Über­durch­schnitt­li­che Arbeits­zeit – und ihr Aus­gleich durch Urlaubs- und Fei­er­ta­ge

Urlaubs- und gesetz­li­che Fei­er­ta­ge dür­fen bei der Berech­nung der Höchst­ar­beits­zeit nach dem Arbeits­zeit­ge­setz nicht als Aus­gleichs­ta­ge berück­sich­tigt wer­den. Das gilt auch für Urlaubs­ta­ge, die über den gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub hin­aus gewährt wer­den, sowie für gesetz­li­che Fei­er­ta­ge, die auf einen Werk­tag fal­len.

Über­durch­schnitt­li­che Arbeits­zeit – und ihr Aus­gleich durch Urlaubs- und Fei­er­ta­ge

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall führ­te das kla­gen­de Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Köln für die bei ihm beschäf­tig­ten Ärz­te soge­nann­te Arbeits­zeit­schutz­kon­ten, um die Ein­hal­tung der höchst­zu­läs­si­gen Arbeits­zeit im Jah­res­durch­schnitt sicher­zu­stel­len. Dabei wer­den die wöchent­li­che Höchst­ar­beits­zeit als Soll ver­bucht und die tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­stun­den als Haben erfasst. Tage des gesetz­li­chen Min­dest­ur­laubs wer­den so ver­bucht, als sei an ihnen regu­lär gear­bei­tet wor­den. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Urlaubs­ta­ge und gesetz­li­che Fei­er­ta­ge, die auf einen Werk­tag fal­len, wer­te­te das Uni­kli­ni­kum hin­ge­gen als Aus­gleichs­ta­ge mit einer geleis­te­ten Arbeits­zeit von null Stun­den. Damit konn­ten die­se Tage zum Aus­gleich für über­durch­schnitt­lich geleis­te­te Arbeit an ande­ren Tagen her­an­ge­zo­gen wer­den. Die Bezirks­re­gie­rung Köln unter­sag­te die­se Pra­xis des Uni­kli­ni­kums, weil sie dar­in einen Ver­stoß gegen das Arbeits­zeit­ge­setz sah.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge blieb sowohl vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 2 ohne Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on des Uni­kli­ni­kums zurück­ge­wie­sen:

Urlaubs­ta­ge dür­fen, auch wenn sie über den gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub hin­aus­ge­hen, bei der Berech­nung der durch­schnitt­li­chen Höchst­ar­beits­zeit nach dem Arbeits­zeit­ge­setz nicht als Aus­gleichs­ta­ge her­an­ge­zo­gen wer­den. Aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des Arbeits­zeit­ge­set­zes und des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes ergibt sich, dass als Aus­gleichs­ta­ge nur Tage die­nen kön­nen, an denen der Arbeit­neh­mer nicht schon wegen Urlaubs­ge­wäh­rung von der Arbeits­pflicht frei­ge­stellt ist.

Eben­so wenig dür­fen gesetz­li­che Fei­er­ta­ge, die auf einen Werk­tag fal­len, bei der Berech­nung der durch­schnitt­li­chen Höchst­ar­beits­zeit als Aus­gleichs­ta­ge her­an­ge­zo­gen wer­den. Gesetz­li­che Fei­er­ta­ge sind kei­ne Werk­ta­ge und grund­sätz­lich beschäf­ti­gungs­frei. Daher wer­den sie bei der Berech­nung der werk­täg­li­chen Höchst­ar­beits­zeit nach dem Arbeits­zeit­ge­setz nicht in den Aus­gleich ein­be­zo­gen.

Uni­ons­recht steht dem nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht ent­ge­gen. Die Arbeits­zeit­richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on, die zur Ver­bes­se­rung der Sicher­heit und des Gesund­heits­schut­zes der Arbeit­neh­mer erlas­sen wur­de, ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten zur Gewähr­leis­tung eines Min­dest­stan­dards, ohne dar­über hin­aus­ge­hen­de, den Stan­dard ver­bes­sern­de natio­na­le Rege­lun­gen aus­zu­schlie­ßen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 9. Mai 2018 – 8 C 13.17

  1. VG Köln, Urteil vom 22.11.2012 – 1 K 4015/​11[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 23.06.2016 – 4 A 2803/​12[]