Mate­ri­al­klau auf der Bau­stel­le ‑und die Kün­di­gung eines Aus­zu­bil­den­den

Der Ver­such der Ent­wen­dung von Bau­ma­te­ri­al im Wert von unge­fähr 40 € kann jeden­falls dann eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses sei­tens des Arbeit­ge­bers recht­fer­ti­gen, wenn der Aus­zu­bil­den­de dabei noch aktiv ver­sucht hat, sei­ne Tat zu ver­tu­schen.

Mate­ri­al­klau auf der Bau­stel­le ‑und die Kün­di­gung eines Aus­zu­bil­den­den

In dem hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern ent­schie­de­nen Fall hat­te der Aus­zu­bil­den­de ver­sucht, Eigen­tum des Aus­bil­ders zu ent­wen­den und ihn damit zu schä­di­gen. Ver­mö­gens­de­lik­te zu Las­ten des Arbeit­ge­bers stel­len in der Regel einen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung dar. Das gilt auch, wenn sie im Ver­suchs­sta­di­um ste­cken geblie­ben sind.

Der Schä­di­gungs­wil­le des Aus­zu­bil­den­den steht nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me fest. Für die Bewer­tung des Gesche­hens ist es nicht ent­schei­dend, ob der Gewahr­sams­bruch hin­sicht­lich der Schrau­ben bereits mit dem Ver­ste­cken der Schrau­ben in der Werk­zeug­kis­te voll­endet war. Ent­schei­dend ist, dass das Ver­ste­cken der Schrau­ben in der Werk­zeug­kis­te ein wesent­li­ches Ele­ment des Tat­plans war und der Aus­zu­bil­den­de sei­nen Tat­plan auch durch wei­te­re Schrit­te ver­sucht hat, zum Erfolg zu ver­hel­fen, näm­lich durch die Lüge bezüg­lich der ver­brauch­ten Schrau­ben­schach­teln im Abfall und durch sei­nen zunächst erfolg­rei­chen Ver­such, den Vor­ar­bei­ter dar­an zu hin­dern, einen Blick in sei­ne Werk­zeug­kis­te zu wer­fen.

Der Wert der Schrau­ben wird vom Aus­bil­dungs­beb­trieb mit rund 40 Euro ange­ge­ben, wobei es sich dabei um den Wie­der­be­schaf­fungs­wert des gewerb­lich täti­gen Aus­bil­dungs­beb­trieb han­deln dürf­te. Hät­te der Aus­zu­bil­den­de sol­che Schrau­ben im Bau­markt erwer­ben wol­len, hät­te er dafür wohl mehr Geld auf­wen­den müs­sen. Der in Rede ste­hen­de Wert kann nicht mehr als nur gering­fü­gig ange­se­hen wer­den.

Bei der Bewer­tung der Ein­zel­hei­ten des Tat­ge­sche­hens ist zu Las­ten des Aus­zu­bil­den­den wei­ter zu berück­sich­ti­gen, dass der Aus­zu­bil­den­de durch sein Han­deln eine Ver­zö­ge­rung des Bau­fort­schritts und damit wei­te­re Kos­ten zu Las­ten des Aus­bil­ders in Kauf genom­men hat. Außer­dem spricht zu sei­nen Las­ten, dass er durch die Lüge bezüg­lich der lee­ren Schach­teln im Müll­sack und durch den zunächst erfolg­rei­chen Ver­such, den Vor­ar­bei­ter an einem Blick in die Werk­zeug­kis­te zu hin­dern, erheb­li­che Akti­vi­tä­ten ent­wi­ckelt hat, um sei­nem Tat­plan zum Erfolg zu ver­hel­fen. Inso­weit kann man durch­aus von einer hart­nä­cki­gen Ver­fol­gung des Tat­plans spre­chen. Das gesam­te Gesche­hen kann damit nicht mehr nur als ein Augen­blicks­ver­sa­gen der eige­nen inne­ren ethi­schen und mora­li­schen Kon­troll­in­stan­zen des Aus­zu­bil­den­den bewer­tet wer­den. Dabei hat das Gericht auch berück­sich­tigt, dass der 1984 gebo­re­ne Aus­zu­bil­den­den schon seit vie­len Jah­ren erwach­sen ist und er daher nicht mehr mit der Mil­de rech­nen kann, die gele­gent­lich bei schwe­ren Ver­feh­lun­gen her­an­wach­sen­der Aus­zu­bil­den­der ange­bracht sein mag.

Der aus dem Tat­ge­sche­hen sich erge­ben­de voll­kom­me­ne Ver­lust des Ver­trau­ens zum Aus­zu­bil­den­den liegt auf der Hand. Der Umstand, dass der Aus­zu­bil­den­de in sei­nem Berufs­aus­bil­dungs­ver­hält­nis nur noch weni­ge Mona­te bis zum Able­gen der Gesel­len­prü­fung zurück­zu­le­gen hat­te, recht­fer­tigt es daher nicht, dem Aus­bil­dungs­beb­trieb im Rah­men der Inter­es­sen­ab­wä­gung einen Ver­zicht auf die Kün­di­gung zuzu­mu­ten.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 5. April 2016 – 2 Sa 84/​15