Tarif­li­che Aus­schluss­frist – und der noch nicht fäl­li­ge Annah­me­ver­zugs­lohn

Der Ein­hal­tung der tarif­li­chen Aus­schluss­frist steht nicht ent­ge­gen, dass die Ansprü­che auf Annah­me­ver­zugs­lohn zu dem Zeit­punkt, als der Arbeit­neh­mer sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung ver­lang­te, weder ent­stan­den noch fäl­lig waren.

Tarif­li­che Aus­schluss­frist – und der noch nicht fäl­li­ge Annah­me­ver­zugs­lohn

Eine Aus­schluss­frist, die die Gel­tend­ma­chung von "Ansprü­chen" ver­langt, setzt vor­aus, dass die rechts­er­zeu­gen­den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen bei der Gel­tend­ma­chung erfüllt sind. Fehlt es dar­an, liegt regel­mä­ßig kein Anspruch vor, der gel­tend gemacht wer­den könn­te 1.

Aus­schluss­fris­ten unter­lie­gen jedoch einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung, wenn der mit der Aus­schluss­frist ver­folg­te Zweck, dem Schuld­ner zeit­nah Gewiss­heit zu ver­schaf­fen, mit wel­chen Ansprü­chen er zu rech­nen hat, durch eine Gel­tend­ma­chung erreicht wird 2.

Die ein­schrän­ken­de Aus­le­gung ist ins­be­son­de­re dann gebo­ten, wenn bei unver­än­der­ter recht­li­cher und tat­säch­li­cher Lage ein Anspruch aus einem stän­dig glei­chen Grund­tat­be­stand ent­steht 3 und der Wort­laut des Tarif­ver­trags die Gel­tend­ma­chung künf­ti­ger Ansprü­che nicht von vorn­her­ein aus­schließt 2.

Die Fäl­lig­keit der Ver­gü­tung wegen Annah­me­ver­zugs bestimmt sich nach dem Zeit­punkt, zu dem die Ver­gü­tung bei tat­säch­li­cher Beschäf­ti­gung in den ein­zel­nen Abrech­nungs­pe­ri­oden fäl­lig gewor­den wäre 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. August 2016 – 5 AZR 853/​15

  1. vgl. BAG 9.03.2005 – 5 AZR 385/​02, zu III 1 a der Grün­de; 16.01.2013 – 10 AZR 863/​11, Rn. 29, BAGE 144, 210[]
  2. vgl. BAG 16.01.2013 – 10 AZR 863/​11, Rn. 31, aaO[][]
  3. vgl. BAG 9.03.2005 – 5 AZR 385/​02, zu III 1 b der Grün­de[]
  4. st. Rspr., vgl. BAG 24.09.2014 – 5 AZR 593/​12, Rn. 33, BAGE 149, 169[]