Pau­schal­ver­gü­tung von Über­stun­den

Eine Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die aus­schließ­lich die Ver­gü­tung von Über­stun­den, nicht aber die Anord­nungs­be­fug­nis des Arbeit­ge­bers zur Leis­tung von Über­stun­den regelt, ist eine Haupt­leis­tungs­ab­re­de und des­halb von der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­ge­nom­men.

Pau­schal­ver­gü­tung von Über­stun­den

Nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB unter­fal­len Bestim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der unein­ge­schränk­ten Inhalts­kon­trol­le nur dann, wenn durch sie von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de oder die­se ergän­zen­de Rege­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Dazu gehö­ren Klau­seln, die (nur) den Umfang der von den Par­tei­en geschul­de­ten Ver­trags­leis­tung fest­le­gen, nicht. Im Arbeits­ver­hält­nis sind das vor allem die Arbeits­leis­tung und das Arbeits­ent­gelt 1. Es ist nicht Auf­ga­be des Gerichts, über die §§ 305 ff. BGB den „gerech­ten Preis“ zu ermit­teln 2.

Die Klau­sel, in der ver­ein­bar­ten Monats­ver­gü­tung sei­en die ers­ten zwan­zig Über­stun­den monat­lich „mit drin“, betrifft nur die (Mit-)Vergütung die­ser Über­stun­den, ohne zugleich die Anord­nungs­be­fug­nis des Arbeit­ge­bers zur Ableis­tung von Über­stun­den zu regeln. Sie ist damit eine Haupt­leis­tungs­ab­re­de, die nur die Gegen­leis­tung des Arbeit­ge­bers für die vom Arbeit­neh­mer erbrach­te Arbeits­leis­tung betrifft. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt bis­lang offen­ge­las­se­ne Fra­ge, ob eine Klau­sel, die eine Pau­schal­ver­gü­tung von Über­stun­den mit einer Abre­de über die Befug­nis des Arbeit­ge­bers zur Anord­nung von Über­stun­den kom­bi­niert, eine kon­troll­fä­hi­ge Preis­ne­ben­ab­re­de ist 3, bedarf wei­ter­hin kei­ner Ent­schei­dung.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Mai 2012 – 5 AZR 331/​11

  1. BAG 27.08.2008 – 5 AZR 820/​07, Rn. 22, BAGE 127, 319; 14.03.2007 – 5 AZR 630/​06, Rn. 24, BAGE 122, 12; vgl. auch ErfK/​Preis §§ 305310 BGB Rn. 34; Däubler/​Bonin/​Deinert/​Däubler § 307 Rn. 263; Schaub/​Linck § 35 Rn. 39, jeweils mwN[]
  2. BAG 31.08.2005 – 5 AZR 545/​04, zu II 3 a der Grün­de, BAGE 115, 372[]
  3. beja­hend etwa LAG Hamm 11.07.2007 – 6 Sa 410/​07, AE 2007, 312; ErfK/​Preis §§ 305310 BGB Rn. 91; Schaub/​Linck § 35 Rn. 79; HWK/​Gotthard 5. Aufl. Anh. §§ 305 ‑310 BGB Rn. 41[]