Pro­be­zeit­kün­di­gung eines evan­ge­li­schen Pfar­rers

Bei der Kün­di­gung eines evan­ge­li­schen Pfar­rers sind die staat­li­chen Arbeits­ge­richt nur dann zustän­dig, wenn ein Arbeits­ver­hält­nis und kein kir­chen­ge­setz­lich gere­gel­tes öffent­lich-recht­li­ches Dienst­ver­hält­nis begrün­det wur­de.

Pro­be­zeit­kün­di­gung eines evan­ge­li­schen Pfar­rers

Seit dem 1.01.2011 gilt ein­heit­lich in der EKM das Kir­chen­ge­setz zur Rege­lung der Dienst­ver­hält­nis­se der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (Pfarr­dienst­ge­setz der EKD – PfDG.EKD) vom 10.11.2010 1. Bis zum Inkraft­tre­ten die­ses Geset­zes rich­te­ten sich die Dienst­ver­hält­nis­se der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer danach, in wel­chem Gebiet der bis­he­ri­gen Lan­des­kir­chen sie beschäf­tigt waren. Nach Art. 89 Abs. 1 KVer­fEKM bleibt das zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens die­ser Ver­fas­sung gel­ten­de kirch­li­che Recht der Evan­ge­li­schen Kir­che der Kir­chen­pro­vinz Sach­sen und der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Thü­rin­gen näm­lich "in sei­nem jewei­li­gen bis­he­ri­gen Gel­tungs­be­reich" bis zu einer ander­wei­ti­gen Rege­lung in Kraft. Gemäß Art. 53 Abs. 5 Satz 2 KVer­fEKM gel­ten das Recht der Uni­on Evan­ge­li­scher Kir­chen in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land für den Bereich der ehe­ma­li­gen Evan­ge­li­schen Kir­che der Kir­chen­pro­vinz Sach­sen und das Recht der Ver­ei­nig­ten Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che Deutsch­lands für den Bereich der ehe­ma­li­gen Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Thü­rin­gen, soweit die Lan­des­kir­che nichts ande­res bestimmt.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war der beklag­te Kir­chen­kreis Teil der Evan­ge­li­schen Kir­che der Kir­chen­pro­vinz Sach­sen. In die­sem Bereich galt das Kir­chen­ge­setz über die dienst­recht­li­chen Ver­hält­nis­se der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer in der Evan­ge­li­schen Kir­che der Uni­on (Pfarr­dienst­ge­setz – PfDG) vom 15.06.1996 2. Folg­lich ver­weist auch der Arbeits­ver­trag der Par­tei­en auf die Rege­lun­gen des "PfDG der EKU".

Nach § 1 Abs. 1 PfDG regel­te die­ses Kir­chen­ge­setz das Dienst­ver­hält­nis der Frau­en und Män­ner, die von der Evan­ge­li­schen Kir­che der Uni­on oder einer ihrer Glied­kir­chen zur Pfar­re­rin oder zum Pfar­rer beru­fen wur­den. Dies galt gemäß § 1 Abs. 2 PfDG auch für den pfarr­amt­li­chen Pro­be­dienst (Ent­sen­dungs­dienst). Nach § 2 Abs. 1 PfDG war das Pfarr­dienst­ver­hält­nis ein kir­chen­ge­setz­lich gere­gel­tes öffent­lich-recht­li­ches Dienst- und Treue­ver­hält­nis. Es wur­de auf Lebens­zeit begrün­det. Vor­aus­set­zung für die Begrün­dung des Dienst­ver­hält­nis­ses war die sog. Anstel­lungs­fä­hig­keit, wel­che gemäß § 11 Abs. 1 PfDG in der Regel nach Bewäh­rung im pfarr­amt­li­chen Pro­be­dienst (Ent­sen­dungs­dienst) zuer­kannt wur­de. Die Zuer­ken­nung begrün­de­te aller­dings kei­nen Anspruch auf die Beru­fung in ein Dienst­ver­hält­nis (§ 11 Abs. 4 Satz 1 PfDG). Das Dienst­ver­hält­nis auf Lebens­zeit wur­de gemäß § 24 Abs. 1 PfDG durch die Beru­fung zur Pfar­re­rin oder zum Pfar­rer begrün­det. Die Beru­fung wur­de mit der Aus­hän­di­gung der Beru­fungs­ur­kun­de zu dem in ihr bezeich­ne­ten Tag wirk­sam (§ 24 Abs. 2 Satz 1 PfDG). Die Beru­fungs­ur­kun­de muss­te die aus­drück­li­che Erklä­rung ent­hal­ten, dass die oder der Beru­fe­ne in das Pfarr­dienst­ver­hält­nis beru­fen wird (§ 24 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 PfDG).

