Trans­for­ma­ti­on tarif­li­cher Rege­lun­gen nach einem Betriebs­über­gang

Ver­weist ein Aner­ken­nungs­haus­ta­rif­ver­trag, der nach sei­nem Gel­tungs­be­reich für alle Arbeit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­den des Arbeit­ge­bers gilt, auf Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge mit einem ande­ren räum­li­chen Gel­tungs­be­reich, gel­ten deren Nor­men grund­sätz­lich unab­hän­gig davon, ob der räum­li­che Gel­tungs­be­reich des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trags auch für die vom Haus­ta­rif­ver­trag erfass­ten Arbeit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­den gege­ben ist.

Trans­for­ma­ti­on tarif­li­cher Rege­lun­gen nach einem Betriebs­über­gang

Die infol­ge des Betriebs­über­gangs 2002 gemäß § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­mier­ten tarif­li­chen Rege­lun­gen des Aner­ken­nungs-TV in Ver­bin­dung mit dem Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trag sind mit dem Rege­lungs­be­stand vom Tag vor dem Betriebs­über­gang [1] auf das Arbeits­ver­hält­nis anzu­wen­den.

Für die Gel­tung des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges ist es nicht erfor­der­lich, dass das Arbeits­ver­hält­nis mit der Rechts­vor­gän­ge­rin von dem in den Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trä­gen fest­ge­leg­ten räum­li­chen Gel­tungs­be­reich erfasst wird. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en des Aner­ken­nungs-TV haben den räum­li­chen Gel­tungs­be­reich die­ses Tarif­ver­trags ersicht­lich eigen­stän­dig – "für alle in den Fir­men beschäf­tig­ten Arbei­ter, Ange­stell­ten und Aus­zu­bil­den­den" – und damit unab­hän­gig von den räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs­re­ge­lun­gen der bei­den Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­trä­ge ver­ein­bart. Dies folgt auch aus dem Wort­laut von Nr.03.1 Aner­ken­nungs-TV ("gel­ten für die unter dem jewei­li­gen Gel­tungs­be­reich auf­ge­führ­ten Arbeit­neh­mer"). Der Aner­ken­nungs-TV stellt ledig­lich auf den jewei­li­gen per­sön­li­chen, nicht aber auf den räum­li­chen Gel­tungs­be­reich ab.

Die­je­ni­gen Rech­te und Pflich­ten aus dem Arbeits­ver­hält­nis, die durch die tarif­li­chen Rege­lun­gen des Aner­ken­nungs-TV iVm. den Bestim­mun­gen Ver­wei­sungs-TV gere­gelt waren, sind nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB mit Betriebs­über­gang Inhalt des Arbeits­ver­hält­nis­ses mit der Betriebs­über­neh­me­rin gewor­den. Spä­te­re Ände­run­gen der tarif­li­chen Rege­lun­gen haben kei­nen Ein­fluss auf die wei­te­re Anwend­bar­keit des nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­mier­ten Nor­men­be­stan­des für das auf einen Betriebs­er­wer­ber über­ge­gan­ge­ne Arbeits­ver­hält­nis [2]. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann eine nach­fol­gen­de Ände­rung der Tarif­nor­men für den Bestand oder den Inhalt der nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB zuvor trans­for­mier­ten kol­lek­tiv-recht­li­chen Rege­lun­gen grund­sätz­lich nur zu einem Weg­fall der Sperr­frist nach § 613a Abs. 1 Satz 4 BGB für den Erwer­ber füh­ren, so dass die Rege­lun­gen des bis­her maß­ge­ben­den Tarif­ver­trags ein­zel­ver­trag­lich dis­po­si­tiv wer­den. Ein ande­res Ergeb­nis kann sich allen­falls dann erge­ben, wenn die Nach­wir­kung von Tarif­nor­men aus­ge­schlos­sen wor­den war [3]. Das ist vor­lie­gend aber weder ersicht­lich noch geht das Lan­des­ar­beits­ge­richt davon aus.

Mit die­sem Inhalt und unter Bei­be­hal­tung des kol­lek­tiv-recht­li­chen Cha­rak­ters der vor­ma­li­gen tarif­li­chen Rege­lun­gen des Ver­wei­sungs-TV [4] ist das Arbeits­ver­hält­nis auf den Betriebs­über­neh­mer über­ge­gan­gen.

Eine Ablö­sung der Rege­lun­gen des Ver­wei­sungs-MTV durch die beim Über­neh­mer bestehen­de Betriebs­ver­ein­ba­rung ("Arbeits­zeit­ord­nung") nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB ist nicht erfolgt. Dabei kann dahin­ste­hen, ob und in wel­chem Umfang die Rege­lungs­sper­re des § 77 Abs. 3 BetrVG die­se Betriebs­ver­ein­ba­rung erfasst.

Eine ver­schlech­tern­de Ablö­sung der zwi­schen einem Ver­äu­ße­rer und einem Arbeit­neh­mer auf­grund bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit gel­ten­den tarif­li­chen Rege­lun­gen durch Bestim­mun­gen einer bei einem nicht tarif­ge­bun­de­nen Betriebs­er­wer­ber gel­ten­den Betriebs­ver­ein­ba­rung im Wege der Über-Kreuz-Ablö­sung ist jeden­falls außer­halb des Berei­ches der erzwing­ba­ren Mit­be­stim­mung nicht mög­lich [5].

Da im Streit­fall die BV Arbeits­zeit­ord­nung auf­grund der Zuschlags­re­ge­lun­gen jeden­falls auch mit­be­stim­mungs­freie Tei­le ent­hält (sog. teil­mit­be­stimm­te Betriebs­ver­ein­ba­rung), schei­det eine Ablö­sung der Rege­lun­gen des MTV nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB aus. Zwar bedarf ein Ver­tei­lungs- und Leis­tungs­plan über finan­zi­el­le Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG der Zustim­mung des Betriebs­rats. Der Arbeit­ge­ber kann aber den Dotie­rungs­rah­men der von ihm für die Ver­gü­tung der Arbeit­neh­mer bereit­ge­stell­ten Mit­tel mit­be­stim­mungs­frei unter Beach­tung von § 6 Abs. 5 ArbZG fest­le­gen [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 3. Juli 2013 – 4 AZR 961/​11

  1. vgl. BAG 29.08.2001 – 4 AZR 332/​00, zu I 3 b bb der Grün­de, BAGE 99, 10[]
  2. BAG 21.04.2010 – 4 AZR 768/​08, Rn. 50, BAGE 134, 130; 22.04.2009 – 4 AZR 100/​08, Rn. 83 mwN, BAGE 130, 237[]
  3. ausf. BAG 22.04.2009 – 4 AZR 100/​08, Rn. 71 bis 76, aaO[]
  4. ausf. BAG 22.04.2009 – 4 AZR 100/​08, Rn. 61 ff., BAGE 130, 237; wei­ter­hin 6.07.2011 – 4 AZR 494/​09, Rn. 67[]
  5. ausf. BAG 21.04.2010 – 4 AZR 768/​08, Rn. 43 ff. mwN, BAGE 134, 130[]
  6. BAG 26.08.2008 – 1 AZR 354/​07, Rn. 15, 21 mwN, BAGE 127, 297; s. auch 21.04.2010 – 4 AZR 768/​08, Rn. 46, BAGE 134, 130[]