Stu­fen­zu­ord­nung im Hoch­schul­be­reich

Das Grund­ge­halt von Pro­fes­so­ren an säch­si­schen Hoch­schu­len wird in den Besol­dungs­grup­pen der Besol­dungs­ord­nung W nach Stu­fen bemes­sen. Dabei Nach wer­den bei der ers­ten Stu­fen­zu­ord­nung Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Pro­fes­sor an einer deut­schen Hoch­schu­le und Zei­ten einer ver­gleich­ba­ren Tätig­keit im Aus­land, Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Lei­ter oder Mit­glied von Lei­tungs­gre­mi­en an einer deut­schen Hoch­schu­le und/​oder Zei­ten als Ver­tre­ter einer Pro­fes­sur, außer­plan­mä­ßi­ger Pro­fes­sor oder Hono­rar­pro­fes­sor an einer deut­schen Hoch­schu­le sowie Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung, wenn die Tätig­keit der eines Pro­fes­sors gleich­wer­tig ist, berück­sich­tigt, soweit es sich nicht um Zei­ten der beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung han­delt.

Stu­fen­zu­ord­nung im Hoch­schul­be­reich

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall haben Pro­fes­sor und Hoch­schu­le ihr Dienst­ver­hält­nis als Arbeits­ver­hält­nis aus­ge­stal­tet. Die­se Mög­lich­keit sieht § 69 Abs. 1 des Geset­zes über die Hoch­schu­len im Frei­staat Sach­sen vom 10.12 2008 (SächsHSG) 1 – seit 1.04.2014: § 69 Abs. 1 Gesetz über die Frei­heit der Hoch­schu­len im Frei­staat Sach­sen idF der Bekannt­ma­chung vom 15.01.2013 (SächsHSFG) 2 – aus­drück­lich vor. Danach kön­nen Pro­fes­so­ren zu Beam­ten auf Zeit oder auf Lebens­zeit ernannt oder in einem befris­te­ten oder unbe­fris­te­ten Arbeit­neh­mer­ver­hält­nis ein­ge­stellt wer­den.

Die dem Pro­fes­sor nach § 611 Abs. 1 BGB bzw. (seit 1.04.2017) nach § 611a Abs. 2 BGB zuste­hen­de Ver­gü­tung ist an beam­ten­recht­li­che Rege­lun­gen gekop­pelt. Gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 des Arbeits­ver­trags erhält er ein Ent­gelt in Höhe der Dienst­be­zü­ge, die ihm als Beam­ter der Hoch­schu­le nach der Besol­dungs­grup­pe W 3 zuste­hen wür­den, wobei gemäß der in § 9 des Arbeits­ver­trags ent­hal­te­nen Erset­zungs­re­ge­lung hin­sicht­lich der Gehalts­hö­he seit dem 1.04.2014 die Rege­lun­gen des Säch­si­schen Besol­dungs­ge­set­zes gel­ten. Von der Wirk­sam­keit der im Arbeits­ver­trag ent­hal­te­nen Bezug­nah­me­re­ge­lung geht das Lan­des­ar­beits­ge­richt ohne Wei­te­res aus. Ein Rechts­feh­ler ist inso­weit nicht zu erken­nen. Ins­be­son­de­re ist die Klau­sel in § 9 des Arbeits­ver­trags, nach der sich die Ver­trags­leis­tun­gen bei Ände­run­gen im Dienst­recht der Pro­fes­so­ren sowie der für die­se gel­ten­den besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen nach den dann gel­ten­den Neu­re­ge­lun­gen rich­ten sol­len, nicht iSv. § 305c Abs. 1 BGB über­ra­schend und des­halb Ver­trags­be­stand­teil. Die Rege­lung genügt – auch hin­sicht­lich der ent­hal­te­nen Dyna­mik – ange­sichts der Bestimm­bar­keit der im Zeit­punkt der jewei­li­gen Anwen­dung gel­ten­den in Bezug genom­me­nen dienst- und besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB 3. Einer wei­ter­ge­hen­den Inhalts­kon­trol­le gemäß §§ 307 ff. BGB unter­lie­gen die Ver­wei­sun­gen auf die für beam­te­te W 3‑Professoren gel­ten­den besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen nicht, weil sich nach ihnen der Umfang der von der Hoch­schu­le geschul­de­ten Ver­gü­tung und damit des­sen Haupt­leis­tungs­pflicht bestimmt 4. Die Höhe des Ent­gelts steht dabei nicht zur frei­en Dis­po­si­ti­on der Hoch­schu­le, son­dern ist an Rege­lun­gen des Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers gebun­den 5.

Rechts­grund­la­ge für die vom Pro­fes­sor bean­trag­te Stu­fen­zu­ord­nung ist § 82 Abs. 3 iVm. § 35 Abs. 4 Sächs­BesG. Soweit das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem­ge­gen­über § 35 Abs. 4 Sächs­BesG direkt und inso­weit unter Außer­acht­las­sung der Über­gangs­vor­schrift des § 82 Sächs­BesG zur Anwen­dung gebracht hat, ist dies zwar unzu­tref­fend, wirkt sich im Ergeb­nis aber nicht aus, weil gemäß § 82 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 2 Sächs­BesG die Rege­lun­gen in § 35 Abs. 4 Sächs­BesG, nach denen sich die Berück­sich­ti­gung von Vor­dienst­zei­ten bei der Stu­fen­fest­set­zung rich­tet, ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen sind.

