Meh­re­re Kün­di­gun­gen, eine Kün­di­gungs­schutz­kla­ge – und der Streit­wert

Für jede Kün­di­gung ist der Streit­wert nach § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG getrennt zu ermit­teln. Eine Wer­tead­di­ti­on erfolgt aber nur und inso­weit als die weitere/​n Kündigung/​en ein Hin­aus­schie­ben des Been­di­gungs­zeit­punkts bewirkte/​n 1. Ein neben dem punk­tu­el­len Kün­di­gungs­schutz­an­trag gestell­ter all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag begrün­det kei­ne Streit­wert­erhö­hung 2.

Meh­re­re Kün­di­gun­gen, eine Kün­di­gungs­schutz­kla­ge – und der Streit­wert

Die Bestands­schutz­an­trä­ge sind gemäß § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG jeweils mit dem Quar­tals­ver­dienst zu bemes­sen. Denn der Arbeit­neh­mer macht mit jedem punk­tu­el­len Kün­di­gungs­schutz­an­trag und auch mit dem all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag jeweils den unbe­fris­te­ten Fort­be­stand des Arbeits­ver­hält­nis­ses gel­tend 3.

Das Arbeits­ge­richt hat die Bestands­schutz­an­trä­ge ins­ge­samt mit einem Quar­tals­ver­dienst bemes­sen und dies mit dem Cha­rak­ter des § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG als Gebüh­ren­de­cke­lungs­vor­schrift begrün­det. Es ist damit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Baden-Würt­tem­berg gefolgt 4. Wie bereits kurz nach Ver­öf­fent­li­chung des Streit­wert­ka­ta­logs 2014 ange­kün­digt, gibt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg die­se Recht­spre­chung auf. Sie hält zwar die bis­her ver­tre­te­ne Auf­fas­sung nach wie vor für über­zeu­gen­der, misst aber dem Gesichts­punkt, eine bun­des­weit ein­heit­li­che Streit­wert­pra­xis zu ermög­li­chen, nun­mehr ein über­wie­gen­des Gewicht bei. Sie trägt den "Streit­wert­ka­ta­log 2014" mit und wird die­sen auf sämt­li­che Fäl­le anwen­den, bei denen der erst­in­stanz­li­che Streit­wert­fest­set­zungs­be­schluss ab dem 21.07.2014 datiert.

Dar­aus folgt für den Streit­fall: Die frist­lo­se Kün­di­gung vom 18.09.2013 wirkt sich als die­je­ni­ge mit dem frü­hes­ten Been­di­gungs­zeit­punkt mit dem vol­len Quar­tals­ver­dienst aus 5. Die ordent­li­che Kün­di­gung vom 19.02.2013 erhöht den Streit­wert nur um 960, 00 EUR (2.400, 00 € pro Monat geteilt durch 30 Tage x 12 Tage 6), da sie gegen­über der frist­lo­sen Kün­di­gung vom 18.09.2013 nur eine Ver­än­de­rung des Been­di­gungs­zeit­punkts um 12 Kalen­der­ta­ge begrün­de­te. Die Kün­di­gun­gen vom 19.03., 10.04. und 10.05.2013 bewirk­ten eine Bestands­ver­län­ge­rung um jeweils einen wei­te­ren Monat (30.10., 30.11. bzw. 31.12.2013), was zu einer Erhö­hung des Streit­werts um wei­te­re drei Brut­to­mo­nats­ver­diens­te führt 7. Die hilfs­wei­se ordent­li­che Kün­di­gung vom 18.09.2013 (zum 30.04.2014) und der all­ge­mei­ne Fort­be­stands­fest­stel­lungs­an­trag wir­ken sich nicht streit­wert­er­hö­hend aus 8.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – 5 Ta 168/​14

  1. wie I.20. 3 des Streit­wert­ka­ta­logs in der Fas­sung vom 09.07.2014[]
  2. wie I. 17. 2 des Streit­wert­ka­ta­logs in der Fas­sung vom 09.07.2014[]
  3. LAG Baden-Würt­tem­berg, 14.11.2013 – 5 Ta 135/​13[]
  4. vgl. zuletzt LAG Baden-Würt­tem­berg, 14.11.2013 – 5 Ta 135/​13[]
  5. so auch I.20.3 Abs. 1 Satz 3 des Streit­wert­ka­ta­logs 2014[]
  6. zur Berech­nung der Teil­ver­gü­tung vgl. BAG 16.05.2012 – 5 AZR 251/​11 22 ff.[]
  7. so auch I.20.3 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 des Streit­wert­ka­ta­logs 2014[]
  8. so auch I.20.1 und I.17.2 des Streit­wert­ka­ta­logs[]