Teil­an­fech­tung der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung

Eine Teil­an­fech­tung ist nur mög­lich, wenn der nach Weg­fall des ange­foch­te­nen Teils ver­blei­ben­de Rest bei objek­ti­ver, vom Wil­len der Betei­lig­ten abse­hen­der Betrach­tung als selbst­stän­di­ges, unab­hän­gig von den ande­ren Tei­len bestehen­des Rechts­ge­schäft denk­bar ist.

Teil­an­fech­tung der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung

Dabei kommt es für die Fra­ge, ob eine Teil­an­fech­tung begriff­lich mög­lich ist, nicht auf den Wil­len der am Rechts­ge­schäft Betei­lig­ten, son­dern allein auf die objek­ti­ve (gedank­li­che) Zer­leg­bar­keit des Rechts­ge­schäfts an 1.

Die Ver­gü­tungs­re­ge­lung kann nicht als selbst­stän­di­ger Teil eines Rechts­ge­schäfts ange­se­hen wer­den 2. Die Teil­an­fech­tung bezö­ge sich auf einen Kern­punkt des Ver­trags und stör­te das ver­ein­bar­te Ord­nungs- und Äqui­va­lenz­ge­fü­ge, was unzu­läs­sig ist 3.

Danach ist eine Teil­an­fech­tung der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung aus­ge­schlos­sen, da bei objek­ti­ver, vom Wil­len der Par­tei­en abse­hen­der Betrach­tung ein selbst­stän­di­ges, unab­hän­gig von der kon­sti­tu­ti­ven arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung bestehen­des Rechts­ge­schäft nicht denk­bar ist. Ohne die­se Ver­gü­tungs­re­ge­lung, die eine im Syn­al­lag­ma ste­hen­de Haupt­leis­tungs­pflicht des Arbeit­ge­bers betrifft und nicht als selbst­stän­di­ger Teil des Rechts­ge­schäfts ange­se­hen wer­den kann, ver­blie­be kei­ne in sich sinn­vol­le Rege­lung. Die Teil­an­fech­tung bezö­ge sich auf einen Kern­punkt des Ver­trags und stör­te das ver­ein­bar­te Ord­nungs- und Äqui­va­lenz­ge­fü­ge.

Auch die Erwä­gung, die sich erge­ben­de Lücke kön­ne durch eine Anwen­dung des § 612 Abs. 2 BGB geschlos­sen wer­den, führt nicht zur Zuläs­sig­keit der auf die arbeits­ver­trag­li­che Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung beschränk­ten Anfech­tung. Dies betrifft die bei Wirk­sam­keit der Teil­an­fech­tung erst in einem zwei­ten Schritt zu prü­fen­de Fra­ge, wel­che Rege­lung an die Stel­le der nich­ti­gen Ver­trags­ver­ein­ba­rung tritt.

Da die iso­lier­te Anfech­tung der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung bereits aus den genann­ten Grün­den aus­schei­det, konn­te im vor­lie­gen­den Fall dahin­ste­hen, ob ein Anfech­tungs­grund gemäß § 119 Abs. 1 BGB bestand. Wei­ter muss­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht ent­schei­den, ob die Anfech­tung noch unver­züg­lich iSd. § 121 Abs. 1 BGB erklärt wor­den ist, obgleich der Arbeit­neh­mer schon im Schrift­satz vom 29.03.2016 die Aus­le­gung der im Arbeits­ver­trag ent­hal­ten Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung als kon­sti­tu­tiv für sich in Anspruch genom­men hat, ohne jedoch aus­drück­lich auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 21.08.2013 4 hin­zu­wei­sen 5. Auf die­se bei­den Gesichts­punk­ten kommt es nicht an.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Okto­ber 2018 – 6 AZR 246/​17

  1. BAG 24.02.2011 – 6 AZR 626/​09, Rn. 50 mwN; dem fol­gend Hes­si­sches LAG 28.11.2012 – 18 Sa 594/​12, zu II 2 a der Grün­de[]
  2. vgl. BAG 28.01.1987 – 5 AZR 163/​86, zu IV 2 der Grün­de[]
  3. vgl. BAG 22.01.1981 – 3 AZR 541/​78, zu II 2 a der Grün­de; vgl. zur Unzu­läs­sig­keit einer Teil­kün­di­gung wegen der Stö­rung des ver­ein­bar­ten Ord­nungs- und Äqui­va­lenz­ge­fü­ges BAG 18.05.2017 – 2 AZR 721/​16, Rn. 17 mwN, BAGE 159, 148[]
  4. BAG 21.08.2013 – 4 AZR 656/​11[]
  5. vgl. zur Fra­ge des Beginns der Anfech­tungs­frist und der damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Fra­ge der Kennt­nis des Anfech­tungs­grun­des bei einer Even­tu­al­an­fech­tung Staudinger/​Singer (2017) § 121 Rn. 4 ff. mwN[]