Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten – und die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs

Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten die­nen der Rechts­si­cher­heit und der Rechts­klar­heit. Der Anspruchs­geg­ner soll sich auf die aus Sicht des Anspruch­stel­lers noch offe­ne For­de­rung recht­zei­tig ein­stel­len, Bewei­se sichern und ggf. Rück­la­gen bil­den kön­nen. Er soll vor der Ver­fol­gung von Ansprü­chen, mit deren Gel­tend­ma­chung er nicht rech­net und auch nicht rech­nen muss, geschützt wer­den.

Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten – und die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs

Aus­ge­hend von die­sem Zweck ist die Aus­schluss­frist nur gewahrt, wenn der Anspruch­stel­ler unmiss­ver­ständ­lich zum Aus­druck bringt, dass er Inha­ber einer nach Grund und Höhe spe­zi­fi­zier­ten For­de­rung ist und auf der Erfül­lung die­ser For­de­rung besteht 1.

Die Gel­tend­ma­chung setzt vor­aus, dass der Anspruch sei­nem Grun­de nach hin­rei­chend deut­lich bezeich­net und die Höhe des Anspruchs sowie der Zeit­raum, für den er ver­folgt wird, mit der für den Schuld­ner not­wen­di­gen Deut­lich­keit ersicht­lich gemacht wird.

Die Art des Anspruchs sowie die Tat­sa­chen, auf die der Anspruch gestützt wird, müs­sen erkenn­bar sein. Eine Bezif­fe­rung der For­de­rung ist nicht erfor­der­lich, wenn dem Schuld­ner die Höhe bekannt oder für ihn ohne Wei­te­res erre­chen­bar ist und die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung erkenn­bar hier­von aus­geht 2.

Die Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs ist kei­ne Wil­lens­er­klä­rung, son­dern eine ein­sei­ti­ge rechts­ge­schäfts­ähn­li­che Hand­lung, auf deren Aus­le­gung die §§ 133, 157 BGB ent­spre­chend anzu­wen­den sind 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Okto­ber 2018 – 6 AZR 300/​17

  1. st. Rspr., BAG 15.12 2016 – 6 AZR 578/​15, Rn. 26; 18.02.2016 – 6 AZR 700/​14, Rn. 45 mwN, BAGE 154, 118[]
  2. BAG 8.05.2018 – 9 AZR 586/​17, Rn. 34; 18.02.2016 – 6 AZR 700/​14 – aaO[]
  3. BAG 21.03.2012 – 4 AZR 266/​10, Rn. 62 mwN; 11.12 2003 – 6 AZR 539/​02, zu I 1 a der Grün­de mwN, BAGE 109, 100[]