Nach § 100 Satz 1 PfDG konn­ten in begrün­de­ten Ein­zel­fäl­len Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer auch in einem pri­vat­recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis beschäf­tigt wer­den. In die­sem Fall waren im Dienst­ver­trag die Vor­schrif­ten des Pfarr­dienst­ge­set­zes für sinn­ge­mäß anwend­bar zu erklä­ren, soweit sie nicht das Bestehen eines öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­ses vor­aus­setz­ten (§ 100 Satz 2 PfDG). Das Pfarr­dienst­ge­setz ging somit (eben­so wie Art. 18 Abs. 1 Satz 1 KVer­fEKM) vom Regel­fall der Begrün­dung eines öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­ses aus, ließ jedoch das pri­vat­recht­li­che Dienst­ver­hält­nis "als alter­na­tiv ange­bo­te­nen Regel­ty­pus" 3 beschränkt auf begrün­de­te Ein­zel­fäl­le zu. Vor die­sem Hin­ter­grund hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt bereits aus­ge­führt, dass auch die Ordi­na­ti­on (§§ 3 bis 10 PfDG) nicht zwin­gend die Begrün­dung eines Pfarr­dienst­ver­hält­nis­ses nach sich zog. Fer­ner wur­de bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass § 102 PfDG sogar den neben­be­ruf­li­chen und ehren­amt­li­chen Dienst als Pfar­rer zuließ 4.

§ 31 des Kir­chen­ge­set­zes zur Aus­füh­rung und Ergän­zung des Pfarr­dienst­ge­set­zes der Evan­ge­li­schen Kir­che der Uni­on (Pfarr­dienst­aus­füh­rungs­ge­setz – PfDAG) vom 17.11.1996 5 ent­hielt ergän­zen­de Bestim­mun­gen zu § 100 PfDG. Dem­nach konn­te ein pri­vat­recht­li­ches Dienst­ver­hält­nis ins­be­son­de­re begrün­det wer­den, wenn ua. ein zeit­lich befris­te­tes Dienst­ver­hält­nis beab­sich­tigt war (§ 31 Abs. 1 Buchst. a PfDAG).

Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de zwi­schen den Par­tei­en kein öffent­lich-recht­li­ches Dienst­ver­hält­nis, son­dern ein Arbeits­ver­hält­nis begrün­det.

Dem Klä­ger wur­de kei­ne Beru­fungs­ur­kun­de gemäß § 24 Abs. 2 PfDG aus­ge­hän­digt. Die Par­tei­en schlos­sen viel­mehr am 30.01.2009 einen Ver­trag, der aus­drück­lich als Arbeits­ver­trag bezeich­net wur­de. Die Sie­ge­lung durch den beklag­ten Kir­chen­kreis ent­sprach Art. 44 Abs. 3 Satz 2 KVer­fEKM. Dem­nach bedür­fen Wil­lens­er­klä­run­gen, die den Kir­chen­kreis gegen­über Drit­ten ver­pflich­ten, und Voll­mach­ten der Unter­schrift des Super­in­ten­den­ten oder sei­nes Stell­ver­tre­ters und sind mit dem Sie­gel des Kir­chen­krei­ses zu ver­se­hen. Die Sie­ge­lung ist somit bei jedem pri­vat­recht­li­chen Ver­trag des Kir­chen­krei­ses vor­zu­neh­men. Sie macht einen Arbeits­ver­trag nicht zu einer Beru­fungs­ur­kun­de.

Die Aus­ge­stal­tung des Arbeits­ver­trags erfolg­te nach den Vor­ga­ben des Pfarr­dienst­ge­set­zes. Ent­spre­chend § 100 Satz 2 PfDG wur­de in § 2 Abs. 2 des Ver­trags vom 30.01.2009 bestimmt, dass die §§ 32 bis 63 PfDG der EKU ent­spre­chend Anwen­dung fin­den. Die Aus­nah­me bezüg­lich § 45 PfDG ent­sprach eben­falls § 100 Satz 2 PfDG. Die dort getrof­fe­nen Rege­lun­gen bezüg­lich des Unter­halts und der Gewäh­rung von Bei­hil­fen setz­ten das Bestehen eines öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­ses vor­aus.

Die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ist unbe­grün­det, weil die ordent­li­che Kün­di­gung vom 26.05.2009 das Arbeits­ver­hält­nis frist­ge­recht auf­ge­löst hat.

Das befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis unter­lag gemäß § 2 Abs. 1 Buchst. a des Arbeits­ver­trags vom 30.01.2009 iVm. § 2 Abs. 4 Satz 2 der Kirch­li­chen Arbeits­ver­trags­ord­nung für Ange­stell­te (KAVO) vom 28.11.2007 6 in der Fas­sung der Arbeits­rechts­re­ge­lung 1/​2008 vom 05.08.2008 (im Fol­gen­den: KAVO 2008) der ordent­li­chen Kün­di­gung nach § 15 Abs. 3 TzB­fG.

Die Par­tei­en haben am 30.01.2009 einen kalen­der­mä­ßig befris­te­ten Arbeits­ver­trag abge­schlos­sen. Nach § 1 Abs. 1 des Ver­trags han­delt es sich um eine Befris­tung ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des nach § 14 Abs. 2 TzB­fG. Gemäß § 2 Abs. 1 Buchst. a des Ver­trags wur­de die Anwend­bar­keit der Kirch­li­chen Arbeits­ver­trags­ord­nung vom 28.11.2007 (KAVO 2008) ver­ein­bart, soweit die nach­ste­hend im Ver­trag ver­ein­bar­te Anwen­dung des Pfarr­dienst­ge­set­zes dem nicht ent­ge­gen­steht. Die Par­tei­en haben sich damit einer übli­chen Rege­lungs­tech­nik in kirch­li­chen For­mu­lar­ar­beits­ver­trä­gen bedient. Kirch­li­che Arbeits­ver­trags­re­ge­lun­gen ent­fal­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung, son­dern kön­nen als vom jewei­li­gen Arbeit­ge­ber gestell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen ledig­lich kraft ein­zel­ver­trag­li­cher Ein­be­zie­hung auf ein Arbeits­ver­hält­nis anzu­wen­den sein 7. Da § 305 Abs. 2 und 3 BGB gemäß § 310 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 BGB kei­ne Anwen­dung fin­den, ist die Aus­hän­di­gung oder Kennt­nis­ver­schaf­fung gegen­über dem Ver­trags­part­ner kei­ne Vor­aus­set­zung für die wirk­sa­me Ein­be­zie­hung 8.