Gemäß § 35 Abs. 1 Sächs­BesG wird das Grund­ge­halt von Pro­fes­so­ren an Hoch­schu­len in den Besol­dungs­grup­pen der Besol­dungs­ord­nung W nach Stu­fen bemes­sen. Das gilt gemäß der in § 82 Abs. 3 Satz 1 Sächs­BesG ent­hal­te­nen Über­gangs­vor­schrift auch für Pro­fes­so­ren in Ämtern der Besol­dungs­grup­pen W 3, die am 31.03.2014 in einem Dienst­ver­hält­nis zu einem der in § 1 Abs. 1 Satz 1 Sächs­BesG bezeich­ne­ten Dienst­herrn, dar­un­ter der beklag­ten Hoch­schu­le, stan­den, und denen am 31.03.2014 ein Amt der Besol­dungs­grup­pe W 3 über­tra­gen war. Sol­che Pro­fes­so­ren wur­den nach § 82 Abs. 3 Satz 1 Sächs­BesG am 1.04.2014 der Stu­fe 1 des Grund­ge­halts der Anla­ge 5 Sächs­BesG zuge­ord­net (Halbs. 1), wobei § 35 Abs. 4 Sächs­BesG ent­spre­chend gilt (Halbs. 2). Mit der Stu­fen­zu­ord­nung begann das Auf­stei­gen in den Stu­fen im Abstand von fünf Jah­ren bis zum Errei­chen der End­stu­fe (§ 82 Abs. 3 Satz 2 iVm. § 35 Abs. 3 Satz 3 Sächs­BesG), in der Besol­dungs­grup­pe W 3 nach Anla­ge 5 zu § 34 Abs. 1 Sächs­BesG also bis zum Errei­chen der Stu­fe 4.

Nach § 35 Abs. 4 Satz 1 Sächs­BesG wer­den bei der ers­ten Stu­fen­zu­ord­nung Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Pro­fes­sor an einer deut­schen Hoch­schu­le und Zei­ten einer ver­gleich­ba­ren Tätig­keit im Aus­land (Nr. 1 der Rege­lung), Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Lei­ter oder Mit­glied von Lei­tungs­gre­mi­en an einer deut­schen Hoch­schu­le (Nr. 2 der Rege­lung) und/​oder Zei­ten als Ver­tre­ter einer Pro­fes­sur, außer­plan­mä­ßi­ger Pro­fes­sor oder Hono­rar­pro­fes­sor an einer deut­schen Hoch­schu­le sowie Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung, wenn die Tätig­keit der eines Pro­fes­sors gleich­wer­tig ist (Nr. 3 der Rege­lung), berück­sich­tigt, soweit es sich nicht um Zei­ten der beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung han­delt. Gemäß § 35 Abs. 4 Satz 2 Sächs­BesG kön­nen dar­über hin­aus Zei­ten einer den in Satz 1 Nr. 2 genann­ten Lei­tungs­tä­tig­kei­ten ver­gleich­ba­ren haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit an einer Hoch­schu­le im Aus­land oder außer­halb des Hoch­schul­be­reichs berück­sich­tigt wer­den, soweit die­se für die Ver­wen­dung för­der­lich sind. Da die Stu­fen­zu­ord­nung, die den Beam­ten nach § 82 Abs. 6 Sächs­BesG schrift­lich mit­zu­tei­len ist, die dau­er­haf­te Grund­la­ge für Höhe ihrer Besol­dung ab dem 1.04.2014 bil­det, ist für die Beur­tei­lung, ob anre­chen­ba­re Zei­ten iSv. § 35 Abs. 4 Sächs­BesG vor­lie­gen, auf die zu die­sem Zeit­punkt bestehen­de Sach- und Rechts­la­ge abzu­stel­len.

Im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Hoch­schu­le für den Pro­fes­sor die Stu­fe 1 der Besol­dungs­grup­pe W 3 fest­ge­setzt und hier­bei aus­schließ­lich die Zeit der Tätig­keit des Pro­fes­sors als Pro­fes­sor an der Hoch­schu­le Z vom 01.10.2011 bis zum 31.03.2014 berück­sich­tigt. Die vom Pro­fes­sor nach § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG begehr­te zusätz­li­che Berück­sich­ti­gung der Zeit sei­ner vor­her­ge­hen­den, ab Novem­ber 2006 erbrach­ten Tätig­keit, hat die Hoch­schu­le und ihr fol­gend das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt 6 mit der Begrün­dung abge­lehnt, die vom Pro­fes­sor haupt­be­ruf­lich aus­ge­üb­te Tätig­keit bei der B GmbH bzw. der H GmbH sei der eines Pro­fes­sors nicht gleich­wer­tig. Dies ist nicht frei von Rechts­feh­lern.

Zutref­fend ist aller­dings die Annah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die von § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG vor­aus­ge­setz­te "Haupt­be­ruf­lich­keit" sei ledig­lich im Hin­blick auf die Tätig­keit des Pro­fes­sors bei der B GmbH bzw. der H GmbH gege­ben, was eine auch nur ergän­zen­de Berück­sich­ti­gung der vom Pro­fes­sor an der FH Ber­lin ver­rich­te­ten Lehr­tä­tig­keit aus­schlie­ße.

Nach § 3 Sächs­BesG ist der Tat­be­stand der Haupt­be­ruf­lich­keit einer Tätig­keit als erfüllt anzu­se­hen, wenn sie ent­gelt­lich aus­ge­übt wird, den Schwer­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit dar­stellt, in der Regel den über­wie­gen­den Teil der Arbeits­kraft bean­sprucht sowie dem durch Aus­bil­dung und Berufs­wahl gepräg­ten Berufs­bild ent­spricht und in dem in einem Beam­ten- oder Rich­ter­ver­hält­nis zuläs­si­gen Umfang abge­leis­tet wird, wobei auf die beam­ten- und rich­ter­recht­li­chen Vor­schrif­ten zum Zeit­punkt der Tätig­keit abzu­stel­len ist. Mit die­ser in Abschnitt 1 des Geset­zes (All­ge­mei­ne Vor­schrif­ten) ent­hal­te­nen Legal­de­fi­ni­ti­on hat der säch­si­sche Gesetz­ge­ber, wie sich aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt, die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 7 in Über­ein­stim­mung mit dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch für das Ver­sor­gungs­recht des Bun­des aner­kann­te Bestim­mung des Begriffs der Haupt­be­ruf­lich­keit für den Gel­tungs­be­reich des Säch­si­schen Besol­dungs­ge­set­zes zur Klar­stel­lung über­nom­men 8. Es ist des­halb davon aus­zu­ge­hen, dass mit den in § 3 Sächs­BesG ent­hal­te­nen Merk­ma­len die haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit ins­be­son­de­re von einer Tätig­keit abge­grenzt wer­den soll, die die Arbeits­kraft nur neben­bei bean­sprucht oder neben einer haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit nur als Neben­tä­tig­keit, Neben­amt oder Neben­be­schäf­ti­gung wahr­ge­nom­men wer­den kann.

