Revi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt – und die nach Frist­ab­lauf gestell­ten Revi­si­ons­an­trä­ge

Eine Revi­si­on kann auch dann form- und frist­ge­recht begrün­det wor­den sein (§ 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 ZPO, § 74 Abs. 1 ArbGG), wenn die Revi­si­on aus­drück­li­che Revi­si­ons­an­trä­ge erst nach Ablauf der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist for­mu­liert hat.

Revi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt – und die nach Frist­ab­lauf gestell­ten Revi­si­ons­an­trä­ge

Gemäß § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 ZPO muss die Revi­si­ons­be­grün­dung die Erklä­rung ent­hal­ten, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten und des­halb des­sen Auf­he­bung bean­tragt wird. Eine aus­drück­li­che For­mu­lie­rung und text­li­che Abson­de­rung der Revi­si­ons­an­trä­ge ist zwar emp­feh­lens­wert, aber nicht erfor­der­lich. Aus­rei­chend ist es, wenn dem Inhalt der Begrün­dung zwei­fels­frei zu ent­neh­men ist, wel­ches Sach­be­geh­ren der Revi­si­ons­klä­ger ver­folgt 1. Auch Pro­zess­hand­lun­gen sind aus­le­gungs­fä­hig und ‑bedürf­tig. Inso­weit sind die Aus­le­gungs­re­geln des mate­ri­el­len Rechts grund­sätz­lich ent­spre­chend anzu­wen­den. Ent­schei­dend ist also der objek­ti­ve, dem Emp­fän­ger ver­nünf­ti­ger­wei­se erkenn­ba­re Sinn. Im Zwei­fel ist gewollt, was nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der recht ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht 2.

So auch in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Die Beklag­te hat zwar weder in der Revi­si­ons­schrift noch in der Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift, die bei­de frist­ge­recht bei Gericht ein­ge­gan­gen sind, aus­drück­li­che Anträ­ge gestellt. Die­sen Schrift­sät­zen ist aber unmiss­ver­ständ­lich zu ent­neh­men, dass die Beklag­te und Wider­klä­ge­rin mit ihrer Revi­si­on die Auf­he­bung des Urteils des Lan­des­ar­beits­ge­richts und Abän­de­rung des arbeits­ge­richt­li­chen Urteils dahin­ge­hend begehrt, dass die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen und der Wider­kla­ge ins­ge­samt statt­ge­ge­ben wird 3. Die Beklag­te hat mit der Antrags­for­mu­lie­rung in ihrem spä­te­ren Schrift­satz ledig­lich zusätz­lich ver­deut­licht, was bereits vor­her klar gewe­sen ist 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Novem­ber 2018 – 6 AZR 522/​17

  1. vgl. BAG 31.07.2014 – 2 AZR 505/​13, Rn. 14 mwN, BAGE 149, 1[]
  2. vgl. BAG 31.07.2014 – 2 AZR 505/​13, Rn. 14 f., aaO[]
  3. vgl. BAG 11.12 2003 – 2 AZR 536/​02, zu A der Grün­de; 30.11.1983 – 4 AZR 353/​81 9, BAGE 44, 268[]
  4. vgl. BAG 11.03.1992 – 7 AZR 189/​91, zu I der Grün­de[]