Der Arbeits­ver­trag vom 30.01.2009 sieht kei­ne Mög­lich­keit zur ordent­li­chen Kün­di­gung des befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­ses vor. Das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en unter­lag der ordent­li­chen Kün­di­gung jedoch nach § 2 Abs. 4 Satz 2 KAVO 2008 iVm. § 15 Abs. 3 TzB­fG. Dies ergibt eine Aus­le­gung der KAVO 2008.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ist befugt, das kirch­li­che Recht der KAVO 2008 aus­zu­le­gen. Die Kir­che hat sich kei­ne Vor­fra­gen­kom­pe­tenz vor­be­hal­ten 9. Auch wenn es sich bei der KAVO 2008 nicht um einen Tarif­ver­trag han­delt, erfolgt die Aus­le­gung einer der­ar­ti­gen kirch­li­chen Arbeits­rechts­re­ge­lung nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach den glei­chen Grund­sät­zen, wie sie für die Tarif­aus­le­gung maß­geb­lich sind 10. Danach ist vom Wort­laut der Rege­lun­gen aus­zu­ge­hen und dabei deren maß­geb­li­cher Sinn zu erfor­schen, ohne am Wort­laut zu haf­ten. Der wirk­li­che Wil­le der Norm­ge­ber und der damit von ihnen beab­sich­tig­te Sinn und Zweck der Bestim­mun­gen ist mit zu berück­sich­ti­gen, soweit sie in den Rege­lun­gen ihren Nie­der­schlag gefun­den haben. Auch auf den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang ist abzu­stel­len 11.

Die KAVO 2008 ent­hält in Abschnitt I (All­ge­mei­ne Vor­schrif­ten) gemäß § 2 Abs. 4 Satz 1 die Rege­lung, dass die ers­ten sechs Mona­te der Beschäf­ti­gung als Pro­be­zeit gel­ten. Inner­halb der Pro­be­zeit kann der Arbeits­ver­trag mit einer Frist von zwei Wochen zum Monats­schluss gekün­digt wer­den (§ 2 Abs. 4 Satz 2 KAVO 2008). Abschnitt V der KAVO 2008 ent­hält aus­weis­lich der Über­schrift Rege­lun­gen zu "Befris­tung und Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses". § 30 KAVO 2008 bestimmt unter der Über­schrift "Befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge" in Absatz 1, dass befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge nach Maß­ga­be des Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­set­zes sowie ande­rer gesetz­li­cher Vor­schrif­ten über die Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen zuläs­sig sind. Nach § 15 Abs. 3 TzB­fG unter­liegt ein befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis nur dann der ordent­li­chen Kün­di­gung, wenn die­se ein­zel­ver­trag­lich oder im anwend­ba­ren Tarif­ver­trag ver­ein­bart ist.

Im vor­lie­gen­den Fall haben die Par­tei­en ein­zel­ver­trag­lich durch Inbe­zug­nah­me der KAVO 2008 die Kün­di­gungs­mög­lich­keit gemäß § 2 Abs. 4 Satz 2 KAVO 2008 ver­ein­bart. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on gilt die­se auch für befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se.

Die Spe­zi­al­re­ge­lung des § 30 Abs. 1 KAVO 2008 bezüg­lich befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge ent­hält kei­ne Vor­ga­be zur ordent­li­chen Künd­bar­keit eines befris­te­ten Arbeits­ver­trags. Die Vor­schrift erklärt befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten für zuläs­sig und stellt damit einen Gleich­lauf mit dem staat­li­chen Befris­tungs­recht her. Da das Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­setz die Mög­lich­keit der ordent­li­chen Kün­di­gung weder vor­gibt noch aus­schließt, son­dern gemäß § 15 Abs. 3 TzB­fG inso­weit auf ein­zel­ver­trag­li­che und tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen ver­weist, ent­hält § 30 Abs. 1 KAVO 2008 dem­entspre­chend auch kei­ne Vor­ga­be zur ordent­li­chen Künd­bar­keit.

