Revi­si­on gegen ein Zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts

Anders als im zivil­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, in dem ein Zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil gemäß § 565 Satz 1, § 514 Abs. 2 ZPO nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs mit der Revi­si­on ange­grif­fen wer­den kann, soweit die­se dar­auf gestützt wird, ein Fall der schuld­haf­ten Säum­nis habe nicht vor­ge­le­gen [1], fin­det nach § 72 Abs. 1 Satz 1 ArbGG die Revi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch gegen ein Zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts nur statt, wenn sie in dem Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts oder durch Beschluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach § 72a Abs. 5 Satz 2 ArbGG zuge­las­sen wor­den ist.

Revi­si­on gegen ein Zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts

Die §§ 7272a ArbGG regeln den Zugang zum Bun­des­ar­beits­ge­richt eigen­stän­dig und abschlie­ßend und tra­gen dabei dem beson­de­ren Beschleu­ni­gungs­be­darf in arbeits­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten Rech­nung. Das gilt auch dann, wenn der Revi­si­ons­füh­rer gel­tend macht, ein Fall schuld­haf­ter Säum­nis habe nicht vor­ge­le­gen [2]. Die­ser unter­schied­li­che Revi­si­ons­zu­gang führt zu kei­ner Rechts­schutz­lü­cke im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren. Die beschwer­te Par­tei kann näm­lich Gehörsver­let­zun­gen, zu denen auch die Rüge gehört, eine Säum­nis habe nicht bestan­den, nach § 72 Abs. 2 Nr. 3, § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ArbGG im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren vor­brin­gen [3].

Das Zwei­te Ver­säum­nis­ur­teil ist ohne aus­drück­li­che Zulas­sung der Revi­si­on auch nicht des­halb mit der Revi­si­on anfecht­bar, weil es eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung dahin ent­hält, dass vom Klä­ger hier­ge­gen Revi­si­on ein­ge­legt wer­den kann, und der Klä­ger zudem dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass ein Zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil der Revi­si­on nur inso­weit unter­liegt, als sie dar­auf gestützt wer­de, dass der Fall der schuld­haf­ten Säum­nis nicht vor­ge­le­gen habe. Zwar wäre gegen das Zwei­te Ver­säum­nis­ur­teil der Rechts­be­helf der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de statt­haft gewe­sen, ins­be­son­de­re hät­te der Klä­ger im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren nach § 72 Abs. 2 Nr. 3, § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ArbGG Gehörsver­let­zun­gen, zu denen auch die Rüge gehört, eine Säum­nis habe nicht bestan­den, vor­brin­gen kön­nen [4]. Der Klä­ger hat indes im hier ent­schie­de­nen Fall kei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 28. Mai 2020 – 8 AZR 169/​19

  1. vgl. etwa BGH 24. Janu­ar 2019 – VII ZR 123/​18 – Rn. 9 ff.; 5. Juli 2018 – IX ZR 264/​17 – Rn. 6; 26. Novem­ber 2015 – VI ZR 488/​14 – Rn. 5, BGHZ 208, 75[]
  2. BAG 17. März 2016 – 6 AZN 1087/​15 – Rn. 4; 5. Juni 2007 – 5 AZR 276/​07 – Rn. 3; 22. April 2004 – 2 AZR 314/​03 – zu II 2 der Grün­de[]
  3. vgl. BAG 17. März 2016 – 6 AZN 1087/​15 – aaO; 5. Juni 2007 – 5 AZR 276/​07 – Rn. 4; Düwell/​Lipke/​Düwell 5. Aufl. § 72 Rn. 5; vgl. auch GMP/­Mül­ler-Glö­ge 9. Aufl. § 72 Rn. 3[]
  4. vgl. BAG 17.03.2016 – 6 AZN 1087/​15, Rn. 4; 5.06.2007 – 5 AZR 276/​07, Rn. 4; Düwell/​Lipke/​Düwell 5. Aufl. § 72 Rn. 5; vgl. auch GMP/­Mül­ler-Glö­ge 9. Aufl. § 72 Rn. 3[]