Rest­man­dat des Betriebs­rats – und der funk­tio­na­le Auf­ga­ben­be­zug

Nach § 21b BetrVG bleibt der Betriebs­rat, des­sen Betrieb durch Still­le­gung, Spal­tung oder Zusam­men­le­gung unter­geht, so lan­ge im Amt, wie dies zur Wahr­neh­mung der damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Mit­wir­kungs- und Mit­be­stim­mungs­rech­te erfor­der­lich ist.

Rest­man­dat des Betriebs­rats – und der funk­tio­na­le Auf­ga­ben­be­zug

Die Vor­schrift trägt dem Umstand Rech­nung, dass die Amts­zeit des Betriebs­rats vor­zei­tig endet, wenn die betrieb­li­che Orga­ni­sa­ti­on, für die er gebil­det ist, weg­fällt und er des­halb außer­stan­de ist, die mit der Ände­rung der betrieb­li­chen Orga­ni­sa­ti­on ein­her­ge­hen­den Betei­li­gungs­rech­te wahr­zu­neh­men 1.

Um hier­aus resul­tie­ren­de Schutz­lü­cken zu schlie­ßen, hat der Gesetz­ge­ber mit dem durch das BetrVG-ReformG ein­ge­füg­ten § 21b BetrVG die zuvor ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Rest­man­dat des Betriebs­rats gesetz­lich ver­an­kert 2. Der Betriebs­rat soll noch so lan­ge im Amt ver­blei­ben, wie dies sei­ne hier­bei zu beach­ten­den Betei­li­gungs­rech­te gebie­ten. Das Rest­man­dat setzt daher einen funk­tio­na­len Bezug zu den durch die Still­le­gung, Spal­tung oder Zusam­men­le­gung aus­ge­lös­ten Auf­ga­ben des Betriebs­rats vor­aus 3.

Es ist kein Voll­man­dat 4 und ent­steht mit dem Weg­fall der betrieb­li­chen Orga­ni­sa­ti­on; zu die­sem Zeit­punkt wan­delt sich das ori­gi­nä­re Voll­man­dat des Betriebs­rats in ein – vom Umfang her beschränk­tes – Rest­man­dat nach § 21b BetrVG 5.

In ihm ist ange­legt, dass im ori­gi­nä­ren Voll­man­dat bestehen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te, die in kei­nem funk­tio­na­len Bezug zu den in § 21b BetrVG ange­führ­ten Tat­be­stän­den ste­hen, nicht mehr aus­ge­füllt wer­den kön­nen.

Das Rest­man­dat des § 21b BetrVG dient nicht der Sank­ti­on eines betriebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­hal­tens des Arbeit­ge­bers. Viel­mehr wei­tet es die Befug­nis­se des Betriebs­rats über sei­ne Amts­zeit hin­aus aus, jedoch beschränkt auf sol­che Gegen­stän­de, die gera­de durch eine Betriebs­schlie­ßung bedingt sind, aber wegen deren fak­ti­schen Umset­zung nicht mehr wäh­rend der regu­lä­ren Amts­zeit gere­gelt wer­den kön­nen.

Es ist weder rechts­miss­bräuch­lich noch ver­stößt es gegen § 2 Abs. 1 BetrVG, dass sich die Arbeit­ge­be­rin auf die Beschrän­kun­gen des Rest­man­dats beruft. Ver­fügt ein Betriebs­rat nicht mehr über eine gesetz­li­che Legi­ti­ma­ti­on, fehlt es an einem Gre­mi­um, dem­ge­gen­über der Arbeit­ge­ber zur ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit ver­pflich­tet wäre und mit dem er Abre­den gleich wel­cher Art tref­fen könn­te.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 11. Okto­ber 2016 – 1 ABR 51/​14

  1. BAG 1.04.1998 – 10 ABR 17/​97, zu B II 2 der Grün­de mwN, BAGE 88, 247[]
  2. BT-Drs. 14/​5741 S. 39[]
  3. vgl. BAG 22.03.2016 – 1 ABR 10/​14, Rn. 31; 8.12 2009 – 1 ABR 41/​09, Rn. 16 mwN, BAGE 132, 324[]
  4. BAG 24.09.2015 – 2 AZR 562/​14, Rn. 64, BAGE 152, 345[]
  5. vgl. BAG 6.12 2006 – 7 ABR 62/​05, Rn. 25[]