Pflicht­ver­let­zun­gen des Arbeit­neh­mers – und der Wider­ruf einer Versorgungsanwartschaft

Auf­grund des Ent­gelt­cha­rak­ters der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung und des beson­de­ren Schutz­be­dürf­nis­ses der Ver­spre­chens­emp­fän­ger, das eine star­ke Ver­fes­ti­gung bereits der Anwart­schaf­ten auf Pen­si­ons­leis­tun­gen zur Fol­ge hat, kommt eine Ver­sa­gung von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wegen Pflicht­ver­let­zun­gen des Arbeit­neh­mers nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nur in Betracht, wenn die Beru­fung des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten auf die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge dem durch­grei­fen­den Rechts­miss­brauchs­ein­wand (§ 242 BGB) aus­ge­setzt ist [1].

Pflicht­ver­let­zun­gen des Arbeit­neh­mers – und der Wider­ruf einer Versorgungsanwartschaft

Des­halb kann sich der Arbeit­ge­ber trotz eines Wider­rufs­vor­be­halts von der erteil­ten Ver­sor­gungs­zu­sa­ge wegen Pflicht­ver­let­zun­gen des Arbeit­neh­mers nur dann „lösen“ und die Leis­tung ver­wei­gern, wenn das Ver­sor­gungs­ver­lan­gen des Arbeit­neh­mers nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen rechts­miss­bräuch­lich ist [2].

Auch die Betriebs­par­tei­en sind nicht befugt, ein von den all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des Rechts­miss­brauchs­ein­wands (§ 242 BGB) abwei­chen­des – wei­ter­ge­hen­des – Recht des Ver­sor­gungs­schuld­ners, sich bei schä­di­gen­dem Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers von der zuge­sag­ten Alters­ver­sor­gung zu lösen, zu regeln.

Eine sol­che Rege­lung ent­sprä­che nicht den recht­li­chen Vor­ga­ben und damit nicht den Grund­sät­zen von Recht und Bil­lig­keit im Sin­ne von § 75 Abs. 1 BetrVG.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. April 2018 – 3 AZR 738/​16

  1. vgl. zuletzt BAG 17.06.2014 – 3 AZR 412/​13, Rn. 38 mwN[]
  2. vgl. etwa BAG 20.09.2016 – 3 AZR 77/​15, Rn. 57 mwN; 17.06.2014 – 3 AZR 412/​13 – aaO[]