Nach den nicht ange­grif­fe­nen und damit für das Bun­des­ar­beits­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) hat der Pro­fes­sor sei­ne Tätig­keit als Lehr­be­auf­trag­ter an der FH Ber­lin im Rah­men einer Neben­tä­tig­keit erbracht. In der Revi­si­on stellt der Pro­fes­sor auch nicht in Abre­de, dass die zeit­gleich am A erfolg­te Beschäf­ti­gung den Schwer­punkt sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit bil­de­te. Er meint ledig­lich, § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG erfas­se auch den Fall, dass der Betrof­fe­ne neben einer für sich genom­men haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit zusätz­li­che Tätig­kei­ten über­nom­men habe, die in der Zusam­men­schau mit der haupt­be­ruf­lich aus­ge­üb­ten Tätig­keit die Gleich­wer­tig­keit mit der Tätig­keit eines Pro­fes­sors begrün­de­ten. Das kann nicht über­zeu­gen.

Der Annah­me des Pro­fes­sors steht ent­ge­gen, dass die in § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG vor­aus­ge­setz­te Gleich­wer­tig­keit mit der Tätig­keit eines Pro­fes­sors nach dem Wort­laut des Geset­zes in der haupt­be­ruf­lich aus­ge­üb­ten wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung erfüllt sein muss. Soweit damit Neben­tä­tig­kei­ten, die der Betrof­fe­ne für einen Drit­ten erbracht hat, auch dann außer Betracht blei­ben, wenn sie für die Über­nah­me einer Tätig­keit als Pro­fes­sor för­der­lich sind, ent­spricht dies dem in der Geset­zes­be­grün­dung zum Aus­druck gebrach­ten Wil­len des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers, über die aus­drück­lich benann­ten Tätig­kei­ten hin­aus kei­ne wei­te­ren Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten anzu­er­ken­nen 9. Die­se Ent­schei­dung hält sich in dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers 10.

Soweit das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern für sei­nen Geschäfts­be­reich in einem Rund­schrei­ben vom 25.10.2013 11 von der Mög­lich­keit aus­geht, eine "Haupt­be­ruf­lich­keit" iSv. § 32b BBesG in einem Fall anzu­neh­men, in dem ein Lehr­be­auf­trag­ter meh­re­re Lehr­auf­trä­ge an ver­schie­de­nen Hoch­schu­len aus­übt und dies sei­nen Tätig­keits­schwer­punkt bil­det, las­sen sich dar­aus ange­sichts des Aus­nah­me­cha­rak­ters der behan­del­ten Kon­stel­la­ti­on kei­ne ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen Schlüs­se zie­hen. Ent­spre­chen­des gilt, soweit nach der Ver­wal­tungs­vor­schrift Nr. 3.6 zu § 3 Sächs­BesG des Säch­si­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen zum Voll­zug des Säch­si­schen Besol­dungs­ge­set­zes vom 17.11.2015 12 inhalt­lich sehr ähn­li­che Tätig­kei­ten zum sel­ben Arbeit­ge­ber aus­nahms­wei­se zu einer Tätig­keit zusam­men­ge­fasst wer­den kön­nen. Davon ist vor­lie­gend gera­de nicht aus­zu­ge­hen. Bei den Tätig­kei­ten an der FH Ber­lin han­delt es sich um sol­che, die der Pro­fes­sor im Rah­men beson­de­rer, mit die­ser Hoch­schu­le geschlos­se­ner Lehr­auf­trä­ge wahr­ge­nom­men hat. Umstän­de, die zu der Annah­me berech­ti­gen könn­ten, er habe mit der Über­nah­me der Lehr­auf­trä­ge eine Ver­pflich­tung aus dem Arbeits­ver­hält­nis mit der B GmbH bzw. der H GmbH erfüllt, sind weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich. Dass die Wahr­neh­mung der Auf­ga­be, wie dies in einem vor­in­stanz­lich ein­ge­reich­ten Schrei­ben des stell­ver­tre­ten­den Insti­tuts­lei­ters anklingt, befür­wor­tet wor­den sein mag, reicht für eine Zurech­nung nicht aus. Ob andern­falls die Tätig­keit als Lehr­be­auf­trag­ter an der Hoch­schu­le berück­sich­ti­gungs­fä­hig sein könn­te, bedarf kei­ner Ent­schei­dung.

Hin­sicht­lich der haupt­be­ruf­lich aus­ge­üb­ten Tätig­keit des Pro­fes­sors hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zwar nicht aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass es sich bei der vor­ma­li­gen B GmbH und der H GmbH um For­schungs­ein­rich­tun­gen iSd. § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG han­delt. Das steht zwi­schen den Par­tei­en aber außer Streit. Anhalts­punk­te, die dem ent­ge­gen­ste­hen könn­ten, sind nicht ersicht­lich.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt kann fer­ner davon aus­ge­hen, dass es sich bei der ab Novem­ber 2006 ver­rich­te­ten Tätig­keit des Pro­fes­sors als stell­ver­tre­ten­der Abtei­lungs­lei­ter und als Betriebs­lei­ter des A um eine wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit iSv. § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG gehan­delt hat.

Wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit ist alles, was nach Inhalt und Form als ernst­haf­ter, plan­mä­ßi­ger Ver­such zur Ermitt­lung der Wahr­heit anzu­se­hen ist. Sie ist nach Auf­ga­ben­stel­lung und anzu­wen­den­der Arbeits­me­tho­de dar­auf ange­legt, neue Erkennt­nis­se zu gewin­nen und zu ver­ar­bei­ten, um den Erkennt­nis­stand der jewei­li­gen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin zu sichern oder zu erwei­tern 13. Zur wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tung kann – anders als eine Lehr­tä­tig­keit ohne Wis­sen­schafts­be­zug – auch die Ver­mitt­lung von Fach­wis­sen und prak­ti­schen Fer­tig­kei­ten und die Unter­wei­sung in der Anwen­dung wis­sen­schaft­li­cher Metho­den gehö­ren.

Abzu­gren­zen ist die wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit von rein admi­nis­tra­tiv gepräg­ten Tätig­kei­ten. Die für die Orga­ni­sa­ti­on einer For­schungs­ein­rich­tung not­wen­di­ge Ver­wal­tungs­ar­beit, die erst die Vor­aus­set­zun­gen schafft, auf deren Grund­la­ge Wis­sen­schaft und For­schung über­haupt betrie­ben wer­den kann, ist nicht als wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit zu qua­li­fi­zie­ren, auch wenn sie von einem Wis­sen­schaft­ler wahr­ge­nom­men wird. Umge­kehrt kön­nen Auf­ga­ben im Bereich des sog. Wis­sen­schafts­ma­nage­ments der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit zuzu­ord­nen sein, soweit die kon­kret zuge­wie­se­nen Arbei­ten, wie zB die Ent­wick­lung von Pro­jekt­ide­en, wis­sen­schaft­li­cher Art sind 14.

Misch­tä­tig­kei­ten sind bei der Stu­fen­zu­ord­nung nach § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Sächs­BesG zu berück­sich­ti­gen, wenn die wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen über­wie­gen oder der Gesamt­tä­tig­keit des Betrof­fe­nen an der For­schungs­ein­rich­tung das Geprä­ge geben 15. Dafür trägt grund­sätz­lich der­je­ni­ge die Dar­le­gungs- und Beweis­last, der die Berück­sich­ti­gung sei­ner an einer For­schungs­ein­rich­tung geleis­te­ten Vor­dienst­zei­ten bei der Stu­fen­fest­set­zung ver­langt, vor­lie­gend also der Pro­fes­sor.

Bei der im Streit­fall vor­zu­neh­men­den Cha­rak­te­ri­sie­rung der Tätig­keit des Pro­fes­sors darf jedoch nicht außer Acht blei­ben, dass die Hoch­schu­le im Rah­men der Fest­stel­lung der Beru­fungs­vor­aus­set­zun­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren der Hoch­schu­le Z die Beschäf­ti­gungs­zei­ten des Pro­fes­sors bei frü­he­ren Arbeit­ge­bern ab Novem­ber 2002 als Zei­ten im Sin­ne von § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG aner­kannt hat. Nach die­ser Bestim­mung wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Beru­fung als Pro­fes­sor – neben wei­te­ren Anfor­de­run­gen – ua. durch beson­de­re Leis­tun­gen bei der Anwen­dung oder Ent­wick­lung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se und Metho­den in einer in der Regel fünf­jäh­ri­gen beruf­li­chen Pra­xis, von der min­des­tens drei Jah­re außer­halb des Hoch­schul­be­reichs aus­ge­übt wor­den sein müs­sen, nach­ge­wie­sen. Die Hoch­schu­le selbst ist damit bei der Fest­stel­lung der Beru­fungs­vor­aus­set­zun­gen davon aus­ge­gan­gen, dass der Pro­fes­sor ab Novem­ber 2002 wis­sen­schaft­lich gear­bei­tet hat. Vor die­sem Hin­ter­grund war die Behaup­tung des Pro­fes­sors, sei­ne Vor­be­schäf­ti­gung sei als wis­sen­schaft­lich zu qua­li­fi­zie­ren, zunächst aus­rei­chend. Es oblag sodann der Hoch­schu­le, Umstän­de dar­zu­tun, die erken­nen las­sen, war­um eine Tätig­keit, die sie im Rah­men des Beru­fungs­ver­fah­rens als wis­sen­schaft­lich ange­se­hen hat, bei der Stu­fen­fest­set­zung anders zu qua­li­fi­zie­ren sein soll. An sol­chem erheb­li­chem Vor­brin­gen fehlt es im vor­lie­gen­den Streit­fall.

Unzu­tref­fend ist aller­dings die Annah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Kla­ge sei man­gels schlüs­si­gen Vor­trags des Pro­fes­sors zu der von § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG ver­lang­ten Gleich­wer­tig­keit sei­ner Vor­tä­tig­keit mit der Tätig­keit eines Pro­fes­sors unbe­grün­det. Die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung lässt nicht erken­nen, dass das Beru­fungs­ge­richt inso­weit von zutref­fen­den Bewer­tungs­maß­stä­ben aus­ge­gan­gen ist. Das rügt die Revi­si­on zu Recht.

Das Säch­si­sche Besol­dungs­ge­setz gibt nicht vor, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine haupt­be­ruf­li­che wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung der eines Pro­fes­sors gleich­wer­tig ist. Die Geset­zes­be­grün­dung zum Erlass des Säch­si­schen Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­set­zes ist inso­weit uner­gie­big. § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Sächs­BesG wur­de erst auf­grund der Beschluss­emp­feh­lung des Haus­halts- und Finanz­aus­schus­ses in den Gesetz­ent­wurf auf­ge­nom­men 16. Eine auf die Bestim­mung zuge­schnit­te­ne Begrün­dung ist in den Mate­ria­li­en nicht ent­hal­ten.

