Start­gut­schrif­ten­re­ge­lung für ren­ten­na­he Pflicht­ver­si­cher­te in der VBLS

Start­gut­schrif­ten­re­ge­lung der neu­en Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS) für ren­ten­na­he Pflicht­ver­si­cher­te ist nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs wirk­sam.

Start­gut­schrif­ten­re­ge­lung für ren­ten­na­he Pflicht­ver­si­cher­te in der VBLS

Die beklag­te Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) hat die Auf­ga­be, den Ange­stell­ten und Arbei­tern der an ihr betei­lig­ten Arbeit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes im Wege pri­vat­recht­li­cher Ver­si­che­rung eine zusätz­li­che Alters‑, Erwerbs­min­de­rungs- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewäh­ren. Durch Neu­fas­sung ihrer Sat­zung vom 22.11.2002 (BAnz. Nr. 1 vom 03.01.2003) hat die Beklag­te ihr Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem rück­wir­kend zum 31.12.2001 umge­stellt. Der Sys­tem­wech­sel ist Fol­ge einer Eini­gung der Tarif­ver­trags­par­tei­en des öffent­li­chen Diens­tes im Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV – vom 01.03.2002. Dar­in wur­de rück­wir­kend zum 31.12.2001 das bis­he­ri­ge, auf dem Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­trag (Ver­sor­gungs-TV) vom 04.11.1966 beru­hen­de, end­ge­halts­be­zo­ge­ne Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem auf­ge­ge­ben und durch ein auf einem Punk­te­mo­dell beru­hen­des Betriebs­ren­ten­sys­tem ersetzt. Die neue Sat­zung der Beklag­ten (VBLS) ent­hält Über­gangs­re­ge­lun­gen für die bis zur Sys­tem­um­stel­lung erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten. Die­se wer­den wert­mä­ßig fest­ge­stellt und als so genann­te Start­gut­schrif­ten auf die neu­en Ver­sor­gungs­kon­ten der Ver­si­cher­ten über­tra­gen. Dabei wird zwi­schen ren­ten­na­hen und ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten dif­fe­ren­ziert.

Der Klä­ger, ein ren­ten­na­her Ver­si­cher­ter, wen­det sich – wie wei­te­re Ver­si­cher­te in einer Viel­zahl beim BGH anhän­gi­ger Revi­sio­nen – gegen die Wirk­sam­keit der ihm erteil­ten Start­gut­schrift. Sei­ner Ansicht nach führ­ten die Bestim­mun­gen zur Berech­nung der Höhe der Start­gut­schrif­ten für die ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten (§§ 78, 79 Abs. 2 ff. VBLS) – obwohl die­se Berech­nung weit­ge­hend in Anleh­nung an das frü­he­re Sat­zungs­recht der Beklag­ten erfolgt – ohne aus­rei­chen­de Recht­fer­ti­gung zu einem Ein­griff in sei­ne bis­he­ri­ge, ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ren­ten­an­wart­schaft. Gegen­über dem frü­he­ren Rechts­zu­stand bewir­ke die Neu­re­ge­lung bei ihm (wie auch bei einer Viel­zahl ande­rer Ver­si­cher­ter) eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge und mit­hin ver­fas­sungs­wid­ri­ge Schlech­ter­stel­lung.

Nach Ansicht der Beklag­ten hält sich die Sat­zungs­re­ge­lung, der der Tarif­ver­trag vom 01.03.2002 zugrun­de liegt, im Rah­men des den Tarif­ver­trags­par­tei­en des öffent­li­chen Diens­tes durch deren Tarif­au­to­no­mie eröff­ne­ten Gestal­tungs­spiel­raums.

Das Land­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass die Beklag­te ver­pflich­tet ist, dem Klä­ger bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les min­des­tens eine Betriebs­ren­te zu gewäh­ren, die dem gerin­ge­ren Betrag der Berech­nung der Zusatz­ren­te nach ihrer (alten) Sat­zung in der Fas­sung der 41. Ände­rung zum Umstel­lungs­stich­tag (31.12.2001) oder zum Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les ent­spricht. Die­ses Urteil hat das Ober­lan­des­ge­richt auf die Beru­fung der Beklag­ten geän­dert und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen mit der Begrün­dung, die für die ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten getrof­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung sei im Ergeb­nis ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Mit der Revi­si­on strebt der Klä­ger, des­sen Beru­fung zurück­ge­wie­sen wor­den ist, eine für ihn güns­ti­ge­re Über­gangs­re­ge­lung an, die zu einer höhe­ren Start­gut­schrift füh­ren wür­de.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einer Grund­satz­ent­schei­dung vom heu­ti­gen Tage die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen und damit im Ergeb­nis die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts bestä­tigt.

Er hat die Berech­nung der bis zum Zeit­punkt der Sys­tem­um­stel­lung von den pflicht­ver­si­cher­ten Ange­hö­ri­gen ren­ten­na­her Jahr­gän­ge erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten und deren Über­tra­gung in das neu geschaf­fe­ne Betriebs­ren­ten­sys­tem in Form so genann­ter Start­gut­schrif­ten nach den §§ 32 Abs. 1 und 4 Satz 1, 33 Abs. 2, 4 ff. ATV, 78 Abs. 1 und 2 Satz 1, 79 Abs. 2, 4 ff. VBLS gebil­ligt.

Mit der Über­gangs­re­ge­lung, die – anders als bei den ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten – dar­auf abzielt, mit der Start­gut­schrift eine auf die Voll­endung des 63. Lebens­jah­res fin­gier­te Ver­sor­gungs­ren­te nach dem frü­he­ren Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem zu erhal­ten, haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en dem erhöh­ten Schutz­be­dürf­nis der ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten Rech­nung getra­gen.

Dabei begeg­net es ins­be­son­de­re kei­nen Beden­ken, dass die Ver­sor­gungs­ren­te, die der Start­gut­schrif­ten-Berech­nung als Aus­gangs­wert zugrun­de liegt, auf den Zeit­punkt der Voll­endung des 63. Lebens­jah­res hoch­zu­rech­nen ist. Die Rege­lung stellt einen pau­scha­len, aber sach­ge­rech­ten Inter­es­sen­aus­gleich dar, mit dem die Tarif­ver­trags­par­tei­en den ihnen ein­ge­räum­ten wei­ten Hand­lungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten haben. Die getrof­fe­ne Rege­lung ist jeden­falls ver­tret­bar und schon aus die­sem Grun­de ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Ob die Tarif­ver­trags­par­tei­en damit auch die gerech­tes­te und zweck­mä­ßigs­te Lösung getrof­fen haben, ist von den Gerich­ten nicht zu prü­fen.

Ent­spre­chen­des gilt, soweit zur Bestim­mung der Start­gut­schrif­ten auf die am Umstel­lungs­stich­tag gel­ten­den Rechen­grö­ßen, ins­be­son­de­re die Lohn­steu­er­klas­se, abzu­stel­len ist.

Eben­so begeg­net es kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, wenn bei den ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten – anders als bei den ren­ten­fer­nen – im Rah­men der Berech­nung der gesamt­ver­sor­gungs­fä­hi­gen Zeit soge­nann­te Vor­dienst­zei­ten noch zur Hälf­te berück­sich­tigt wer­den. Denn damit wird nicht das bis­he­ri­ge Sys­tem als sol­ches auf­recht­erhal­ten, den ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten wer­den ledig­lich die Vor­tei­le der hälf­ti­gen Anrech­nung von Vor­dienst­zei­ten zur Wah­rung eines vor der Sys­tem­um­stel­lung erwor­be­nen Besitz­stan­des belas­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2008 – IV ZR 134/​07