Tarif­li­che Stu­fen­zu­ord­nung – und die Pri­vi­le­gie­rung ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah­rung beim sel­ben Arbeit­ge­ber

Es ver­stößt nicht gegen die uni­ons­recht­li­chen Frei­zü­gig­keits­vor­schrif­ten in Art. 45 AEUV und Art. 7 der Ver­ord­nung (EU) 492/​2011, dass § 16 Abs. 2 TV‑L die beim sel­ben Arbeit­ge­ber erwor­be­ne ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung gegen­über ent­spre­chen­den Zei­ten bei ande­ren Arbeit­ge­bern pri­vi­le­giert.

Tarif­li­che Stu­fen­zu­ord­nung – und die Pri­vi­le­gie­rung ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah­rung beim sel­ben Arbeit­ge­ber

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist die Arbeit­neh­me­rin seit Janu­ar 2014 als Erzie­he­rin beim beklag­ten Land beschäf­tigt. Sie wird nach Ent­gelt­grup­pe 8 Stu­fe 2 TV‑L ver­gü­tet. Die Arbeit­neh­me­rin war seit 1997 bei ver­schie­de­nen ande­ren Arbeit­ge­bern im deut­schen Inland tätig. Sie hält die Pri­vi­le­gie­rung ein­schlä­gi­ger Berufs­er­fah­rung beim sel­ben Arbeit­ge­ber durch § 16 Abs. 2 TV‑L unter ande­rem wegen der unmit­tel­bar wir­ken­den uni­ons­recht­li­chen Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keits­be­stim­mun­gen für unzu­läs­sig. Des­halb will die Arbeit­neh­me­rin fest­ge­stellt wis­sen, dass ihr seit Janu­ar 2014 Ent­gelt aus Stu­fe 5 der Ent­gelt­grup­pe 8 TV‑L zusteht.

Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat sie auf die Beru­fung des beklag­ten Lan­des abge­wie­sen 1. Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Arbeit­neh­me­rin hat­te jetzt vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg:

§ 16 Abs. 2 TV‑L weist kei­nen hin­rei­chen­den Aus­lands­be­zug auf, wenn Arbeit­neh­mer nur in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land beschäf­tigt waren und kei­ne Qua­li­fi­ka­tio­nen in ande­ren Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on erwor­ben haben. Der sach­li­che Anwen­dungs­be­reich der uni­ons­recht­li­chen Frei­zü­gig­keits­vor­schrif­ten ist in sol­chen Fäl­len nicht eröff­net. Das ist durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on geklärt. Auch natio­na­le Rege­lun­gen ste­hen der Pri­vi­le­gie­rung der beim sel­ben Arbeit­ge­ber erwor­be­nen ein­schlä­gi­gen Berufs­er­fah­rung nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Febru­ar 2017 – 6 AZR 843/​15

  1. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 06.10.2015 – 7 Sa 773/​15[]