Was unter dem Merk­mal der Gleich­wer­tig­keit zu ver­ste­hen ist, erschließt sich jedoch unter Berück­sich­ti­gung der Rege­lun­gen in § 32b Abs. 1 Satz 2, § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BBesG in der seit dem 1.01.2013 gül­ti­gen Fas­sung des Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­neu­re­ge­lungs­ge­set­zes vom 11.06.2013 17 und den betref­fen­den Geset­zes­ma­te­ria­li­en.

Gemäß § 32b Abs. 1 Satz 2 BBesG kön­nen bei der ers­ten Stu­fen­fest­set­zung unter dort näher beschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen Zei­ten einer haupt­be­ruf­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit an einer öffent­lich geför­der­ten in- oder aus­län­di­schen For­schungs­ein­rich­tung oder bei einer inter­na­tio­na­len For­schungs­or­ga­ni­sa­ti­on als Erfah­rungs­zei­ten aner­kannt wer­den, wenn die Tätig­keit der­je­ni­gen eines in die Besol­dungs­grup­pe W 2 oder W 3 ein­ge­stuf­ten Pro­fes­sors gleich­wer­tig ist. § 28 Abs. 1 Satz 1 BBesG bestimmt, wel­che Zei­ten Beam­ten und Sol­da­ten bei der ers­ten Stu­fen­fest­set­zung als Erfah­rungs­zei­ten iSv. § 27 Abs. 2 BBesG anzu­er­ken­nen sind oder aner­kannt wer­den kön­nen, und stellt dabei ins­be­son­de­re (in Nr. 1) auf Zei­ten einer "gleich­wer­ti­gen haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit" außer­halb eines Sol­da­ten­ver­hält­nis­ses ab.

Nach der Ent­wurfs­be­grün­dung des Geset­zes zur Neu­ord­nung und Moder­ni­sie­rung des Bun­des­dienst­rechts zu § 28 BBesG 18 ist eine Tätig­keit immer dann als gleich­wer­tig anzu­se­hen, wenn sie in ihrer Wer­tig­keit und Schwie­rig­keit jeden­falls zum über­wie­gen­den Teil der Funk­ti­ons­ebe­ne des kon­kre­ten Dienst­pos­tens ent­spricht 19. Die­se Begriffs­be­stim­mung ist ersicht­lich nicht spe­zi­fisch auf den Anwen­dungs­be­reich von § 28 BBesG zuge­schnit­ten. Sie ent­hält viel­mehr einen ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen Maß­stab, der auch bei der Anwen­dung von § 32b BBesG her­an­zu­zie­hen ist 20. Ange­sichts der Ver­gleich­bar­keit der in § 32b Abs. 1 Satz 2 BBesG und § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG gere­gel­ten Gegen­stän­de bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass sich der säch­si­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber bei der Ver­wen­dung des Begriffs der "Gleich­wer­tig­keit" nicht an die zeit­lich frü­her erlas­se­ne bun­des­recht­li­che Besol­dungs­re­ge­lung ange­lehnt hat. Den Mate­ria­li­en zum Säch­si­schen Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz ist ein abwei­chen­der Rege­lungs­wil­le nicht zu ent­neh­men. Es ist des­halb davon aus­zu­ge­hen, dass der in § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG ver­wen­de­te Begriff der "Gleich­wer­tig­keit" die glei­che Bedeu­tung hat wie er der Rege­lung in § 32b BBesG zugrun­de liegt.

Eine vor­he­ri­ge Tätig­keit ist hier­nach gleich­wer­tig iSv. § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Alt. 4 Sächs­BesG, wenn sie in ihrer Bedeu­tung, dh. ihrer Wer­tig­keit und Schwie­rig­keit min­des­tens der Tätig­keit eines Pro­fes­sors ent­spricht, und zwar unab­hän­gig von der kon­kre­ten Fach­rich­tung und Funk­ti­on. Dies erfor­dert, die in der Vor­tä­tig­keit zu erbrin­gen­den Auf­ga­ben vor­nehm­lich hin­sicht­lich der dabei wahr­zu­neh­men­den Per­so­nal, Pro­jekt- und wis­sen­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung in den Blick zu neh­men, wobei die Ein­nah­me einer Lei­tungs­funk­ti­on an einer For­schungs­ein­rich­tung, etwa als Lei­ter einer For­schungs­grup­pe, eine Gleich­wer­tig­keit mit der Tätig­keit eines Pro­fes­sors indi­zie­ren kann 21. In Betracht zu zie­hen ist auch die Ver­gü­tung, weil deren Höhe ein Indiz für die Wer­tig­keit der Vor­tä­tig­keit sein kann. Dem­ge­gen­über ist unbe­acht­lich, ob in der Vor­tä­tig­keit über­wie­gend Auf­ga­ben wahr­ge­nom­men wur­den, die nach § 67 SächsHSFG typi­scher­wei­se zu den Dienst­auf­ga­ben eines Pro­fes­sors zäh­len. Eben­so wenig kann es dar­auf ankom­men, dass die Tätig­keit eines Pro­fes­sors nach § 4 SächsHSFG in beson­de­rem Maße vom Grund­satz der Frei­heit und Leh­re geprägt ist. Dass Wis­sen­schaft­ler an For­schungs­ein­rich­tun­gen außer­halb des Hoch­schul­be­reichs eine Viel­zahl der einem Pro­fes­sor oblie­gen­den Dienst­auf­ga­ben man­gels Über­tra­gung eines sol­chen Amts nicht wahr­neh­men kön­nen, und dass sie in fach­li­cher Hin­sicht Wei­sungs­rech­ten sei­tens ihres Arbeit­ge­bers oder sons­ti­gen Dienst­herrn unter­lie­gen, liegt in der Natur der Sache und war dem säch­si­schen Gesetz­ge­ber bei der Schaf­fung der Rege­lung in § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Sächs­BesG bewusst. Das Gesetz dif­fe­ren­ziert inso­weit in den ver­schie­de­nen Alter­na­ti­ven die­ser Bestim­mung zwi­schen Tätig­kei­ten als Pro­fes­sor und Ver­tre­ter einer Pro­fes­sur an einer deut­schen Hoch­schu­le einer­seits und Zei­ten der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung ande­rer­seits. Nach der Grund­struk­tur des § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 Sächs­BesG wird damit zwi­schen der Tätig­keit an einer Hoch­schu­le und einer For­schungs­ein­rich­tung unter­schie­den, die jeweils durch unter­schied­li­che Vor­aus­set­zun­gen gekenn­zeich­net sind. Das Erfor­der­nis der Gleich­wer­tig­keit kommt dabei nur für die Alter­na­ti­ve der Tätig­keit in einer For­schungs­ein­rich­tung zum Tra­gen 22.

