Tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen über sach­grund­lo­se Befris­tung

Durch Tarif­ver­trag kön­nen sowohl die Höchst­dau­er als auch die Anzahl der zuläs­si­gen Ver­län­ge­run­gen eines sach­grund­los befris­te­ten Arbeits­ver­trags abwei­chend von den Vor­schrif­ten des Teil­zeit- und Befris­tungs­ge­set­zes (TzB­fG) gere­gelt wer­den.

Tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen über sach­grund­lo­se Befris­tung

Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 TzB­fG ist die kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung eines Arbeits­ver­trags ohne Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zuläs­sig. Bis zu die­ser Gesamt­dau­er darf nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 TzB­fG ein befris­te­ter Ver­trag höchs­tens drei­mal ver­län­gert wer­den. Aller­dings bestimmt § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG, dass durch Tarif­ver­trag die Anzahl der Ver­län­ge­run­gen oder die Höchst­dau­er der Befris­tung abwei­chend fest­ge­legt wer­den kann.“

Nach § 14 Abs. 2 Satz 4 TzB­fG kön­nen nicht tarif­ge­bun­de­ne Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer im Gel­tungs­be­reich eines sol­chen Tarif­ver­trags die Anwen­dung der tarif­li­chen Rege­lun­gen ver­ein­ba­ren. Wie die Aus­le­gung des § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG ergibt, erlaubt die Vor­schrift den Tarif­ver­trags­par­tei­en nicht nur, ent­we­der Gesamt­dau­er oder Anzahl der Ver­län­ge­run­gen, son­dern bei­des zugleich auch zuun­guns­ten der Arbeit­neh­mer abwei­chend vom Gesetz zu regeln. Aller­dings ist die­se Befug­nis ins­be­son­de­re aus ver­fas­sungs- und uni­ons­recht­li­chen Grün­den nicht völ­lig schran­ken­los.

In dem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren war der Klä­ger bei der Beklag­ten – einem Unter­neh­men des Wach- und Sicher­heits­ge­wer­bes – auf­grund eines befris­te­ten, mehr­fach ver­län­ger­ten Arbeits­ver­trags vom 3. April 2006 bis zum 2. Okto­ber 2009 als Trans­port­fah­rer beschäf­tigt. Im ers­ten Ver­trag und in den Ver­län­ge­rungs­ver­trä­gen war die Anwen­dung des Man­tel­ta­rif­ver­trags für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (MRTV) ver­ein­bart. Nach § 2 Nr. 6 Sät­ze 1 und 2 MRTV sind ohne sach­li­chen Grund sowohl die kalen­der­mä­ßi­ge Befris­tung eines Arbeits­ver­trags bis zur Dau­er von 42 Mona­ten als auch bis zu die­ser Gesamt­dau­er die höchs­tens vier­ma­li­ge Ver­län­ge­rung zuläs­sig. Der Klä­ger hält die tarif­li­che Bestim­mung für unwirk­sam und griff daher die dar­auf gestütz­te Befris­tung sei­nes Arbeits­ver­trags zum 2. Okto­ber 2009 an.

Sei­ne Kla­ge hat­te – wie zuvor schon vor dem Arbeits­ge­richt und dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt 1 – auch beim Bun­des­ar­beits­ge­richt kei­nen Erfolg. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt beur­teil­te die Rege­lung des MRTV als durch § 14 Abs. 2 Satz 3 TzB­fG gedeckt und damit als wirk­sam.

Der jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­ne Fall ver­lang­te dage­gen kei­ne Ent­schei­dung, wo die mög­li­chen Gren­zen der gesetz­lich eröff­ne­ten Rege­lungs­be­fug­nis der Tarif­ver­trags­par­tei­en lie­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. August 2012 – 7 AZR 184/​11

  1. Hess. LAG, Urteil vom 03.12.2010 – 10 Sa 659/​10[]