Teil­ur­teil – bei meh­re­ren Streitgegenständen

Ein unter Ver­stoß gegen § 301 Abs. 1 ZPO ergan­ge­nes Teil­ur­teil lei­det an einem wesent­li­chen Ver­fah­rens­man­gel, der in der Revi­si­ons­in­stanz nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 557 Abs. 3 Satz 2 ZPO von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen ist1.

Teil­ur­teil – bei meh­re­ren Streitgegenständen

Das Revi­si­ons­ge­richt ist auch ohne eine ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­rüge gehal­ten, die Zuläs­sig­keit der Ent­schei­dung durch Teil­ur­teil zu überprüfen. 

Nach § 301 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat das Gericht die Ent­schei­dung durch End­ur­teil (Teil­ur­teil) zu erlas­sen, wenn von meh­re­ren in einer Kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­chen nur der eine oder nur ein Teil eines Anspruchs zur End­ent­schei­dung reif ist. § 301 Abs. 1 ZPO setzt die Teil­bar­keit der Kla­ge­for­de­rung vor­aus. Der Teil, über den ent­schie­den wird, muss vom Rest des gel­tend gemach­ten pro­zes­sua­len Anspruchs unab­hän­gig sein, so dass die Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen nicht besteht2.

Danach konn­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall durch Teil­ur­teil entscheiden:

Die Fra­ge der Zah­lungs­ver­pflich­tung für Fens­ter und eine Bade­zim­mer­ein­rich­tung, die vom Beklag­ten jeweils auf Kos­ten der K KG beschafft wor­den waren, behan­delt eigen­stän­di­ge Streit­ge­gen­stän­de. Sie wei­sen kei­nen wett­be­werbs­recht­li­chen Bezug auf. Über sie kann unab­hän­gig von den hier zu klä­ren­den Fra­gen ent­schie­den werden.

Auch der Aus­kunfts­an­spruch zu der Grün­dung eines Kon­kur­renz­un­ter­neh­mens „Recy­cle­plast XY“ durch den Beklag­ten und den Zah­lun­gen von Waren­ein­käu­fen die­ses Unter­neh­mens bei einer S GmbH durch die K KG wird durch die Anträ­ge, über die das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den hat, nicht prä­ju­di­ziert. Bei dem Unter­neh­men „Recy­cle­plast XY“ soll es sich nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin um ein wei­te­res Kon­kur­renz­un­ter­neh­men und dem­nach um ein eigen­stän­di­ges Han­dels­ge­wer­be des Beklag­ten handeln.

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Soweit das Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­zel­nen der in einer Stu­fen­kla­ge ver­bun­de­nen Anträ­ge statt­ge­ge­ben und über die Anträ­ge der wei­te­ren Stu­fen nicht ent­schie­den hat, ist es recht­lich nicht aus­ge­schlos­sen, dass die maß­geb­li­chen Vor­fra­gen im wei­te­ren Ver­fah­ren über den Zah­lungs­an­spruch abwei­chend von dem Teil­ur­teil beur­teilt wer­den. Ein Wider­spruch hin­sicht­lich der auf den ver­schie­de­nen Stu­fen der Stu­fen­kla­ge zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen ist in die­sem Fall zu akzep­tie­ren3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Febru­ar 2021 – 10 AZR 8/​19

  1. BAG 22.01.2020 – 10 AZR 387/​18, Rn. 12 mwN, BAGE 169, 285[]
  2. st. Rspr., zB BAG 22.01.2020 – 10 AZR 387/​18, Rn. 13 mwN, BAGE 169, 285[]
  3. BGH 25.06.2020 – I ZB 108/​19, Rn. 25; 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, Rn. 17 f. mwN, BGHZ 189, 79; vgl. BAG 27.05.2020 – 5 AZR 387/​19, Rn. 23 ff., BAGE 170, 327[]

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