Die Begrün­dung des Beru­fungs­ur­teils lässt nicht erken­nen, wel­chen Beur­tei­lungs­maß­stab das Lan­des­ar­beits­ge­richt zur Fest­stel­lung der Gleich­wer­tig­keit der Tätig­keit ange­legt hat.

Das betrifft zunächst die Aus­füh­run­gen zur Stel­lung des Pro­fes­sors als stell­ver­tre­ten­der Abtei­lungs­lei­ter und Betriebs­lei­ter. Die­se ord­net das Beru­fungs­ge­richt zwar als "her­aus­ge­ho­be­ne Ver­wal­tungs­funk­ti­on" ein, meint aber, hier­aus las­se sich nicht eine über­wie­gend wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit ablei­ten. Damit ist jedoch die feh­len­de Gleich­wer­tig­keit der vor­he­ri­gen Tätig­keit in For­schungs­ein­rich­tun­gen nach Wer­tig­keit und Schwie­rig­keit nicht belegt. Soweit das Lan­des­ar­beits­ge­richt zum Aus­druck brin­gen will, die Lei­tungs­tä­tig­keit als Kern­auf­ga­be des Pro­fes­sors sei schon nicht über­wie­gend als wis­sen­schaft­li­che anzu­se­hen, geht dies fehl, weil die Hoch­schu­le, wie gezeigt, der Behaup­tung des Pro­fes­sors, sei­ne Tätig­keit sei in ihrer Gesamt­heit als "wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit an einer For­schungs­ein­rich­tung" anzu­se­hen, nicht aus­rei­chend ent­ge­gen­ge­tre­ten ist.

Im Wei­te­ren ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zwar zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass der Pro­fes­sor bei der Betreu­ung uni­ver­si­tä­rer Abschluss­ar­bei­ten und Dis­ser­ta­tio­nen nicht als Gut­ach­ter tätig gewor­den und dass sei­ne Auf­ga­ben in der For­schung nicht iden­tisch mit den Dienst­auf­ga­ben eines Pro­fes­sors gewe­sen sind. Das ist indes zur Fest­stel­lung der Gleich­wer­tig­keit auch nicht erfor­der­lich. Die Aus­ein­an­der­set­zung des Beru­fungs­ge­richts mit die­sen Punk­ten macht aller­dings deut­lich, dass es nach inhalt­li­chen Über­ein­stim­mun­gen mit den Dienst­auf­ga­ben eines Hoch­schul­pro­fes­sors gesucht hat, auf die es jedoch nicht maß­geb­lich ankommt.

Von wel­chen Anfor­de­run­gen an die Qua­li­tät wis­sen­schaft­li­cher Leis­tun­gen eines Pro­fes­sors das Beru­fungs­ge­richt im Übri­gen aus­ge­gan­gen ist, soweit es etwa mit Blick auf Publi­ka­tio­nen des Pro­fes­sors und sei­ne Auf­ga­ben in der For­schung gemeint hat, es sei nicht dar­ge­tan, dass die­se das erfor­der­li­che Niveau erreich­ten, ist nicht zu erken­nen. Die Wür­di­gung ist zudem unge­nau. Ihr ist nicht zu ent­neh­men, wel­che kon­kre­ten For­schungs­auf­ga­ben des Pro­fes­sors das Lan­des­ar­beits­ge­richt sei­ner Beur­tei­lung zugrun­de gelegt hat. Damit fehlt es ins­ge­samt an einer trag­fä­hi­gen Grund­la­ge für die zur Fest­stel­lung der Gleich­wer­tig­keit im Rah­men einer Gesamt­schau vor­zu­neh­men­de Bewer­tung der wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit des Pro­fes­sors.

Da sich die Wür­di­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts bereits aus mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den als rechts­feh­ler­haft erweist, kommt es auf die Ver­fah­rens­rügen der Revi­si­on nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich an.

Die kla­ge­ab­wei­sen­de Ent­schei­dung des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts 6 stellt sich nicht aus ande­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Das Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Pro­fes­sors ist nicht des­halb unbe­grün­det, weil die­ser die Zeit der in Rede ste­hen­den Vor­tä­tig­keit nach § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG als Vor­aus­set­zung für die Beru­fung des Pro­fes­sors zum Pro­fes­sor berück­sich­tigt hat, und des­halb eine Berück­sich­ti­gung der Vor­be­schäf­ti­gungs­zeit unab­hän­gig von einer ggf. vor­lie­gen­den Gleich­wer­tig­keit nicht in Betracht käme.

§ 35 Abs. 4 Satz 1 Sächs­BesG nimmt nicht expli­zit Vor­tä­tig­kei­ten eines Pro­fes­sors, die bereits bei des­sen Beru­fung als berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Zei­ten iSv. § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG ange­se­hen wur­den, von einer Anrech­nung bei der Stu­fen­zu­ord­nung aus. Aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen ist die Berück­sich­ti­gung einer Vor­tä­tig­keit bei der Stu­fen­zu­ord­nung ledig­lich hin­sicht­lich sol­cher Zei­ten, die der beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung die­nen. Aller­dings könn­te bei wei­tem Ver­ständ­nis des Begriffs der beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung für die Rechts­auf­fas­sung der Hoch­schu­le spre­chen, dass § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG einen spe­zi­fi­schen berufs­prak­ti­schen Qua­li­fi­zie­rungs­weg zum Amt eines Pro­fes­sors regelt, der nach § 58 Abs. 4 SächsHSG ins­be­son­de­re für Pro­fes­so­ren an Fach­hoch­schu­len maß­geb­lich ist 23.

