Sozi­al­pla­n­ab­fin­dung – und die Aus­le­gung des Sozi­al­plans

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind Sozi­al­plä­ne als Betriebs­ver­ein­ba­run­gen eige­ner Art wegen ihrer nor­ma­ti­ven Wir­kun­gen (§ 77 Abs. 4 Satz 1, § 112 Abs. 1 Satz 3 BetrVG) wie Tarif­ver­trä­ge aus­zu­le­gen [1].

Sozi­al­pla­n­ab­fin­dung – und die Aus­le­gung des Sozi­al­plans
  • Aus­zu­ge­hen ist dem­entspre­chend zunächst vom Wort­laut und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn.
  • Dar­über hin­aus kommt es auf den Gesamt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Bestim­mung an.
  • Der Sozi­al­planzweck ist aus Wort­laut und Gesamt­zu­sam­men­hang der Rege­lung zu erschlie­ßen und bestimmt sich nicht nach den sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen einer Betriebs­par­tei.
  • Der tat­säch­li­che Wil­le der Betriebs­par­tei­en ist nur zu berück­sich­ti­gen, soweit er im Sozi­al­plan sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat [2].

Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu einem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und geset­zes­kon­for­men Ver­ständ­nis der Rege­lung führt [3].

Der Zweck des Sozi­al­plans, kon­kret abseh­ba­re oder ein­ge­tre­te­ne betriebs­än­de­rungs­be­ding­te Nach­tei­le aus­zu­glei­chen [4], gibt für ein bestimm­tes Ver­ständ­nis des Begriffs „Brut­to­mo­nats­ein­kom­men“ nichts her. Jeden­falls ver­bie­tet er es den Betriebs­par­tei­en aber auch nicht, bei der Berech­nung von künf­ti­gen Nach­teils­aus­glei­chen (nur) an die bis­he­ri­gen ste­ti­gen Ein­künf­te anzu­knüp­fen, wel­che die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on arbeits­zeit­be­zo­gen und dau­er­haft geprägt haben.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Okto­ber 2015 – 1 AZR 759/​14

  1. BAG 5.05.2015 – 1 AZR 826/​13, Rn. 18 mwN[]
  2. vgl. BAG 15.03.2011 – 1 AZR 808/​09, Rn. 11; 20.04.2010 – 1 AZR 988/​08, Rn. 14 mwN[]
  3. vgl. BAG 9.12 2014 – 1 AZR 406/​13, Rn. 14; 15.10.2013 – 1 AZR 544/​12, Rn. 12 mwN[]
  4. vgl. zB BAG 12.04.2011 – 1 AZR 505/​09, Rn. 17 mwN[]