Man­gels vor­ran­gi­ger Spe­zi­al­re­ge­lung ver­bleibt es somit bei der all­ge­mei­nen Vor­schrift des § 2 Abs. 4 KAVO 2008. Die­se sieht ohne Unter­schei­dung zwi­schen befris­te­ten und unbe­fris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen in Satz 2 die Mög­lich­keit der ordent­li­chen Kün­di­gung inner­halb einer Pro­be­zeit nach Satz 1 vor. Der Wort­laut ist ein­deu­tig. Er umfasst nicht nur die Gel­tung einer ver­kürz­ten Kün­di­gungs­frist inner­halb einer Pro­be­zeit, son­dern auch die Mög­lich­keit zur Kün­di­gung als sol­che ("… kann der Arbeits­ver­trag … gekün­digt wer­den."). Der ver­wen­de­te Begriff "der Arbeits­ver­trag" umfasst sowohl den unbe­fris­te­ten als auch den befris­te­ten Arbeits­ver­trag als Ober­be­griff. Glei­ches gilt für die Rege­lung "der Beschäf­ti­gung" in § 2 Abs. 4 Satz 1 KAVO 2008. Sie bezieht sich sowohl auf die unbe­fris­te­te als auch auf die befris­te­te Beschäf­ti­gung. Die ers­ten bei­den Sät­ze des § 2 Abs. 4 KAVO 2008 beinhal­ten kei­ne Ein­schrän­kung. Die KAVO 2008 eröff­net zudem in § 2 Abs. 4 Satz 3 den Arbeits­ver­trags­par­tei­en die Mög­lich­keit der Ver­ein­ba­rung einer Pro­be­zeit "im gesetz­lich zuläs­si­gen Umfang". Auch dies lässt dar­auf schlie­ßen, dass die KAVO 2008 in jedem Fall von der Gel­tung einer Pro­be­zeit mit Kün­di­gungs­mög­lich­keit aus­geht.

Die Mög­lich­keit der ordent­li­chen Pro­be­zeit­kün­di­gung gemäß § 2 Abs. 4 KAVO 2008 steht nicht im Wider­spruch zu den nach § 2 Abs. 1 Buchst. a des Arbeits­ver­trags vor­ran­gi­gen Bestim­mun­gen des Pfarr­dienst­ge­set­zes. Das Pfarr­dienst­ge­setz und das hier­zu ergan­ge­ne Pfarr­dienst­aus­füh­rungs­ge­setz (PfDAG) tra­fen hier­zu kei­ne Rege­lun­gen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers war eine Pro­be­zeit nicht aus­ge­schlos­sen oder sinn­los, weil vor der Anstel­lung als Pfar­rer oder Pfar­re­rin der Ent­sen­dungs­dienst bereits erfolg­reich absol­viert und die Eig­nung dadurch unter Beweis gestellt wur­de. Der Ent­sen­dungs­dienst war der pfarr­amt­li­che Pro­be­dienst mit dem Ziel der Zuer­ken­nung der Anstel­lungs­fä­hig­keit (§ 11 Abs. 1 PfDG). Er dien­te der Erpro­bung einer vor­han­de­nen und vor­aus­ge­setz­ten Eig­nung und Qua­li­fi­ka­ti­on und nicht dem Erwerb die­ser Eigen­schaf­ten 12. Bei erfolg­rei­cher Erpro­bung und Zuer­ken­nung der Anstel­lungs­fä­hig­keit war die Eig­nung für den Pfarr­dienst aber nur dem Grun­de nach fest­ge­stellt. Ob sich der ein­zel­ne kirch­li­che Arbeit­ge­ber mit den Leis­tun­gen sei­nes Ver­trags­part­ners in der Beschäf­ti­gung als Pfar­rer oder Pfar­re­rin tat­säch­lich zufrie­den zeigt, ist eine ande­re Fra­ge. Die Mög­lich­keit einer Pro­be­zeit­kün­di­gung macht daher auch ange­sichts der erfolg­rei­chen Erpro­bung im Ent­sen­dungs­dienst Sinn.

Die mit Schrei­ben vom 26.05.2009 erklär­te Kün­di­gung des Beklag­ten bedarf nicht der sozia­len Recht­fer­ti­gung gemäß § 1 Abs. 2 KSchG. Sie erfolg­te noch wäh­rend der sog. War­te­zeit des § 1 Abs. 1 KSchG.

Bei kirch­li­chen Arbeits­ver­trä­gen sind die Bestim­mun­gen des staat­li­chen Kün­di­gungs­schutz­rech­tes grund­sätz­lich anwend­bar. Die Gestal­tungs­frei­heit des kirch­li­chen Arbeit­ge­bers nach Art. 140 GG, Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV für die auf Ver­trags­ebe­ne begrün­de­ten Arbeits­ver­hält­nis­se steht unter dem Vor­be­halt des für alle gel­ten­den Geset­zes. Zu die­sem gehört auch das staat­li­che Kün­di­gungs­schutz­recht, etwa § 1 KSchG oder § 626 BGB. Mit ihm nimmt der Staat sei­ne Schutz­pflich­ten ua. auf­grund der Berufs­frei­heit der Arbeit­neh­mer aus Art. 12 Abs. 1 GG wahr. Der Wech­sel­wir­kung von kirch­li­chem Selbst­be­stim­mungs­recht und den Grund­rech­ten der Arbeit­neh­mer ist durch eine Güter­ab­wä­gung im Rah­men der kün­di­gungs­schutz­recht­li­chen Bestim­mun­gen Rech­nung zu tra­gen 13. Auch das Arbeits­ver­hält­nis eines ange­stell­ten Pfar­rers unter­fällt daher dem staat­li­chen Kün­di­gungs­schutz­recht 14.