Ob Tätig­kei­ten eines Pro­fes­sors, die bereits bei des­sen Beru­fung als berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Zei­ten iSv. § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG ange­se­hen wur­den, im Rah­men des § 35 Abs. 4 Satz 1 letz­ter Halb­satz Sächs­BesG unbe­rück­sich­tigt zu blei­ben haben, bedarf im Streit­fall kei­ner abschlie­ßen­den Erör­te­rung.

Selbst wenn der Argu­men­ta­ti­on der Hoch­schu­le zu fol­gen wäre, kann nicht außer Acht blei­ben, dass in § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG beson­de­re Leis­tun­gen bei der Anwen­dung oder Ent­wick­lung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se und Metho­den ledig­lich in einer in der Regel fünf­jäh­ri­gen beruf­li­chen Pra­xis ver­langt wer­den, wobei von die­ser Zeit min­des­tens drei Jah­re außer­halb des Hoch­schul­be­reichs aus­ge­übt wor­den sein müs­sen. Die Hoch­schu­le, die nach ihrem eige­nen Vor­brin­gen im Rah­men des Beru­fungs­ver­fah­rens die Vor­aus­set­zun­gen des § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG durch eine vom Pro­fes­sor seit 2002 geleis­te­te Vor­tä­tig­keit als erfüllt ange­se­hen hat, hat nicht dar­ge­legt, dass aus Sicht der Beru­fungs­kom­mis­si­on für die Beru­fung des Pro­fes­sors abwei­chend von der in § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG nor­mier­ten Regel auf einen län­ge­ren Zeit­raum als von fünf Jah­ren abzu­stel­len gewe­sen wäre. In dem bei­gebrach­ten Pro­to­koll ist hier­über nichts ver­merkt. Das wäre aber zu erwar­ten gewe­sen, da Abwei­chun­gen von der im Gesetz nor­mier­ten Regel einer Begrün­dung bedür­fen.

Unter die­sen Umstän­den kann für den vor­lie­gen­den Fall die Rechts­auf­fas­sung der Hoch­schu­le als zutref­fend unter­stellt wer­den, weil auch dann allen­falls ein Teil der streit­ge­gen­ständ­li­chen Vor­be­schäf­ti­gungs­zeit als Zeit der beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung iSv. § 35 Abs. 4 Satz 1 letz­ter Halb­satz Sächs­BesG anzu­se­hen wäre. Von der ab Novem­ber 2002 bis zu sei­ner Ein­stel­lung als Pro­fes­sor am 1.10.2011 (acht Jah­re und elf Mona­te) geleis­te­ten Tätig­keit des Pro­fes­sors ver­blie­be dann aber immer noch eine Zeit von drei Jah­ren und elf Mona­ten, die nicht durch eine Her­an­zie­hung zur Erfül­lung der Beru­fungs­vor­aus­set­zun­gen nach § 58 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c SächsHSG (fünf­jäh­ri­ge beruf­li­che Pra­xis) ver­braucht wäre. Dies wie­der­um führ­te unter der Prä­mis­se, dass die seit Novem­ber 2006 erbrach­te Vor­tä­tig­keit des Pro­fes­sors der eines Pro­fes­sors gleich­wer­tig ist, dazu, dass bezüg­lich sei­ner Stu­fen­zu­ord­nung Zei­ten von mehr als fünf Jah­ren zu berück­sich­ti­gen wären und damit die Vor­aus­set­zun­gen für eine Fest­set­zung der Stu­fe 2 Besol­dungs­grup­pe W 3 ab dem 1.04.2014 vor­lä­gen, die Kla­ge also Erfolg hät­te.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt kann nach der gebo­te­nen Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils (§ 562 Abs. 1 ZPO) man­gels aus­rei­chen­der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht ent­schei­den, ob die Kla­ge begrün­det ist. Die Sache ist des­halb gemäß § 563 Abs. 1 ZPO zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Das bis­he­ri­ge Vor­brin­gen des Pro­fes­sors zur Gleich­wer­tig­keit sei­ner Vor­tä­tig­keit mit der eines Pro­fes­sors ist nicht unsub­stan­ti­iert. Im Beru­fungs­ver­fah­ren hat er detail­lier­te Aus­füh­run­gen zu Gegen­stand und Inhalt sei­ner Arbeits­auf­ga­ben gemacht. Hin­sicht­lich sei­ner unstrei­ti­gen Lei­tungs­funk­ti­on hat er aus­ge­führt, die­se habe ein auf die Durch­füh­rung kon­kre­ter Pro­jek­te bezo­ge­nes "Wis­sen­schafts­ma­nage­ment" beinhal­tet, und er habe Pro­jekt­ver­ant­wor­tung getra­gen. Aller­dings hat der Pro­fes­sor bezüg­lich der ange­führ­ten Ein­zel­tä­tig­kei­ten nicht nach Zeit­an­tei­len dif­fe­ren­ziert. Ob und inwie­weit dies gebo­ten und ob ggf. wei­te­rer Sach­vor­trag erfor­der­lich ist, wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt, dem inso­weit ein tatrich­ter­li­cher Beur­tei­lungs­spiel­raum zukommt, zu prü­fen und zu bewer­ten haben. Erfor­der­li­chen­falls wird es auf eine Ergän­zung des Par­tei­vor­brin­gens hin­zu­wir­ken haben.

