Nicht mit Ent­schei­dungs­grün­den ver­se­hen… ‑und die vor­greif­li­che Rechts­fra­ge

Eine Ent­schei­dung ist dann nicht mit Grün­den ver­se­hen (§ 547 Nr. 6 ZPO), wenn sie nicht erken­nen lässt, wel­che tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und recht­li­chen Erwä­gun­gen für sie maß­ge­bend waren.

Nicht mit Ent­schei­dungs­grün­den ver­se­hen… ‑und die vor­greif­li­che Rechts­fra­ge

Das ist nicht nur dann der Fall, wenn sie als sol­che über­haupt nicht begrün­det ist, son­dern bereits auch dann, wenn auf ein­zel­ne Ansprü­che im Sin­ne der §§ 145, 322 ZPO über­haupt nicht ein­ge­gan­gen ist (Begrün­dungs­de­fi­zit) 1.

Hat das Beru­fungs­ge­richt eine für meh­re­re erho­be­ne Ansprü­che vor­greif­li­che Rechts­fra­ge ver­neint, ist sei­ne Ent­schei­dung für die Par­tei­en und das Revi­si­ons­ge­richt nach­prüf­bar, ohne dass es noch nähe­rer Aus­füh­run­gen zur Begründ­etheit jedes ein­zel­nen davon abhän­gi­gen Anspruchs bedarf 2.

Die Fra­ge, ob die in den Grün­de des Beru­fungs­ur­teils ent­hal­te­nen Aus­füh­run­gen sach­lich unvoll­stän­dig, unzu­rei­chend, unrich­tig oder sonst rechts­feh­ler­haft sind, ist für das Vor­lie­gen eines abso­lu­ten Revi­si­ons­grun­des nach § 547 Nr. 6 ZPO ohne Bedeu­tung 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2017 – IV ZR 229/​1

  1. BGH, Beschluss vom 21.12 1962 – I ZB 27/​62, BGHZ 39, 333, 337 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.10.1998 – I ZR 111/​96, NJW 1999, 1110 unter – II 5 a [inso­weit bei BGHZ 140, 84 nicht abge­druckt][]
  3. BGH, Beschluss vom 21.12 1962 – I ZB 27/​62 aaO 338 m.w.N.[]