Gemäß § 1 Abs. 1 KSchG bedarf eine Kün­di­gung zu ihrer Wirk­sam­keit der sozia­len Recht­fer­ti­gung, wenn das Arbeits­ver­hält­nis in dem­sel­ben Betrieb oder Unter­neh­men ohne Unter­bre­chung län­ger als sechs Mona­te bestan­den hat. Sinn und Zweck die­ser War­te­zeit ist es, den Par­tei­en des Arbeits­ver­hält­nis­ses für eine gewis­se Zeit die Prü­fung zu ermög­li­chen, ob sie sich auf Dau­er bin­den wol­len 15. Ein Wech­sel des Arbeit­ge­bers, der zu einem neu­en Rechts­ver­hält­nis führt, unter­bricht grund­sätz­lich die War­te­zeit. Wird zwi­schen den­sel­ben Ver­trags­par­tei­en jedoch erneut ein Arbeits­ver­hält­nis begrün­det, so kann es sich um eine unbe­acht­li­che recht­li­che Unter­bre­chung han­deln, wenn sie ver­hält­nis­mä­ßig kurz ist und zwi­schen bei­den Arbeits­ver­hält­nis­sen ein enger sach­li­cher Zusam­men­hang besteht 16.

Ein sol­cher Fall der Unter­bre­chung liegt nicht vor, wenn auf Arbeit­ge­ber­sei­te eine Rechts­nach­fol­ge statt­fin­det. Im Fal­le einer Rechts­nach­fol­ge beim Rechts­trä­ger des Betriebs oder Unter­neh­mens bleibt die beim Vor­gän­ger zurück­ge­leg­te War­te­zeit erhal­ten. Der Rechts­nach­fol­ger tritt in die Rech­te und Pflich­ten des fort­be­stehen­den iden­ti­schen Arbeits­ver­hält­nis­ses ein 17. So wird auch bei einem Betriebs­über­gang gemäß § 613a BGB die bei dem frü­he­ren Arbeit­ge­ber zurück­ge­leg­te Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses auf die War­te­zeit ange­rech­net 18.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen erfolg­te die Kün­di­gung vom 26.05.2009 noch wäh­rend der War­te­zeit. Die­se begann erst mit dem Beginn des Arbeits­ver­hält­nis­ses mit dem Beklag­ten am 1.02.2009 ent­spre­chend der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung vom 30.01.2009. Die Zeit des Arbeits­ver­hält­nis­ses mit dem Kir­chen­kreis S vom 01.02.2008 bis zum 14.01.2009 fin­det kei­ne Anrech­nung. Es han­delt sich um ein Arbeits­ver­hält­nis mit einem ande­ren Arbeit­ge­ber, so dass kein Fall einer Unter­bre­chung gege­ben ist. Der Beklag­te ist auch nicht der Rechts­nach­fol­ger des Kir­chen­krei­ses S.

Die Evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­se sind eben­so Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts wie die Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen selbst 19. Dem­entspre­chend bestimmt auch Art. 7 KVer­fEKM, dass die EKM selbst sowie ihre Kir­chen­ge­mein­den, Kir­chen­ge­mein­de­ver­bän­de und Kir­chen­krei­se sowohl Kör­per­schaf­ten des Kir­chen­rechts als auch zugleich Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts nach staat­li­chem Recht sind. Hin­sicht­lich der Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten regelt Art. 44 Abs. 4 Nr. 1 KVer­fEKM, dass der Kreis­kir­chen­rat ua. die Auf­ga­be hat, die Stel­len des Kir­chen­krei­ses zu beset­zen 20. Folg­lich kön­nen die Kir­chen­krei­se, ver­tre­ten durch den Kreis­kir­chen­rat (Art. 44 Abs. 3 Satz 1 KVer­fEKM), als eigen­stän­di­ge juris­ti­sche Per­so­nen Arbeits­ver­trä­ge abschlie­ßen und die Arbeit­ge­ber­stel­lung ein­neh­men 21.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass gemäß Art. 55 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 KVer­fEKM die Lan­des­syn­ode über die Grund­sät­ze der Stel­len­pla­nung für die Pfar­rer und wei­te­ren Mit­ar­bei­ter im Ver­kün­dungs­dienst beschließt. Die­se Rege­lung betrifft nicht den kon­kre­ten Abschluss eines Arbeits­ver­trags mit einer Pfar­re­rin bzw. einem Pfar­rer. Auch der Umstand, dass die Kir­chen­krei­se eben­so wie die Kir­chen­ge­mein­den der Kir­chen­auf­sicht durch das Lan­des­kir­chen­amt unter­lie­gen (Art. 63 Abs. 2 Nr. 7 KVer­fEKM) und die Arbeits­ver­trä­ge dem­entspre­chend von der Lan­des­kir­che geneh­migt wer­den, ändert nichts dar­an, dass der jewei­li­ge Kir­chen­kreis die Par­tei des Arbeits­ver­trags und damit Arbeit­ge­ber ist. Bei der kir­chen­auf­sicht­li­chen Geneh­mi­gung geht es um die Geneh­mi­gung einer frem­den Wil­lens­er­klä­rung, die auf­sicht­li­che Mit­wir­kung macht die Wil­lens­er­klä­rung nicht zu einer sol­chen der auf­sichts­füh­ren­den Kör­per­schaft 22.

