​08, Rn. 14 []
  6. AnwK-ArbR/­Düwell 2. Aufl. Bd. 2 § 11 BUr­lG Rn.19; Powietzka/​Rolf BUr­lG § 11 Rn.20 []