Schadenersatz wegen unterbliebener Einstellung bei einem öffentlichen Arbeitgeber

Ein nicht berücksichtigter Bewerber um eine Stelle eines öffentlichen Arbeitgebers kann nach einer Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts verlangen, eingestellt zu werden, wenn sämtliche Einstellungsvoraussetzungen in seiner Person erfüllt sind und seine Einstellung die einzig rechtmäßig Entscheidung der Behörde wäre, weil jede andere Entscheidung sich als rechtswidrig oder ermessensfehlerhaft darstellen würde.

Schadenersatz wegen unterbliebener Einstellung bei einem öffentlichen Arbeitgeber

Hintergrund des Rechtsstreits war die Tätigkeit des schwerbehinderten Klägers im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit nach dem SGB II, einem sogenannten „1-Euro-Job“. Der Mitarbeiter hatte bei der beklagten Kommune im Archiv gearbeitet und gehofft, eine neu geschaffene, befristete Archivstelle zu erhalten. Tatsächlich hat der Arbeitgeber jedoch einen anderen, ebenfalls im Archiv tätigen 1-Euro-Jober auf dieser Stelle eingestellt.

Das Arbeitsgericht Wiesbaden hat die Klage abgewiesen1. Die Berufung des Klägers hatte vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht nunmehr wenigstens teilweise Erfolg: Er konnte erreichen, dass die beklagte Kommune ihn ebenfalls befristet einstellen muss.

Das Hessische Landesarbeitsgericht sah diesen Anspruch aus Art. 33 Abs. 2 GG als gegeben an, weil die beklagte Kommune weder ein schriftliches Anforderungsprofil noch eine ordnungsgemäße Dokumentation ihrer Auswahlentscheidung erstellt hatte. Diese Umstände führten zu einer Änderung der Vortragslast im Prozess. Weil der Arbeitgeber auch im Verfahren das fehlende Anforderungsprofil nicht nachgereicht hat, war von der Besteignung des Klägers im Sinne von Art. 33 Abs. 2 GG für die fragliche Stelle auszugehen, ohne dass er dies im Einzelnen belegen musste.

Keinen Erfolg hatte dagegen der Antrag auf Zahlung einer Entschädigung wegen Altersdiskriminierung oder Benachteiligung aufgrund der Schwerbehinderteneigenschaft, der Kläger konnte die hierfür notwendigen Indizien nicht aufzeigen.

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 23. April 2010 – 19/3 Sa 47/09

  1. ArbG Wiesbaden, Urteil vom 29.10.2008 – 3 Ca 1294/08[]