Dem­entspre­chend haben sowohl der Kir­chen­kreis S als auch der Beklag­te mit dem Klä­ger eigen­stän­di­ge Arbeits­ver­trä­ge abge­schlos­sen. Bei­de Kir­chen­krei­se nah­men jeweils die Arbeit­ge­ber­stel­lung ein. Die Eigen­stän­dig­keit der bei­den Kir­chen­krei­se ent­fiel auch nicht auf­grund der Fusi­on der Evan­ge­li­schen Kir­che der Kir­chen­pro­vinz Sach­sen mit der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Thü­rin­gen. Bei­de Kir­chen­krei­se gehör­ten zur ehe­ma­li­gen Kir­chen­pro­vinz Sach­sen und waren dort schon selb­stän­di­ge Kör­per­schaf­ten 23. Bei­de Kir­chen­krei­se blie­ben nach der Fusi­on der Lan­des­kir­chen eigen­stän­dig im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben der neu gegrün­de­ten Lan­des­kir­che. Die Rechts­nach­fol­ge­re­ge­lung in Art. 1 KVer­fEKM bezieht sich kon­se­quen­ter­wei­se nur auf die bis­he­ri­gen Lan­des­kir­chen, wel­che durch die Fusi­on ihre recht­li­che Exis­tenz ver­lo­ren. Für die wei­ter­hin bestehen­den Kir­chen­krei­se war kei­ne Rege­lung einer Rechts­nach­fol­ge ver­an­lasst.

Die streit­ge­gen­ständ­li­che Kün­di­gung ist nicht man­gels ord­nungs­ge­mä­ßer Betei­li­gung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung oder der Pfarr­ver­tre­tung unwirk­sam.

Die Kün­di­gung ist nicht gemäß § 45 Abs. 2 Satz 1 des Kir­chen­ge­set­zes über Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungs­ge­setz – MVG) vom 06.11.1992 24 in der Fas­sung vom 01.01.2004 25 wegen unter­las­se­ner Betei­li­gung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung unwirk­sam.

Gemäß § 46 Buchst. c MVG hat die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung ein Mit­be­ra­tungs­recht bei einer ordent­li­chen Kün­di­gung inner­halb der Pro­be­zeit. Nach § 45 Abs. 1 Satz 1 MVG ist der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung in einem sol­chen Fall der Mit­be­ra­tung eine beab­sich­tig­te Maß­nah­me recht­zei­tig vor der Durch­füh­rung bekannt zu geben und auf Ver­lan­gen mit ihr zu erör­tern. Eine der Mit­be­ra­tung unter­lie­gen­de Maß­nah­me ist nach § 45 Abs. 2 Satz 1 MVG unwirk­sam, wenn die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nicht nach § 45 Abs. 1 MVG betei­ligt wor­den ist.

Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen iSd. MVG sind nach des­sen § 2 Abs. 1 grund­sätz­lich alle in öffent­lich-recht­li­chen Dienst- oder pri­vat­recht­li­chen Dienst- und Arbeits­ver­hält­nis­sen ste­hen­den Per­so­nen, abge­se­hen von hier nicht inter­es­sie­ren­den Aus­nah­me­fäl­len. Das glied­kirch­li­che Recht kann jedoch gemäß § 2 Abs. 2 MVG für Per­so­nen, die im pfarr­amt­li­chen Dienst, in der Aus­bil­dung oder Vor­be­rei­tung dazu ste­hen, ande­re Rege­lun­gen vor­se­hen. Im Bereich der EKM wur­de eine sol­che Rege­lung getrof­fen. Die Rege­lun­gen des MVG gel­ten gemäß § 2 des Kir­chen­ge­set­zes der Evan­ge­li­schen Kir­che in Mit­tel­deutsch­land zur Aus­füh­rung des Kir­chen­ge­set­zes über Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (MVG-AusfG) vom 16.11.2008 26 nicht für Per­so­nen, die im pfarr­amt­li­chen Dienst ste­hen.

Auch ohne die­se lan­des­kir­chen­recht­li­che Rege­lung fin­det aller­dings gemäß § 44 Satz 2 MVG kei­ne Betei­li­gung in den Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der Per­so­nen statt, die im pfarr­amt­li­chen Dienst und in der Aus­bil­dung oder Vor­be­rei­tung dazu ste­hen. Die Aus­nah­me erfolgt mit Blick auf die not­wen­di­ge Unab­hän­gig­keit der Wort­ver­kün­dung, Sakra­ments­ver­wal­tung und Seel­sor­ge. Pfarr­amt­li­cher Dienst umfasst die­se Berei­che. Erfasst sind auch Pfar­rer oder Pfar­re­rin­nen im Ange­stell­ten­ver­hält­nis, denen glei­che pfarr­amt­li­che Auf­ga­ben über­tra­gen wur­den, wie sie in der Regel von Pfar­rern und Pfar­re­rin­nen im öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis wahr­ge­nom­men wer­den 27.

Der Klä­ger war aus­weis­lich § 1 Abs. 1 des Arbeits­ver­trags vom 30.01.2009 als Pfar­rer ein­ge­stellt und gemäß § 1 Abs. 2 des Ver­trags zu 70 % mit der Ver­wal­tung einer Pfarr­stel­le beauf­tragt. Er war damit im Bereich der öffent­li­chen Ver­kün­di­gung, der Sakra­ments­ver­wal­tung und der Seel­sor­ge beschäf­tigt und stand im pfarr­amt­li­chen Dienst. Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung muss­te vor Aus­spruch der Kün­di­gung somit nicht betei­ligt wer­den.

Ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on war die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung auch nicht wegen des Vor­lie­gens eines Gestel­lungs­ver­trags zu betei­li­gen.

Gemäß § 2 Abs. 3 MVG gel­ten Per­so­nen, die auf­grund von Gestel­lungs­ver­trä­gen beschäf­tigt sind, als Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen iSd. MVG, wobei ihre recht­li­chen Bezie­hun­gen zu der ent­sen­den­den Stel­le unbe­rührt blei­ben. Die Vor­schrift regelt die Anwend­bar­keit des MVG auf Per­so­nen, die zwar orga­ni­sa­to­risch ein­ge­glie­dert sind, aber in einem Dienst­ver­hält­nis zu einem Drit­ten ste­hen. Bei Per­so­nen, die im Rah­men von Gestel­lungs­ver­trä­gen beschäf­tigt wer­den, schnei­den sich zwei Rechts­krei­se, näm­lich der­je­ni­ge der Insti­tu­ti­on oder Ein­rich­tung (z.B. Kran­ken­haus)), in der sie arbei­ten, und der Orga­ni­sa­ti­on, Stif­tung oder Dia­ko­nen­schaft, der sie ange­hö­ren. Auf­grund der gesetz­li­chen Fik­ti­on sind die­se Per­so­nen einer­seits Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen iSd. MVG, ande­rer­seits blei­ben aber die recht­li­chen Bezie­hun­gen zu ihren Orga­ni­sa­tio­nen unbe­rührt 28.

Der Klä­ger war nicht auf­grund eines Gestel­lungs­ver­trags bei dem beklag­ten Kir­chen­kreis beschäf­tigt, son­dern – wie aus­ge­führt – des­sen Arbeit­neh­mer. Der Umstand, dass sei­ne Tätig­keit in der Pfarr­stel­le G, wel­che im Kir­chen­kreis Ba der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che Anhalts liegt, gemäß § 1 Abs. 2 des Arbeits­ver­trags von der "Refi­nan­zie­rung durch die Lan­des­kir­che Anhalt" abhängt, ändert dar­an nichts. Ob wegen der Tätig­keit in G ein Gestel­lungs­ver­hält­nis zum Kir­chen­kreis Ba oder zur Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che Anhalts vor­liegt, kann dahin­ge­stellt blei­ben. Die hier streit­ge­gen­ständ­li­che Kün­di­gung ist eine Maß­nah­me des Beklag­ten.

Die streit­ge­gen­ständ­li­che Kün­di­gung ist auch nicht wegen der unter­blie­be­nen Betei­li­gung der Pfarr­ver­tre­tung unwirk­sam. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zutref­fend erkannt, dass das damals gel­ten­de Pfarr­ver­tre­tungs­ge­setz eine sol­che Rechts­fol­ge nicht vor­sah.

Vor der Fusi­on galt im Bereich der ehe­ma­li­gen Kir­chen­pro­vinz Sach­sen das Kir­chen­ge­setz über die Ver­tre­tung der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer (Pfarr­ver­tre­tungs­ge­setz – PfVG) vom 13.11.1999 29. Vom 1.01.2009 bis zum 31.12 2009 blie­ben des­sen Rege­lun­gen gemäß Art. 89 Abs. 1 KVer­fEKM in Kraft. Das Kir­chen­ge­setz über die Ver­tre­tung der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Mit­tel­deutsch­land (Pfarr­ver­tre­tungs­ge­setz – PfVer­trG) vom 21.11.2009 30 fin­det erst seit dem 1.01.2010 Anwen­dung.

Gemäß § 2 Satz 1 PfVG nahm die Pfarr­ver­tre­tung die Inter­es­sen der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer wahr. Nach § 16 Abs. 1 Buchst. d PfVG war die Pfarr­ver­tre­tung auf Antrag der oder des Betrof­fe­nen bei ordent­li­cher Kün­di­gung einer Pfar­re­rin oder eines Pfar­rers im Ange­stell­ten­ver­hält­nis zu betei­li­gen. Nach § 16 Abs. 2 PfVG war die oder der Betrof­fe­ne auf das Antrags­recht hin­zu­wei­sen. Soweit die Pfarr­ver­tre­tung zu betei­li­gen war, war ihr inner­halb einer fest­zu­set­zen­den Frist Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu geben und die Maß­nah­me auf Ver­lan­gen mit ihr zu erör­tern (vgl. § 16 Abs. 3 PfVG).

