Pro­be­zeit­kün­di­gung eines Aus­bil­dungs­ver­tra­ges – und die Anhö­rung des Betriebs­rats

Eben­so wie bei einer Kün­di­gung in der War­te­zeit des § 1 Abs. 1 KSchG ist die Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht bei der Anhö­rung des Betriebs­rats im Fal­le einer Kün­di­gung wäh­rend der Pro­be­zeit nach § 22 Abs. 1 BBiG allein an den Umstän­den zu mes­sen, aus denen der Aus­bil­den­de sub­jek­tiv sei­nen Kün­di­gungs­ent­schluss her­lei­tet.

Pro­be­zeit­kün­di­gung eines Aus­bil­dungs­ver­tra­ges – und die Anhö­rung des Betriebs­rats

Dies folgt aus dem Grund­satz der sub­jek­ti­ven Deter­mi­na­ti­on.

Dem­nach ist der Betriebs­rat immer dann ord­nungs­ge­mäß ange­hört, wenn der Arbeit­ge­ber ihm die Grün­de mit­ge­teilt hat, die nach sei­ner sub­jek­ti­ven Sicht die Kün­di­gung recht­fer­ti­gen und die für sei­nen Kün­di­gungs­ent­schluss maß­geb­lich sind.

Hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen, die an die Infor­ma­ti­on des Betriebs­rats durch den Aus­bil­den­den bei Pro­be­zeit­kün­di­gun­gen zu stel­len sind, ist des­halb zwi­schen Kün­di­gun­gen, die auf sub­stan­ti­ier­ba­re Tat­sa­chen gestützt wer­den, und Kün­di­gun­gen, die auf per­so­nen­be­zo­ge­nen Wert­ur­tei­len beru­hen, die sich in vie­len Fäl­len durch Tat­sa­chen nicht näher bele­gen las­sen, zu dif­fe­ren­zie­ren:

  • In der ers­ten Kon­stel­la­ti­on genügt die Anhö­rung den Anfor­de­run­gen des § 102 BetrVG nur, wenn dem Betriebs­rat die zugrun­de lie­gen­den Tat­sa­chen bzw. Aus­gangs­grund­la­gen mit­ge­teilt wer­den.
  • In der zwei­ten Kon­stel­la­ti­on reicht die Mit­tei­lung allein des Wert­ur­teils für eine ord­nungs­ge­mä­ße Betriebs­rats­an­hö­rung aus. Der Aus­bil­den­de ist in die­sem Fall nicht ver­pflich­tet, im Rah­men des Anhö­rungs­ver­fah­rens nach § 102 BetrVG sein Wert­ur­teil gegen­über der Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung zu sub­stan­ti­ie­ren oder zu begrün­den.

Lie­gen dem sub­jek­ti­ven Wert­ur­teil des Aus­bil­den­den nach Zeit, Ort und Umstän­den kon­kre­ti­sier­ba­re Tat­sa­chen­ele­men­te zugrun­de, muss er den Betriebs­rat über die­sen Tat­sa­chen­kern bzw. die Ansatz­punk­te sei­nes sub­jek­ti­ven Wert­ur­teils nicht infor­mie­ren. Es genügt für eine ord­nungs­ge­mä­ße Anhö­rung, wenn er allein das Wert­ur­teil selbst als das Ergeb­nis sei­nes Ent­schei­dungs­pro­zes­ses mit­teilt 1.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Novem­ber 2015 – 6 AZR 844/​14

  1. vgl. zu einer Kün­di­gung wäh­rend der War­te­zeit BAG 12.09.2013 – 6 AZR 121/​12, Rn.20 ff. mwN; zustim­mend Gra­gert ArbRAk­tu­ell 2013, 599; ableh­nend Mül­ler-Wen­ner AuR 2014, 85[]