Mob­bing – Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung durch arbeit­ge­ber­sei­ti­ges Füh­rungs­ver­hal­ten

Ein Anspruch auf Schmer­zens­geld wegen Mob­bings setzt eine hin­rei­chend schwe­re Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts vor­aus. Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich-keits­recht ist das Recht des Ein­zel­nen auf Ach­tung und Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit. Zum Schutz­be­reich des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts gehört auch der soge­nann­te Ehren­schutz, der auf den Schutz gegen unwah­re Behaup­tun­gen und gegen her­ab­set­zen­de, ent­wür­di­gen­de Äuße­run­gen und Ver­hal­tens­wei­sen und die Wah­rung des sozia­len Gel­tungs­an­spruchs gerich­tet ist 1.

Mob­bing – Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung durch arbeit­ge­ber­sei­ti­ges Füh­rungs­ver­hal­ten

In die­sem Zusam­men­hang ist zu beach­ten, dass es Fäl­le gibt, in wel­chen die ein­zel­nen; vom Arbeit­neh­mer dar­ge­leg­ten Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen sei­nes Arbeit­ge­bers für sich allein betrach­tet noch kei­ne Rechts­ver­let­zun­gen dar­stel­len, jedoch die Gesamt­schau der ein­zel­nen Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen zu einer Ver­trags- oder Rechts­guts­ver­let­zung führt, weil deren Zusam­men­fas­sung auf­grund der ihnen zugrun­de lie­gen­den Sys­te­ma­tik und Ziel­rich­tung zu einer Beein­träch­ti­gung eines geschütz­ten Rech­tes des Arbeit­neh­mers führt.

Letz­te­res ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn uner­wünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen bezwe­cken oder bewir­ken, dass die Wür­de des Arbeit­neh­mers ver­letzt und ein durch Ein­schüch­te­run­gen, Anfein­dun­gen, Ernied­ri­gun­gen, Ent­wür­di­gun­gen oder Belei­di­gun­gen gekenn­zeich­ne­tes Umfeld geschaf­fen wird. Dies ent­spricht der in § 3 Absatz 3 AGG erfolg­ten Defi­ni­ti­on des Begrif­fes "Beläs­ti­gung", die eine Benach­tei­li­gung im Sin­ne des § 1 AGG dar­stellt. Da ein Umfeld grund­sätz­lich nicht durch ein ein­ma­li­ges, son­dern durch ein fort­dau­ern­des Ver­hal­ten geschaf­fen wird, sind alle Hand­lun­gen bzw. Ver­hal­tens­wei­sen, die dem sys­te­ma­ti­schen Pro­zess der Schaf­fung eines bestimm­ten Umfel­des zuzu­ord­nen sind, in die Betrach­tung mit ein­zu­be­zie­hen. Dem­zu­fol­ge dür­fen ein­zel­ne zurück­lie­gen­de Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen bei der Beur­tei­lung nicht unbe­rück­sich­tigt gelas­sen wer­den 2.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 21. Juli 2015 – 2 Sa 36/​15

  1. BAG 11.12 2014 aaO; BAG 28.10.2010 – 8 AZR 546/​09AP Nr. 7 zu § 611 BGB Mob­bing, NZA-RR 2011, 378[]
  2. BAG 28.10.2010 – 8 AZR 546/​09AP Nr. 7 zu § 611 BGB Mob­bing, NZA-RR 2011, 378; BAG 25.10.2007 – 8 AZR 593/​06BAGE 124, 295, AP Nr. 6 zu § 611 BGB Mob­bing, EzA BGB 2002 § 611 Per­sön­lich­keits­recht Nr. 7[]