Unstrei­tig wur­de die Pfarr­ver­tre­tung vor Erklä­rung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Kün­di­gung nicht betei­ligt. Nach unbe­strit­te­ner Dar­stel­lung des Klä­gers wur­de er nicht auf das Antrags­recht hin­ge­wie­sen und hat kei­nen Antrag auf Betei­li­gung der Pfarr­ver­tre­tung gestellt. Es mag sein, dass der Beklag­te gegen sei­ne Hin­weis­pflicht gemäß § 16 Abs. 2 PfVG ver­sto­ßen hat. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aber zutref­fend aus­ge­führt, dass weder der unter­las­se­ne Hin­weis noch die Nicht­be­tei­li­gung der Pfarr­ver­tre­tung als sol­che die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung zur Fol­ge hat. Dies sah das Pfarr­ver­tre­tungs­ge­setz im Gegen­satz zu § 45 Abs. 2 Satz 1 MVG nicht vor. Das ist zu respek­tie­ren. Den Kir­chen ist die Gestal­tung ihrer Mit­be­stim­mungs­ord­nung als Teil des Selbst­be­stim­mungs­rechts ver­fas­sungs­recht­lich garan­tiert. Sie bestim­men als eige­ne Ange­le­gen­heit iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV, ob und in wel­cher Wei­se die Arbeit­neh­mer und ihre Ver­tre­tungs­or­ga­ne in Ange­le­gen­hei­ten des Betriebs, die ihre Inter­es­sen berüh­ren, mit­wir­ken und mit­be­stim­men 31. Rege­lun­gen über die Mit­be­stim­mung gehö­ren zum Orga­ni­sa­ti­ons­recht, wel­ches der Selbst­ge­stal­tungs­macht der Kir­chen unter­liegt 32. Dem ent­spre­chen die Bereichs­aus­nah­men in § 118 Abs. 2 BetrVG und zB § 112 BPers­VG 33.

Eine Betei­li­gung des Gemein­de­kir­chen­rats ist kir­chen­recht­lich nicht vor­ge­se­hen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt – Urteil vom 21. Novem­ber 2013 – 6 AZR 664/​12

  1. ABl. EKD S. 307; zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te vgl. de Wall Zev­KR 2012, 390[]
  2. ABl. EKD S. 470[]
  3. Roh­de Zev­KR 1996, 369, 377[]
  4. BAG 2.02.2006 – 2 AZR 154/​05, Rn. 25[]
  5. ABl. EKKPS S. 149[]
  6. ABl. EKM vom 15.02.2008 S. 47[]
  7. BAG 19.04.2012 – 6 AZR 677/​10, Rn. 23; 24.02.2011 – 6 AZR 634/​09, Rn. 21 mwN; zur Reich­wei­te dyna­mi­scher Ver­wei­sun­gen vgl. BAG 28.06.2012 – 6 AZR 217/​11, Rn. 28 f.[]
  8. vgl. zur Inbe­zug­nah­me von Tarif­ver­trä­gen Schaub/​Linck ArbR-HdB 15. Aufl. § 35 Rn. 17 und 20 mwN[]
  9. BAG 24.03.2009 – 9 AZR 983/​07, Rn. 40, BAGE 130, 119[]
  10. vgl. BAG 21.10.2009 – 10 AZR 786/​08, Rn. 28 mwN[]
  11. vgl. BAG 17.07.2008 – 6 AZR 635/​07, Rn. 9 zu den AVR Cari­tas­ver­band[]
  12. VGH.UEK 17.08.1998 – VGH 10/​97 – unter 3 b der Grün­de[]
  13. BAG 25.04.2013 – 2 AZR 579/​12, Rn. 22[]
  14. vgl. BAG 2.02.2006 – 2 AZR 154/​05, Rn. 17[]
  15. vgl. BAG 28.08.2008 – 2 AZR 101/​07, Rn. 17[]
  16. vgl. BAG 20.06.2013 – 2 AZR 790/​11, Rn. 13; 7.07.2011 – 2 AZR 12/​10, Rn. 22 mwN, BAGE 138, 321[]
  17. vgl. HWK/​Quecke 5. Aufl. § 1 KSchG Rn. 12; Krau­se in vHH/​L KSchG 15. Aufl. Rn. 116 f.; HaKo/​Mayer KSchR 4. Aufl. § 1 Rn. 65 f.[]
  18. vgl. BAG 5.02.2004 – 8 AZR 639/​02, zu II 2 a der Grün­de; KR/​Griebeling 10. Aufl. § 1 KSchG Rn. 119; ErfK/​Oetker 14. Aufl. § 1 KSchG Rn. 47 mwN[]
  19. vgl. Richar­di in Richardi/​Dörner/​Weber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 4. Aufl. § 112 Rn. 15[]
  20. zur Stel­lung des Kreis­kir­chen­rats vgl. Art. 37, 44 Abs. 1 KVer­fEKM[]
  21. vgl. zu einer Kir­chen­ge­mein­de BAG 12.11.1998 – 2 AZR 459/​97, zu II 2 der Grün­de[]
  22. BAG 12.11.1998 – 2 AZR 459/​97, zu II 3 der Grün­de[]
  23. vgl. Kal­len­bach Zev­KR 2009, 399, 407[]
  24. ABl. EKD S. 445[]
  25. ABl. EKD S. 7[]
  26. ABl. EKM S. 336[]
  27. vgl. Fey/​Rehren MVG.EKD Stand August 2012 § 44 Rn. 5[]
  28. Fey/​Rehren MVG.EKD Stand Janu­ar 2013 § 2 Rn. 7[]
  29. ABl. EKKPS S. 144[]
  30. ABl. EKM S. 302[]
  31. vgl. BVerfG 11.10.1977 – 2 BvR 209/​76, zu B II 3 der Grün­de, BVerfGE 46, 73[]
  32. BAG 25.04.1989 – 1 ABR 88/​87, Rn. 17, BAGE 61, 376[]
  33. vgl. Richar­di in Richardi/​Dörner/​Weber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 4. Aufl. § 112 Rn. 5 mwN[]