Min­dest­lohn – und die Anrech­nung einer Treue­prä­mie

Ob und in wel­chem Umfang der Min­dest­lohn­an­spruch neben der Grund­ver­gü­tung durch wei­te­re Leis­tun­gen erfüllt wird, bestimmt sich danach, ob die vom Arbeit­ge­ber erbrach­ten (Zusatz-)Leistungen die Norm­zwe­cke (hier:) der Ver­ord­nung über zwin­gen­de Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­wirt­schaft und des TV Min­dest­be­din­gun­gen sichern 1.

Min­dest­lohn – und die Anrech­nung einer Treue­prä­mie

Ent­spre­chend der Ziel­set­zung in § 1 AEntG sol­len ange­mes­se­ne Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen in Form von Min­des­t­ent­gelt­sät­zen für geleis­te­te Arbeit gemäß § 5 Satz 1 Nr. 1 AEntG (§ 2 Nr. 1 TV Min­dest­be­din­gun­gen) geschaf­fen und durch­ge­setzt sowie fai­re und funk­tio­nie­ren­de Wett­be­werbs­be­din­gun­gen gewähr­leis­tet wer­den.

Gemes­sen dar­an ist eine von der Arbeit­ge­be­rin geleis­te­te Treue­prä­mie min­dest­lohn­wirk­sam, wenn die Arbeit­ge­be­rin die­se vor­be­halt­los neben der Grund­ver­gü­tung als Teil der Ver­gü­tung für tat­säch­lich geleis­te­te Arbeit gezahlt hat.

Die Treue­prä­mie in einer so gewähr­ten Wei­se erfüllt damit als eine im Syn­al­lag­ma ste­hen­de Geld­leis­tung die Zwe­cke der Ver­ord­nung über zwin­gen­de Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­wirt­schaft und des TV Min­dest­be­din­gun­gen, die ihrer­seits die Anrech­nung von Prä­mi­en auf den Min­dest­lohn nicht aus­schlie­ßen 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22. März 2017 – 5 AZR 666/​15

  1. zur Pfle­ge­ArbbV BAG 18.11.2015 – 5 AZR 761/​13, Rn. 21 ff., BAGE 153, 248; zur Abfall­ArbbV BAG 16.04.2014 – 4 AZR 802/​11, Rn. 37 ff., BAGE 148, 68[]
  2. zur Pfle­ge­ArbbV BAG 18.11.2015 – 5 AZR 761/​13, Rn. 26, BAGE 153, 248[]