Tarif­ge­bun­den­heit durch Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag

Neh­men die Par­tei­en in einem vor dem 1. Janu­ar 2002 geschlos­se­nen Arbeits­ver­trag ("Alt­ver­trag") einen Tarif­ver­trag in sei­ner jewei­li­gen Fas­sung in Bezug, an den der Arbeit­ge­ber sei­ner­seits nor­ma­tiv gebun­den ist, endet mit dem Weg­fall der nor­ma­ti­ven Tarif­ge­bun­den­heit des Arbeit­ge­bers regel­mä­ßig die Dyna­mik. Dies gilt auch, wenn die Tarif­ge­bun­den­heit an Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge nicht über eine Mit­glied­schaft des Arbeit­ge­bers im tarif­schlie­ßen­den Ver­band, son­dern über einen von ihm als Tarif­ver­trags­par­tei mit der Gewerk­schaft geschlos­se­nen Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag ver­mit­telt ist.

Tarif­ge­bun­den­heit durch Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag

Der Klä­ger in dem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit ist seit dem Jahr 1995 bei der Beklag­ten als kauf­män­ni­scher Ange­stell­ter beschäf­tigt. In sei­nem Arbeits­ver­trag ist neben einer Ver­wei­sung auf die tarif­li­chen Urlaubs- und Kün­di­gungs­fris­ten­re­ge­lun­gen "ein Brut­to­ge­halt nach Tarif­grup­pe 5/​4 in Höhe von DM 5.400,-" ver­ein­bart, das sich aus einem Tarif­ge­halt von DM 4.848,- und einer außer­ta­rif­li­chen Zula­ge von DM 552,- zusam­men­setzt. Zu die­ser Zeit war die Beklag­te, die kei­nem Arbeit­ge­ber­ver­band ange­hört, an einen mit der IG Metall geschlos­se­nen Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag gebun­den, der meh­re­re Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge der Baye­ri­schen Metall- und Elek­tro­in­dus­trie in Bezug genom­men und vor­über­ge­hend teil­wei­se modi­fi­ziert hat­te. Die­ser Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag wur­de von der Beklag­ten zum 31. Dezem­ber 2001 gekün­digt. Nach­fol­gen­de Ände­run­gen der Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge wur­den im Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en nicht mehr umge­setzt. Der Klä­ger hat mit sei­ner Kla­ge ua. Ver­gü­tungs­dif­fe­ren­zen zwi­schen dem ihm gezahl­ten Ent­gelt und den tarif­li­chen – zwi­schen­zeit­lich – erhöh­ten Tabel­len­wer­ten der Tarif­grup­pe 5/​4 gel­tend gemacht.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat, wie in der Vor­in­stanz bereits das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg 1, die Kla­ge abge­wie­sen:

Selbst wenn man zuguns­ten des Klä­gers eine dyna­mi­sche Anwen­dung der jewei­li­gen Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen nach dem Mantel‑, dem Lohn- und Gehalts­rah­men- sowie dem Ver­gü­tungs­ta­rif­ver­trag der Baye­ri­schen Metall- und Elek­tro­in­dus­trie anneh­men wür­de, wäre die­se Dyna­mik auf­grund des Weg­falls der Tarif­ge­bun­den­heit des Arbeit­ge­bers nach der Kün­di­gung des Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges in Anwen­dung der frü­he­ren Recht­spre­chung des Vier­ten Senats zur "Gleich­stel­lungs­ab­re­de" ent­fal­len, die auf­grund Ver­trau­ens­schut­zes für "Alt­ver­trä­ge" wei­ter­hin gilt. Ob die Tarif­ge­bun­den­heit an die im Arbeits­ver­trag in Bezug genom­me­nen Tarif­re­ge­lun­gen im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses auf einer Mit­glied­schaft des Arbeit­ge­bers im Ver­band oder auf einem von ihm selbst geschlos­se­nen Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­trag beruht, ist dabei ohne Bedeu­tung. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat auch kei­nen Anlass gese­hen, sei­ne Ver­trau­ens­schutz­recht­spre­chung hin­sicht­lich der "Alt­ver­trä­ge" zu modi­fi­zie­ren.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 11. Dezem­ber 2013 – 4 AZR 473/​12

  1. LAG Nürn­berg, Urteil vom 14.03.2012 – 4 Sa 12/​10[]