Tarifliche Eingruppierung im Gebäudereiniger-Handwerk

Nach § 2 Abs. 1 Lohntarifvertrag für die gewerblichen Beschäftigten in der Gebäudereinigung vom 23.08.2011 (nachfolgend LTV 2012) gelten für die Eingruppierung die Bestimmungen des Rahmentarifvertrags für die gewerblichen Beschäftigten in der Gebäudereinigung in der jeweils geltenden Fassung, vorliegend also § 8 RTV 2012 vom 28.06.2011.

Tarifliche Eingruppierung im Gebäudereiniger-Handwerk

Für einen Entgeltanspruch des Gebäudereinigers nach der in Anspruch genommenen Lohngruppe ist erforderlich, dass er Beschäftigter iSd. Lohngruppe 6 iSd. § 2 Abs. 2 Fall 2 LTV 2012 ist. “Beschäftigte der Lohngruppe 6” LTV 2012 sind wiederum nur die “Beschäftigte(n) der Lohngruppe 6 (gemäß RTV)”. Das erfordert nach § 8 Nr. 3.1.1 iVm. den Lohngruppen des § 8 RTV 2012 eine überwiegende Tätigkeit in der Glas- und Fassadenreinigung, der Reinigung und Pflege von Verkehrsanlagen und Verkehrseinrichtungen oder von Außenbeleuchtungsanlagen, die der Gebäudereiniger sämtlich unstreitig nicht ausübt.

Dabei erfüllt allein der Umstand, dass er eine Vergütung nach der Lohngruppe 6 LTV 2012 erhalten hat, nicht die tariflichen Voraussetzungen. § 2 Abs. 2 Fall 2 LTV 2012 verweist vielmehr insgesamt auf Fall 1 – “Lohngruppe 6: Beschäftigte der Lohngruppe 6 (gemäß RTV)” – und nicht – wie der Gebäudereiniger meint – bloß auf “Beschäftigte der Lohngruppe 6”. Einer Wiederholung des Klammerzusatzes – “(gemäß RTV)” – war daher in der Formulierung der Lohngruppe 6a LTV 2012 entbehrlich.

Die tarifvertragliche Systematik bestätigt diese Auslegung.

Nach § 2 Abs. 1 LTV 2012 sind für die Eingruppierung die Bestimmungen des jeweils geltenden Rahmentarifvertrags maßgebend. Der einschlägige § 8 Nr. 3.1.1 RTV 2012 stellt auf die tatsächlich ausgeübte überwiegende Tätigkeit ab. Dies haben die Tarifvertragsparteien, wie das Landesarbeitsgericht zutreffend ausgeführt hat, durch den Klammerzusatz in der Lohngruppe 6 LTV 2012 – “gemäß RTV” – nochmals betont.

Für die Annahme, die Tarifvertragsparteien hätten (allein) für die Lohngruppe 6a LTV 2012 eine Ausnahme von den übrigen ausnahmslos geltenden tariflichen Eingruppierungsgrundsätzen geschaffen, fehlt es an ausreichenden Anhaltspunkten. Zwar ist es zutreffend, wenn der Gebäudereiniger ausführt, die Lohngruppe 6a LTV 2012 sei keine “Lohngruppe des RTV”. Gleichwohl bleiben aber die tariflichen Eingruppierungsbestimmungen durch die Verweisungskette in § 2 Abs. 2 Fall 2 LTV 2012 auf Fall 1, der wiederum die “Lohngruppe 6 (gemäß RTV)” in Bezug nimmt, maßgebend. Die Lohngruppe 6a LTV 2012 enthält auch gegenüber der Lohngruppe 6 RTV 2012 keine weiteren inhaltlichen Anforderungen an die Tätigkeit, sondern fordert – lediglich – eine “dreimonatige Tätigkeit im Gebäudereiniger-Handwerk” als weitere Voraussetzung für den Entgeltanspruch.

Die gegenteilige Auffassung ist schließlich nicht mit Sinn und Zweck der tariflichen Eingruppierungsregelungen des RTV, auf die § 2 Abs. 1 LTV 2012 verweist, zu vereinbaren. Danach wäre nicht mehr die Tätigkeit für die zutreffende Eingruppierung maßgebend, sondern eine davon abweichende individualvertragliche Vereinbarung oder gar nur eine tatsächlich geleistete Vergütung. Weder der LTV 2012 noch der RTV 2012 weisen Anhaltspunkte auf, dass auch solche Fallgestaltungen für den tarifvertraglich geregelten Entgeltanspruch maßgebend sein sollen.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 30. September 2015 – 4 AZR 641/13