Tarif­li­che Wech­sel­schicht­zu­la­ge

Der Anspruch auf Wech­sel­schicht­zu­la­ge setzt vor­aus, dass im jewei­li­gen Kalen­der­mo­nat der dienst­plan­mä­ßi­ge Ein­satz in allen Schich­ten erfolgt.

Tarif­li­che Wech­sel­schicht­zu­la­ge

Nach dem im vor­lie­gend ein­schlä­gi­gen Man­tel­ta­rif­ver­trag getrof­fe­nen Bestim­mun­gen ist Wech­sel­schicht der dienst­plan­mä­ßi­ge Ein­satz im Drei­schicht­sys­tem (Früh, Spät- und Nacht­dienst). Im hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern ent­schie­de­nen Fall leis­tet die Arbeit­neh­me­rin im Regel­fall in jedem Monat dienst­plan­mä­ßig Wech­sel­schicht. Im Monat Dezem­ber 2011 war sie jedoch urlaubs­be­dingt nur an vier Tagen, und zwar aus­schließ­lich in der Spät­schicht, tätig.

Damit sind nach Ansicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts Meck­len­burg-Vor­pom­mern die tarif­ver­trag­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zah­lung der Wech­sel­schicht­zu­la­ge, unab­hän­gig von der im zurück­lie­gen­den Zeit­raum geleis­te­ten Stun­den im Nacht­dienst, nicht erfüllt.

Vor­aus­set­zung für die Zah­lung der Wech­sel­schicht­zu­la­ge ist zunächst, dass der Arbeit­neh­mer in dem Monat in allen drei Schich­ten ein­ge­setzt wur­de. Die­ses Ergeb­nis folgt für das Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern aus der Aus­le­gung des Tarif­ver­tra­ges. Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils des Tarif­ver­tra­ges folgt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts den für die Aus­le­gung von Geset­zen gel­ten­den Regeln. Dabei ist zunächst vom Tarif­wort­laut aus­zu­ge­hen, wobei der maß­geb­li­che Sinn der Erklä­rung zu erfor­schen ist, ohne am Buch­sta­ben zu haf­ten. Bei nicht ein­deu­ti­gem Tarif­wort­laut ist der wirk­li­che Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en mit zu berück­sich­ti­gen, soweit er in den tarif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat. Abzu­stel­len ist stets auf den tarif­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang, weil die­ser Anhalts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en lie­fert und nur so der Sinn und der Zweck der Tarif­norm zutref­fend ermit­telt wer­den kön­nen.

Lässt dies zwei­fels­freie Aus­le­gungs­er­geb­nis­se nicht zu, dann kön­nen die Gerich­te für Arbeits­sa­chen ohne Bin­dung an eine Rei­hen­fol­ge wei­te­re Kri­te­ri­en wie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Tarif­ver­tra­ges, ggf. auch die prak­ti­sche Tarif­übung ergän­zend hin­zu­zie­hen. Auch die Prak­ti­ka­bi­li­tät denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen; im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Tarif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu einer ver­nünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Rege­lung führt 1.

Die­ses zu Grun­de gelegt, folgt aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Rege­lun­gen des MTV, dass hier – anders als nach § 8 TVöD – kei­ne stän­di­ge Zula­ge zu zah­len ist, die ledig­lich an den Ein­satz in Wech­sel­schicht gene­rell anknüpft. In § 16 Abs. 1 S. 2 MTV wird aus­drück­lich gere­gelt, wie unstän­di­ge Ent­gelt­be­stand­tei­le zu berech­nen sind. Sie sind näm­lich erst im Fol­ge­mo­nat abzu­rech­nen. Die­ser Rege­lung bedürf­te es nicht, wenn sie gene­rell zu zah­len wären. Auch ent­hält der MTV unter­schied­lich hohe Zula­gen. Zudem wer­den, wenn kei­ne Wech­sel­schich­ten geleis­tet wer­den, Zeit­zu­schlä­ge gezahlt. Zur Aus­zah­lung kommt nach § 15 Ziff. 14 d)) MTV aller­dings immer nur der für den Monat jeweils ermit­tel­te höchs­te Zuschlag. Die­ses zusam­men­ge­nom­men ist die Wech­sel­schicht­zu­la­ge nur zu zah­len, wenn im jewei­li­gen Monat tat­säch­lich ein dienst­plan­mä­ßi­ger Ein­satz in der Wech­sel­schicht erfolg­te.

Schließ­lich ent­spricht die­ses Ergeb­nis auch dem Sinn und Zweck der Schicht­zu­la­ge. Sie soll einen Aus­gleich für die Stö­rung des gleich­mä­ßi­gen Tages­rhyth­mus gewäh­ren 2. In Zeit­räu­men, in denen die­se Stö­rung nicht ein­tritt, ist kein Aus­gleich erfor­der­lich. Dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en die­sen Zeit­raum nach der Rege­lung in § 15 auf den Kalen­der­mo­nat fest­ge­legt haben, ist nicht zu bean­stan­den. Inso­weit kann die Arbeit­neh­me­rin auch nicht mit ihrer Argu­men­ta­ti­on gehört wer­den, dass nicht erkenn­bar sei, dass die hie­si­gen Tarif­ver­trags­par­tei­en von den Rege­lun­gen des BAT bzw. des TVöD hät­ten abwei­chen wol­len. Anhalts­punk­te für die­se Auf­fas­sung sind im hier ent­schie­de­nen Fall weder ersicht­lich noch vor­ge­tra­gen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 4. Sep­tem­ber 2014 – 4 Sa 244/​13

  1. z. B. BAG 26.11.2003, 4 AZR 693/​02[]
  2. BAG 12.03.2008, 4 AZR 616/​06[]