Soll­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Rah­men sei­ner erneu­ten Prü­fung zu dem Ergeb­nis gelan­gen, die Vor­tä­tig­keit des Pro­fes­sors sei der eines Pro­fes­sors nicht gleich­wer­tig, wird es nach der­zei­ti­gem Ver­fah­rens­stand davon aus­ge­hen kön­nen, dass über die von der Hoch­schu­le ohne­hin berück­sich­tig­ten Zei­ten kei­ne wei­te­ren iSv. § 35 Abs. 4 Sächs­BesG anrech­nungs­fä­hi­gen Zei­ten vor­lie­gen. Der Pro­fes­sor hat sich weder auf ande­re in Nr. 3 der Bestim­mung auf­ge­führ­te Alter­na­ti­ven beru­fen noch hat er zu einer gebo­te­nen Berück­sich­ti­gung von Vor­be­schäf­ti­gungs­zei­ten nach der "Kann-Bestim­mung" in § 35 Abs. 4 Satz 2 Sächs­BesG Vor­trag geleis­tet.

Ande­re Grün­de, die der Kla­ge zum Erfolg ver­hel­fen könn­ten, lie­gen nicht vor. Der säch­si­sche Gesetz­ge­ber hat mit dem Erlass des Säch­si­schen Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­set­zes ein an der Berufs­er­fah­rung und an Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten aus­ge­rich­te­tes Besol­dungs­sys­tem ein­ge­führt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits ent­schie­den, dass dage­gen ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern ist 24. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat eben­falls zum Säch­si­schen Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz erkannt, dass das neue Besol­dungs­sys­tem mit den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/​78/​EG ver­ein­bar ist 25. Die dage­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men 26. Für eine abwei­chen­de Beur­tei­lung der streit­ge­gen­ständ­lich auf­ge­wor­fe­nen Besol­dungs­fra­gen besteht kei­ne Ver­an­las­sung.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Okto­ber 2019 – 5 AZR 423/​18

  1. Sächs­GVBl. S. 900[]
  2. Sächs­GVBl. S. 3[]
  3. vgl. BAG 30.11.2010 – 3 AZR 798/​08, Rn. 29, BAGE 136, 222 [zur Ver­wei­sung auf das Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz][]
  4. vgl. BAG 30.11.2010 – 3 AZR 798/​08, Rn. 26 mwN, aaO[]
  5. vgl. BAG 14.03.2007 – 5 AZR 630/​06, Rn. 24, 25 mwN, BAGE 122, 12[]
  6. Sächs. LAG 20.03.2018 – 7 Sa 135/​17 (3) [][]
  7. BVerwG 24.06.2008 – 2 C 5/​07; 25.05.2005 – 2 C 20/​04; jeweils zu § 11 Nr. 1 Buchst. b, § 10 Abs. 1 Nr. 1 BeamtVG[]
  8. vgl. LT-Drs. 4/​14858 S.19 f., inso­weit zu § 17a Sächs­BesG idF des Sechs­ten Geset­zes zur Ände­rung des Säch­si­schen Besol­dungs­ge­set­zes vom 19.06.2009[]
  9. vgl. LT-Drs. 5/​12230 S. 349; eben­so Säch­si­sches OVG 27.08.2019 – 2 A 643/​17, Rn. 14, 15[]
  10. zu die­sem vgl. BVerwG 27.06.2019 – 2 B 7/​18, Rn. 18 mwN[]
  11. GMBl. S. 1201, 1204[]
  12. Sächs.ABl. SDr.2016 S. S 2[]
  13. BAG 19.12 2018 – 7 AZR 79/​17, Rn. 21, BAGE 164, 381; 25.04.2018 – 7 AZR 82/​16, Rn. 16; jeweils mwN[]
  14. vgl. BAG 28.01.1998 – 7 AZR 677/​96, zu II 4 der Grün­de, BAGE 87, 362[]
  15. eben­so zur Wirk­sam­keit einer Befris­tung von Arbeits­ver­trä­gen nach dem WissZeitVG BAG 19.12 2018 – 7 AZR 79/​17, Rn. 24, BAGE 164, 381; zur Befris­tung nach dem HRG vgl. BAG 28.01.1998 – 7 AZR 677/​96, zu II 4 der Grün­de, BAGE 87, 362[]
  16. vgl. LT-Drs. 5/​12840[]
  17. BGBl. I S. 1514[]
  18. vgl. BT-Drs. 16/​7076 S. 139[]
  19. vgl. dazu OVG Ber­lin-Bran­den­burg 14.12 2015 – OVG 4 B 35.14[]
  20. vgl. Plog/​Wiedow BBG Stand Okto­ber 2017 § 32b BBesG Rn. 63, 64; Clemens/​Millak/​Engelking/​Lantermann/​Henkel Besol­dungs­recht des Bun­des und der Län­der Stand Okto­ber 2019 § 28 BBesG Rn. 7; Kuhl­mey in Schwegmann/​Summer Besol­dungs­recht des Bun­des und der Län­der Stand Novem­ber 2019 § 28 BBesG Rn. 18; sie­he auch das Rund­schrei­ben des BMI vom 25.10.2013 [GMBl. S. 1201, 1204 ff.][]
  21. vgl. Rund­schrei­ben des BMI vom 25.10.2013, GMBl. S. 1201, 1206[]
  22. Sächs. OVG, 27.08.2019 – 2 A 643/​17, zu 3 a (2) der Grün­de[]
  23. vgl. Det­mer in Hartmer/​Detmer Hoch­schulR 3. Aufl. Kap. 4 Rn. 57; Kurz in Nolden/​Rottmann/​Brinktrine/​Kurz SächsHSG § 58 [S. 274][]
  24. BVerfG 7.10.2015 – 2 BvR 568/​15, Rn. 17[]
  25. BVerwG 30.10.2014 – 2 C 7/​13, Rn. 68[]
  26. BVerfG 7.10.2015 – 2 BvR 413/​15[]