Tarif­ge­bun­den­heit vs. arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel

Eine Kol­li­si­on zwi­schen den kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en nor­ma­tiv gel­ten­den und den auf­grund arbeits­ver­trag­li­cher Bezug­nah­me anwend­ba­ren Tarif­vor­schrif­ten ist nach dem Güns­tig­keits­prin­zip (§ 4 Abs. 3 TVG) zu lösen 1.

Tarif­ge­bun­den­heit vs. arbeits­ver­trag­li­che Bezug­nah­me­klau­sel

Hier­nach tre­ten unmit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de Tarif­be­stim­mun­gen hin­ter ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit für den Arbeit­neh­mer güns­ti­ge­ren Bedin­gun­gen zurück.

Ob ein Arbeits­ver­trag abwei­chen­de güns­ti­ge­re Rege­lun­gen gegen­über dem Tarif­ver­trag ent­hält, ergibt sich aus einem Ver­gleich zwi­schen der tarif­ver­trag­li­chen und der arbeits­ver­trag­li­chen Rege­lung (sog. Güns­tig­keits­ver­gleich).

Zu ver­glei­chen sind dabei die durch Aus­le­gung zu ermit­teln­den Teil­kom­ple­xe der unter­schied­li­chen Rege­lun­gen, die in einem inne­ren Zusam­men­hang ste­hen (sog. Sach­grup­pen­ver­gleich) 2. Für die Durch­füh­rung eines Güns­tig­keits­ver­gleichs sind die abs­trak­ten Rege­lun­gen maß­ge­bend, nicht das Ergeb­nis ihrer Anwen­dung im Ein­zel­fall. Hängt es von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab, ob die betref­fen­de Rege­lung güns­ti­ger ist oder nicht (sog. ambi­va­len­te Rege­lung), ist kei­ne "Güns­tig­keit" iSv. § 4 Abs. 3 TVG gege­ben 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 11. Juli 2018 – 4 AZR 533/​17

  1. BAG 15.04.2015 – 4 AZR 587/​13, Rn. 27, BAGE 151, 221[]
  2. sh. nur BAG 15.04.2015 – 4 AZR 587/​13, Rn. 27 f., aaO; 30.03.2004 – 1 AZR 85/​03, zu II 4 b bb der Grün­de mwN[]
  3. sh. nur BAG 15.04.2015 – 4 AZR 587/​13, Rn. 29 mwN, aaO[]