Tarif­ver­trag – und sei­ne nicht tarif­ver­trag­li­chen Rechts­no­men

Bei einem Tarif­ver­trag im Sin­ne des § 1 Abs. 1 TVG mmüs­sen nicht alle Bestim­mun­gen tarif­ver­trag­li­che Rechts­nor­men sein.

Tarif­ver­trag – und sei­ne nicht tarif­ver­trag­li­chen Rechts­no­men

Nach § 1 Abs. 1 TVG regelt ein Tarif­ver­trag die Rech­te und Pflich­ten der Tarif­ver­trags­par­tei­en und ent­hält Rechts­nor­men, die den Inhalt, den Abschluss und die Been­di­gung von Arbeits­ver­hält­nis­sen sowie betrieb­li­che und betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen ord­nen kön­nen. Ein Tarif­ver­trag kann daher sowohl schuld­recht­li­che als auch nor­ma­ti­ve Bestim­mun­gen ent­hal­ten.

Tarif­fä­hi­ge Koali­tio­nen und Arbeit­ge­ber kön­nen auch nicht tarif­li­che Ver­ein­ba­run­gen tref­fen. Ob es sich bei einer Bestim­mung in einem Tarif­ver­trag um eine nor­ma­ti­ve oder um eine schuld­recht­li­che Bestim­mung han­delt, ist im Wege der Aus­le­gung zu ermit­teln. Die­se Aus­le­gung rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen Regeln über das Zustan­de­kom­men und die Aus­le­gung schuld­recht­li­cher Ver­trä­ge in §§ 133, 157 BGB 1.

Danach kommt es für die Fra­ge, ob einer Tarif­be­stim­mung Rechts­norm­cha­rak­ter bei­zu­mes­sen ist, dar­auf an, ob die Tarif­ver­trags­par­tei­en ihren Wil­len zur Norm­set­zung hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck gebracht haben. Dazu müs­sen sie durch bin­den­de, dh. nor­ma­ti­ve Rege­lun­gen die Klä­rung von Rechts­an­wen­dungs­pro­ble­men ver­bind­lich vor­weg­neh­men 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2017 – 7 AZR 390/​15

  1. vgl. BAG 26.01.2011 – 4 AZR 159/​09, Rn. 18, 21 mwN, BAGE 137, 45[]
  2. vgl. BAG 9.02.2011 – 7 AZR 91/​10, Rn. 48 mwN[]