Son­der­prä­mi­en für die Ver­nich­tung von Was­ser­bom­ben

Die Spren­gung einer Was­ser­bom­be löst nach dem Tarif­ver­trag für die Arbeit­neh­mer im Kampf­mit­tel­be­sei­ti­gungs­dienst des Lan­des Nie­der­sach­sen kei­nen Anspruch auf eine Son­der­prä­mie aus. Eine sol­che Prä­mie ist jedoch für die unmit­tel­ba­re Mit­wir­kung an dem Trans­port oder der Ver­la­ge­rung einer mit einem beson­ders gefähr­li­chen Zünd­sys­tem ver­se­he­nen Was­ser­bom­be zur Vor­be­rei­tung der Spren­gung zu zah­len.

Son­der­prä­mi­en für die Ver­nich­tung von Was­ser­bom­ben

Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts erging in einem "Mus­ter­pro­zess", in dem die Par­tei­en dar­über strei­ten, ob das beklag­te Land Nie­der­sach­sen tarif­li­che Son­der­prä­mi­en zah­len muss. Nach dem ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trag wird – zusätz­lich zu einer all­ge­mei­nen Gefah­ren­zu­la­ge, die der Klä­ger (Arbeit­neh­mer) erhal­ten hat – eine Son­der­prä­mie von 567,53 € für die Ent­schär­fung jeder Bom­be mit Lang­zeit­zün­der ein­schließ­lich des etwa erfor­der­li­chen Trans­ports gewährt. Das gilt auch für die Ent­schär­fung ent­spre­chen­der See­mu­ni­ti­on (zB. Tor­pe­dos, Was­ser­bom­ben, See­mi­nen). Der Arbeit­neh­mer, der im Kampf­mit­tel­be­sei­ti­gungs­dienst des Lan­des Nie­der­sach­sen beschäf­tigt ist, spreng­te im März und April 2011 gemein­sam mit meh­re­ren Kol­le­gen ins­ge­samt 104 Was­ser­bom­ben ame­ri­ka­ni­schen und bri­ti­schen Typs aus dem Zwei­ten Welt­krieg, die unter Mit­wir­kung einer gewerb­li­chen Fir­ma im Watt vor Wil­helms­ha­ven gebor­gen, auf eine Sand­bank ver­bracht und dort an meh­re­ren Spreng­punk­ten zusam­men­ge­legt wor­den waren.

In den Vor­in­stan­zen hat­ten das Arbeits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen 1 die auf Zah­lung 59.023,12 € brut­to gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Arbeit­neh­mers führ­te nun vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen:

Nach den ein­schlä­gi­gen Tarif­nor­men ist die Spren­gung kei­ne Ent­schär­fung im Tarif­sinn. Aller­dings könn­ten dem Arbeit­neh­mer Son­der­prä­mi­en zuste­hen, wenn er unmit­tel­bar am Trans­port oder an der Ver­la­ge­rung der Was­ser­bom­ben betei­ligt war und wenn die­se Bom­ben mit Zünd­sys­te­men ver­se­hen waren, die eben­so gefähr­lich sind wie Lang­zeit­zün­der. Ob sich an den Was­ser­bom­ben der­ar­ti­ge Zün­der befan­den oder ob sie nach Kriegs­en­de ohne Zünd­sys­tem ver­klappt wur­den, steht nicht fest. Auch die Fra­ge, wel­che und wie vie­le Was­ser­bom­ben der Arbeit­neh­mer trans­por­tiert oder ver­la­gert hat, bedarf der wei­te­ren Sach­auf­klä­rung durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Juli 2014 – 10 AZR 698/​13

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 01.07.2013 – 13 Sa 1037/​12[]